Ministerin gedenkt der gefallenen und im Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen

Ministerin gedenkt der gefallenen und im Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen

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Berlin
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Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat zum Ende des Afghanistan-Einsatzes im Wald der Erinnerung und am Ehrenmal im Bendlerblock der gefallenen und im Dienst ums Leben gekommenen Angehörigen der Bundeswehr gedacht. Anlass war der Marsch zum Gedenken, den der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr initiiert hatte.

Ministerin Kramp-Karrenbauer steht mit Soldaten vor Blumenkränzen im Wald der Erinnerung

Die Ministerin legt im Wald der Erinnerung einen Kranz zu Ehren der in Einsätzen und anerkannten Missionen gefallenen und verstorbenen Uniformierten nieder

Bundeswehr/Florian Sorge

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und der Präsident  des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Oberstleutnant der Reserve Patrick Sensburg, nehmen am 29. Juli 2021 an zwei Gedenkveranstaltungen teil: zum einen im Wald der Erinnerung beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr, zum anderen am Ehrenmal der Bundeswehr im Verteidigungsministerium. Anlass ist der Marsch zum Gedenken, den der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr jedes Jahr organisiert.

Die Veranstaltungen stehen in diesem Jahr besonders im Zeichen des Abschlusses des koordinierten und abgestimmten Einsatzes in Afghanistan. Sie werden vor dem Hintergrund des Pandemiegeschehens mit Reservistinnen und Reservisten, Veteraninnen und Veteranen, Soldatinnen und Soldaten sowie den Hinterbliebenen virtuell durchgeführt.

Im Kontext der Veranstaltung im Bendlerblock ehrt der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr den ehemaligen Parlamentarischen Staatssekretär Peter Tauber für seinen Einsatz beim Marsch zum Gedenken.

Im Wald der Erinnerung: Gedenken an Einsatz- und Missionstote

Schwielowsee nahe Potsdam. Ein leichter Wind rauscht durch die Baumkronen im Wald der Erinnerung. Er befindet sich auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. In der Stille ordnet die Verteidigungsministerin die Schleife des von ihr gestifteten Trauerkranzes. Neben ihr steht Oberstleutnant der Reserve Patrick Sensburg. Als Präsident des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBwVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V.) ist er Gastgeber der Gedenkveranstaltung.

Beide verharren mit gesenktem Blick. Ein Trompeter spielt die getragene Melodie des Liedes „Der gute Kamerad“. Der stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Konteradmiral Jörg Klein, salutiert. Eine Delegation des VdRBwVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. umrandet die Szenerie. Militärische Ehren für die bisher 115 in Auslandseinsätzen, anerkannten Missionen und einsatzgleichen Verwendungen Verstorbenen der Bundeswehr.

Der kürzlich beendete Afghanistan-Einsatz wird hier in seiner Intensivität besonders deutlich. Von den bisher 37 gefallenen Bundeswehrangehörigen fanden 35 am Hindukusch den Tod. „Der Einsatz in Afghanistan hat die Bundeswehr besonders geprägt“, so die Ministerin.

Auf Einladung des Verbandes der Reservisten der Bundeswehr e.V.eingetragener Verein nimmt die Verteidigungsministerin an der Gedenkfeier im Wald der Erinnerung teil. Sie unterstreicht damit die Verantwortung der Regierung und des Parlamentes gegenüber der Bundeswehr.

2018 initiierte der VdRBwVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. erstmals einen „Marsch zum Gedenken“ an die über 3.300 Verstorbenen und Gefallenen der Bundeswehr. Die ursprüngliche Idee: Für die im Verlauf der Auslandseinsätze ums Leben gekommenen Kameradinnen und Kameraden marschieren die Teilnehmenden je einen Kilometer. Öffentlichkeitswirksam soll so das persönliche Opfer der Bundeswehr-Angehörigen in Erinnerung gehalten werden.

Dabei nehmen die Marschierenden das eigene Klett-Namensband von der Feldbluse ab und heften sich eines der Personen an, die nicht mehr zu ihren Familien und Freunden zurückgekehrt sind. 2018 betrug die in mehreren Tagen zurückgelegte Marschstrecke 109 Kilometer.

Dieses Jahr wären es 115 Kilometer gewesen. Unter Normalbedingungen wäre der Wald der Erinnerung das erste Ziel der Marschdelegation. Anschließend wird der Weg zum Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin fortgesetzt.

Am Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock

Am Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock ist auf den in Schwarz-Rot-Gold gehaltenen Schleifen der Kränze das Mitgefühl und die Verbundenheit für die Gefallenen und im Dienst ums Leben Gekommenen ablesbar: „In ehrendem Gedenken“ war da zu lesen oder „Wir vergessen euch nicht“ und „Auf ewig unvergessen“.

In stillem Gedenken verharrt die Ministerin gemeinsam mit dem Präsidenten des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr samt einer Abordnung zu Ehren der Toten am Ehrenmal. Sensburg wertet die Anwesenheit der Ministerin zum Abschluss des Marsches zum Gedenken als einen besonderen Akt der Wertschätzung.  

Trotz aller Widrigkeiten

An der letzten Etappe des Marsches zum Gedenken am Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock spricht die Ministerin dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr ihren besonderen Dank für die Initiative des Verbandes aus, jährlich einen Marsch zum Gedenken zu veranstalten. Kramp-Karrenbauer hebt hervor, was ihr besonders wichtig war: Trotz aller Widrigkeiten durch die Corona-Pandemie habe der Marsch stattgefunden. „Wir kommen zusammen!“

Ministerin Kramp-Karrenbauer steht mit Soldaten im Ehrenmal vor Blumenkränzen

Annegret Kramp-Karrenbauer legt am Ehrenmal im Bendlerblock einen Kranz zum Gedenken an die Toten des Afghanistan-Einsatzes nieder

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Gemeinschaft im Erinnern

Die Ministerin greift in ihrer Rede am Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock den Wald der Erinnerungen in Schwielowsee auf. Sie nennt ihn einen besonderen Ort. Einen Ort der Trauer – und des Trostes. Dort sei eine tiefe Verbundenheit, eine Gemeinschaft im Erinnern zu spüren gewesen. Eine sehr persönliche Zeremonie, so empfindet es die Ministerin. Trost ist zu spüren.

Den Gedenkstein aus Afghanistan nennt Kramp-Karrenbauer „27 Tonnen Erinnerung“.  „Viele Soldatinnen und Soldaten wurden verletzt oder verwundet. Viele Kameradinnen und Kameraden haben unsichtbare seelische Verletzungen erlitten. Und 59 haben im Afghanistan-Einsatz ihr Leben verloren.“ Der Gedenkstein sei das Herz des Ehrenhaines im Camp Marmal gewesen. Bei allen ihren Besuchen im Einsatz habe sie ihr Weg auch immer zu diesem Ort geführt, berichtet die Ministerin.

Nach 20 Jahren Einsatz sei nun der Gedenkstein nach Hause geholt worden. „Er erinnert an die, die nicht mehr zurückkehren. Die wir aber in unseren Herzen tragen. Und in unseren Gedanken halten“, sagt Kramp-Karrenbauer in ihrer einfühlsamen zehnminütigen Rede.

Große Anteilnahme, online an den Bildschirmen

„Wir bewahren damit das Andenken an unsere Angehörigen der Bundeswehr, heute früh in Schwielowsee und nun hier am Ehrenmal“, so die Ministerin. Sie wisse um die große Anteilahme online an den Bildschirmen und in den Verbänden, wo Kameradinnen und Kameraden sich zusammentun, gemeinsam trauern, gemeinsam erinnern – nicht nur heute.

Sie sei sehr dankbar für solche Initiativen wie den Marsch zum Gedenken, der aus der Truppe selbst entstanden sei. Es sei beeindruckend zu erleben, wie die Reservisten diese Initiative mit Leben erfüllten, betonte die Ministerin.

Kramp-Karrenbauer macht deutlich, nach dem professionellen und reibungslosen Abschluss des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan am 30. Juni 2021 komme dem Marsch zum Gedenken in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung zu.

Wie wichtig dieses Andenken sei, werde in diesem Jahr deutlich, sagt Kramp-Karrenbauer: „Nach fast 20 Jahren haben wir unseren Einsatz in Afghanistan beendet. Wir können stolz sein auf unsere Soldatinnen und Soldaten.“ Sie hätten die Aufträge, die ihnen das Parlament gegeben habe, erfüllt.

Aber die Bundeswehr musste auch schmerzlich erfahren, was es heißt, im Feuergefecht zu bestehen, was bewaffnete Konflikte und das Wüten des islamistischen Terrorismus in der Realität bedeuten.

Ausblick auf ein wichtiges Datum

Die Ministerin blickt voraus: Am 31. August werde der Einsatz der Soldatinnen und Soldaten aller Kontingente in Afghanistan gemeinsam gewürdigt: mit einer Kranzniederlegung für die Gefallenen und Getöteten, mit einem Abschlussappell im Bendlerblock, gemeinsam mit dem Bundespräsidenten.

Es müsse eben auch einen Moment geben, so die Ministerin, der allein für die Bundeswehr bestimmt sei. Die Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes sei enorm wichtig. „Wir müssen uns überlegen, was gut war, aber auch, was wir verändern müssen“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Weiter ist am 31. August ein Empfang im Parlament durch den Bundestagspräsidenten vorgesehen und ein Großer Zapfenstreich mitten in Berlin vor dem Deutschen Bundestag. Damit wird ein öffentliches Zeichen des Respektes gegenüber den Männern und Frauen in Uniform und gegenüber ihrem Dienst, den sie Tag für Tag leisten, gesetzt.

Sehr persönlich

Stellvertretend für alle Gefallenen und im Dienst ums Leben Gekommenen erinnert die Ministerin eindringlich an die bei einem Hubschrauberabsturz in Afrika ums Leben gekommenen Soldaten: an Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller, die vor vier Jahren am 26. Juli 2017 bei einem Hubschrauberabsturz in Mali ihr Leben verloren.

Die Ministerin: Ihre Gedanken seien auch bei den Familien und Freunden der Toten. Sie sind zwei der 3.309 Frauen und Männer, derer an diesem Tag gedacht wurde. Sie hätten ihr Leben gegeben für Frieden, Recht und Freiheit. „Für unser Land“, so hebt Kramp-Karrenbauer hervor.

Wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur

Kramp-Karrenbauer betont, das Gedenken der in Ausübung ihrer Pflicht für Frieden, Recht und Freiheit verstorbenen Bundeswehrangehörigen sei ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur dieser Streitkräfte. In diesem Kontext sei das Totengedenken ein hohes Gut. „Lasst uns die Erinnerung feiern!“, ruft die Ministerin aus. Damit werde ein Stück weit auch das Leben in der Bundeswehr gefeiert.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigt erstmals selbst die Erinnerung an die Toten beim Marsch zum Gedenken

Kramp-Karrenbauer erinnert in ihrer Rede daran, Deutschland lebe mit all seinen europäischen Nachbarn in Frieden. Dies sei ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit. Dass Deutschland in Frieden, Freiheit, Recht und Wohlstand lebe, sei ein hohes, ein schützenswertes Gut. Auf die Bundeswehr könnten sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen.Wie im Moment in der Heimat, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, bei der Flutkatastrophe.

Aber auch bei der Landes- und Bündnisverteidigung, etwa in Osteuropa. Sie rücke, nachdem sich die Bundeswehr in den vergangenen zwanzig Jahren auf die Auslandseinsätze konzentriert hatte, nun verstärkt in den Fokus. Für die Herausforderungen, die diese Entwicklungen beinhalten, stehen die Bundeswehr und die Reservistinnen und Reservisten – so etwa in den Heimatschutzkompanien – ein.

Die Toten der Bundeswehr sind niemals vergessen

Die Ministerin stellt schließlich heraus, es sei ihr ganz besonders wichtig, mit diesem feierlichen Gedenken zu zeigen, dass die Bundeswehr ihre Toten und deren Angehörige niemals vergesse, sondern ihrer – ohne jede Verklärung – würdig gedenke.

So mit den Kranzniederlegungen an diesem Tag. Kramp-Karrenbauer: „Wir vergessen unsere Toten nicht.“ Gefahren, Risiko, Verwundung und Tod seien Teil der soldatischen Wirklichkeit – das „scharfe Ende“, wie die Truppe sagt. Wenn davon die Rede sei, dann gehe es immer um den Einzelnen. Das sei die Realität.

Was die mitfühlende Gemeinschaft geben könne, seien Fürsorge und Anerkennung. „Was wir tun können, ist, das Erinnern an die Verstorbenen und Gefallenen hochzuhalten – und in die breite Öffentlichkeit zu tragen“, erklärt Kramp-Karrenbauer. Eben das sei auch das große Verdienst des Marsches zum Gedenken: Er bringe das Gedenken und Erinnern auf die Straße. Er gebe dem Dienst für unser Land ein Gesicht, so Kramp-Karrenbauer. „Der Marsch lässt sich nicht aufhalten von Corona“, resümiert die Ministerin stolz. 

von Fabian Friedl und Jörg Fleischer 

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