Nachgefragt

„Es ist für Putin ein Kampf der Systeme geworden“

„Es ist für Putin ein Kampf der Systeme geworden“

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Der Krieg in der Ukraine tobt seit mehr als drei Monaten. Brigadegeneral Dr. Christian Freuding beobachtet die Entwicklungen für das Verteidigungsministerium. In „Nachgefragt“ Folge zwölf analysiert der Leiter des Lagezentrums Ukraine die aktuelle Lage für die Zuschauer. Es moderiert Oberleutnant Lara Weyland.

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Brigadegeneral Dr. Christian Freuding leitet das Lagezentrum Ukraine im Verteidigungsministerium. Im Gespräch mit Moderatorin Oberleutnant Lara Weyland analysiert er in Folge zwölf von "Nachgefragt" die aktuellen Entwicklungen an der Front.

Es ist der zweite Auftritt des Brigadegenerals im Youtube-Format „Nachgefragt“ der Redaktion der Bundeswehr, das die deutschen Bürgerinnen und Bürger seit Kriegsausbruch informiert und ihre Fragen beantwortet. Anhand einer taktischem Karte verdeutlicht Freuding die Lage: „Wir beobachten die Konzentration des Kampfgeschehens auf den Osten, den Donbass. Und wir beobachten ein zähes Ringen zwischen den ukrainischen und den russischen Streitkräften in diesem Raum.“ Russland versuche, die ukrainischen Truppen in einer Zangenbewegung einzuschließen und von ihrer Versorgung abzuschneiden. Russland könne aber nur temporär und punktuell Luftüberlegenheit herstellen, um seine Kampftruppen zu unterstützen. Im Süden des Landes seien die russischen Streitkräfte faktisch zur Verteidigung übergegangen, analysiert der General.

Moral und Taktik

Die Moral der ukrainischen Verteidiger sei weiter stark, so der Brigadegeneral. Sie nutzten die örtlichen Gegebenheiten geschickt aus, um den russischen Angreifern zuzusetzen: „Sie kämpfen mit dem Gelände.“ Die Koordination der russischen Kriegsführung zu Boden und in der Luft funktioniere nicht so wie erwartet. Zudem sinke ihre Kampfentschlossenheit durch Verluste an Menschen und an Material. Ein Beispiel sei die gescheiterte Querung des Donezflusses, bei dem die russische Armee schwere Verluste erlitten hatte.

Von einem Abnutzungskrieg könne man aber noch nicht sprechen, so der Brigadegeneral. „Es ist nach wie vor ein Bewegungskrieg, der aber langsamer von statten geht, als wir das gewöhnt wären.“ Die Verluste auf beiden Seiten würden dazu führen, dass dieser Bewegungskrieg immer schwieriger zu führen sei. Die Waffenlieferungen des Westens hätten geholfen, die erste Dynamik des russischen Überfalls zu brechen.

Was bedeutet der Fall von Mariupol?

Der Fall der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer sei „von durchaus hoher Bedeutung“ für Russland, so Freuding. Zum einen als Propagandaerfolg für Präsident Putin, zum anderen könnten die bisher bei der Belagerung von Mariupol gebundenen Kräfte an anderer Stelle eingesetzt werden. „Russland kann ein für sie günstigeres Kräfteverhältnis generieren.“ Der Hafen könne von Russland als neuer Nachschubweg genutzt werden, die Verbindung zur Krim sei nun auch seeseitig geschlossen. 

Die russische Kriegsführung konzentriere sich nun auf die Eroberung der Verwaltungsbezirke Luhansk und Donezk im Donbass, so der Brigadegeneral. „Wir sehen den Willen Russlands, die Ukraine so zu schwächen – und zwar sowohl die Streitkräfte als auch die ukrainische Staatlichkeit insgesamt – dass Verhandlungen geführt werden können zu Putins Bedingungen.“ 

Kampf der Systeme

Angestrebt werde offenbar ein Diktatfrieden, so Freuding. „Es geht um die Eroberung von Raum.“ Trotz der massiven Verluste der Streitkräfte seien noch keine Risse innerhalb des russischen Systems auszumachen. Putin kontrolliere weiter alle Schaltstellen der Macht und werde von der Bevölkerung unterstützt. „Vorne an der Front sterben nicht die Bürger St. Petersburgs und Moskaus“, so der Brigadegeneral. „Es ist für Putin ein Kampf der Systeme geworden.“

Zur Person: Brigadegeneral Dr. Christian Freuding ist Leiter des Lagezentrums Ukraine im Verteidigungsministerium. Der 50-Jährige trat 1990 in die Bundeswehr ein und ging zur Panzertruppe. Der Heeresoffizier studierte Politik in Hamburg und promovierte 1999. Auslandseinsätze führten ihn nach Afghanistan und Bosnien-Herzegowina. Freuding diente zudem als Adjutant der Verteidigungsministerin, bevor er von 2019 bis Ende April 2022 die Panzerlehrbrigade 9 in Munster kommandierte.

von Timo Kather

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