Beendigung des Einsatzes in Afghanistan

Mit dem Ende des Afghanistaneinsatzes wird die Bundeswehr hunderte Soldaten und einiges an Material zurück nach Deutschland transportieren.

Ein bewaffneter Soldat umgeben von Staub
Bundeswehr/Andre Klimke

Der Abzug der NATO aus Afghanistan ist beschlossen. Die Bundeswehr plant die Rückverlegung aller Einsatzkräfte. Ein gewaltiger logistischer Aufwand. Hier finden Sie Antworten auf wesentliche Fragen zum Abschluss der Afghanistan-Mission der Bundeswehr, zur Rückverlegung, zum Umgang mit Ortskräften und mehr.

Bundeswehr plant Beendigung von Resolute Support

Ursprünglich hatte USUnited States-Präsident Biden den Abzugstermin 11. September genannt. Zurzeit gehen die Überlegungen im Hauptquartier von Resolute Support in Kabul in die Richtung, den Abzugszeitraum zu verkürzen. Auch der 4. Juli wird als Abzugsdatum erwogen.

Porträt von Kramp-Karrenbauer in der Säulenhalle
Annegret Kramp-Karrenbauer
Wir verlassen Afghanistan mit Stolz. Wir haben alle Aufträge erfüllt, die uns vom Parlament gegeben wurden.
Blick durch die Windschutzscheibe eines Militärfahrzeugs, das im Konvoi durch ein afghanisches Dorf fährt

Beendigung des Afghanistan-Einsatzes

Nach fast 20 Jahren wird der Einsatz spätestens im September beendet werden.

Resolute Support: FAQFrequently Asked Questions

Der NATO-Rat hat am 14. April 2021 das Ende der Mission Resolute Support in Afghanistan beschlossen. Auch für die Bundeswehr endet damit nach fast 20 Jahren der bislang intensivste und verlustreichste Einsatz in ihrer Geschichte. Zum 1. Mai beginnt die Rückverlegung aller Kräfte der NATO-Mission Resolute Support. Sie soll nach aktuellem Stand bis zum 11. September 2021 abgeschlossen sein.

Hier finden Sie Antworten auf wesentliche Fragen zum Abschluss der Afghanistan-Mission der Bundeswehr, zur anstehenden Rückverlegung und zum Thema Schutz der noch im Einsatzgebiet verbleibenden Soldatinnen und Soldaten.

Mit Blick auf das Einsatzende wird derzeit das Einfliegen der Rückverlegungs- und Verwerteorganisation (RVO) nach Afghanistan geplant. Die Soldatinnen und Soldaten organisieren und begleiten dann vor Ort die Abwicklung der Rückverlegung aus dem Einsatzgebiet nach Deutschland.

Das Material des deutschen Einsatzkontingentes wurde bereits vollständig erfasst, priorisiert und planerisch für die Rückverlegung vorbereitet. Nicht genutztes Material ist zudem im Rahmen des „Aggressive Housekeepings“ laufend verwertet, veräußert und zurückgeführt worden. Auch die erforderlichen Transportkapazitäten wurden bereits ermittelt und können bedarfsgerecht abgerufen werden.

Begleitend sind verstärkte Maßnahmen zum Schutz aller Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten in Afghanistan erforderlich: Die Drohung der radikalislamischen Taliban, sich nach dem 1. Mai 2021 nicht mehr an die im Doha-Abkommen vereinbarte Waffenruhe zu halten, könnte zu einem erheblichen Gefährdungspotenzial führen. Dementsprechend wird die Schutzplanung erhöht, sodass zeitgleich mit der Rückverlegung auch weitere Einsatzkräfte nach Afghanistan verlegen.

Das Material wird schrittweise nach Entbehrlichkeit auf dem Luftweg zurück nach Deutschland transportiert. Material und Mittel, die zum Schutz der verbleibenden Soldatinnen und Soldaten im Einsatzgebiet erforderlich sind, werden zum Schluss ausgeflogen.

Das Logistikkommando der Bundeswehr hat überschlägig das im Einsatz befindliche Material – einschließlich Fahrzeugen und Hubschraubern –  an Gewicht und Volumen gemessen und in Containeräquivalente (Ctthreshold cycle Ä) umgerechnet. Das Ergebnis: Insgesamt muss derzeit Material in einer Größenordnung von rund 800 Containeräquivalenten nach Deutschland zurückgeführt werden (Stand 13. April 2021).

Ctthreshold cycle Ä ist dabei eine theoretische Berechnungsgrundlage, um den Transportraum für definiertes Material zu berechnen. Es handelt sich nicht um Transportcontainer.

In die Berechnung fließen auch 123 Fahrzeuge (Stand 16.04.2021) ein, darunter sechs NHNATO-Helicopter-90-Transporthubschrauber sowie diverse Transportpanzer Fuchs, Einsatzfahrzeuge unter anderem vom Typ Dingo 2, Eagle und Enok, Geschützte Transport- und Sonderfahrzeuge wie das Berge-/Abschlepp-Fahrzeug Bison und Kran- und Tankwagen.


Seit dem zweiten Halbjahr 2020 wurde bereits Material im Umfang von rund 500 Containeräquivalenten, das nicht mehr zwingend für die Auftragserfüllung des deutschen Einsatzkontingentes benötigt wird, nach Deutschland zurückgeführt (Stand: 13. April 2021).

Nichtmilitärische Verbrauchs- und Gebrauchsmaterialien werden aus Kostengründen nicht zurückgeführt, sondern vor Ort verkauft. Dazu zählen unter anderem Büro- und Sanitärcontainer, Büromaterial, Möbel und Ähnliches.

Eine entgeltfreie Abgabe ist hierbei nicht vorgesehen. Verbleibendes Material wird gemäß gültiger Auflagen verwertet. Eine genaue Mengenangabe hierzu ist nicht möglich.

SALISStrategic Airlift International Solution (Strategic Air Lift International Solution) dient der gesicherten und zeitgerechten Verfügbarkeit von strategischem Lufttransportraum für übergroßes Frachtgut in multinationalem Rahmen.

Ein Vorhalte-Chartervertrag mit einem gewerblichen Leistungserbringer garantiert Transportflüge zu festgelegten Konditionen für die strategische Verlegung, die strategische Folgeversorgung und die strategische Rückverlegung von und in die Einsatzgebiete der NATO.

Nach Nordafghanistan können derzeit bis zu zehn Flüge pro Woche abgerufen werden. Als Transportmaschinen werden dabei vorrangig Antonow AN-124 genutzt.


Die Einsatzliegenschaft Camp Marmal wurde durch die Zeichnung von entsprechenden Überlassungsvereinbarungen zwischen der Regierung der Islamischen Republik Afghanistan und der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Verteidigung, der Bundeswehr zur vorübergehenden Nutzung überlassen.

In den protokollierten Übergabeverhandlungen der Flächen wurde eine Rückgabe der Flächen „wie sie stehen und liegen“ vereinbart. Nicht verlegbare Bauwerke und mit dem Boden verbundene Baugruppen einschließlich der von den NATO-Streitkräften errichteten, geänderten oder verbesserten Infrastruktur werden ebenfalls an den afghanischen Staat übergeben.

Die Übergabe erfolgt jedoch erst, wenn sämtliches Material der Bundeswehr nach Deutschland zurückverlegt oder verwertet wurde. Sie wird schriftlich und bildlich dokumentiert und vor Rückverlegung der letzten deutschen Kräfte abgeschlossen.

Zurzeit beschäftigt das deutsche Einsatzkontingent Resolute Support rund 300 Ortskräfte.

Die Bundeswehr ist sich gemeinsam mit den in Afghanistan engagierten Ressorts der Fürsorgepflicht gegenüber ihren afghanischen Mitarbeitenden bewusst. Die Bundesregierung bietet daher jeder persönlich gefährdeten Ortskraft sowie deren Kernfamilie die Aufnahme in Deutschland an (Ortskräfteverfahren).

In einer Einzelfallprüfung prüft und bewertet ein Gremium der Bundeswehr die individuelle Gefährdung der jeweiligen Ortskraft der Bundeswehr. Bei konkreter oder latenter Gefährdung empfiehlt die Bundeswehr, eine Aufnahmezusage nach § 22 Satz 2 Aufenthaltsgesetz durch das Bundesministerium des Innern (BMIBundesministerium des Innern) zu erteilen. Seit Beginn des Ortskräfteverfahrens im Jahr 2013 wurden auf diesem Weg 781 Ortskräfte in Deutschland aufgenommen.

Alle ehemaligen Ortskräfte haben zudem unabhängig vom Ortskräfteverfahren die Möglichkeit, sich mit einem Aufnahmeersuchen über das übliche Verfahren zur Aufnahme von Ausländern im Bundesgebiet nach § 22 Satz 1 Aufenthaltsgesetz „Aufnahme aus dem Ausland“ an die deutsche Auslandsvertretung in Afghanistan zu wenden. Die (frühere) Beschäftigung bei der Bundeswehr in Afghanistan findet im Verfahren Berücksichtigung.

Der Schutz der Soldatinnen und Soldaten hat besondere Priorität. Das deutsche Einsatzkontingent wird robuster als bisher ausgestattet. Verstärkungskräfte, zusätzliche Geschützte Fahrzeuge, zusätzliche Waffen, Ausrüstung und Munition werden noch im April nach Masar-i Scharif verlegt, darunter ein deutscher Mörserzug.

Bereits jetzt stehen im Camp Marmal unter Führung der Bundeswehr umfangreiche Kräfte und Mittel bereit, um auf eine Gefährdung des deutschen Kontingents schnell und wirksam reagieren zu können: Geschützte Fahrzeuge mit den dazugehörigen Waffensystemen sowie ein lageangepasster Bestand an weiteren Waffensystemen, Kampfmitteln und Munition.

Über boden- und luftgestützte Aufklärungsmittel – darunter die Drohnen Heron 1 und AladinAbbildende Luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich – wird regelmäßig ein aktuelles Lagebild erstellt und das Gefährdungspotenzial bewertet, um Schutzmaßnahmen entsprechend anpassen zu können.

Sollte sich die Lage im Einsatzgebiet verschlechtern, kann die Bundeswehr kurzfristig weitere Infanterieeinheiten und nationale Krisenreaktionskräfte nach Afghanistan verlegen.

Und Deutschland steht nicht allein: Den Schutz aller Soldatinnen und Soldaten im Einsatzgebiet gewährleistet die Bundeswehr gemeinsam mit Kräften ihrer 15 Partnernationen. Eine größere Anzahl von Sicherungskräften stellen auch die Partnernationen Belgien, Georgien, die Mongolei und die Niederlande für den Schutz der NATO-Truppen bereit. Bis Ende April verlegen weitere niederländische Verstärkungskräfte in die Nordregion Afghanistans.


Der multinationale Einsatz International Security Assistance Force (ISAFInternational Security Assistance Force) wurde auf Grundlage der UNUnited Nations-Resolution 1386 als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September 2001 von 2002 bis 2014 durchgeführt. Auftrag der internationalen Einsatzkräfte waren die Stabilisierung und der Wiederaufbau des Landes, aber auch die Unterstützung lokaler Institutionen und die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte.

Seit 2010 kämpften internationale Truppen gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften gegen aufständische Taliban.  Der Verantwortungsbereich der Bundeswehr lag dabei im Norden (Regional Command-North, RC-N). Die Mandatsobergrenze lag bei 5.340 Soldatinnen und Soldaten. ISAFInternational Security Assistance Force endete am 31. Dezember 2014.

Seit dem 1. Januar 2015 wird die NATO-Mission Resolute Support (RS) in Afghanistan durchgeführt. Mit dem Übergang von ISAFInternational Security Assistance Force zur RS veränderte sich das Wesen des Einsatzes. Der Auftrag verschob sich von einer aktiven Begleitung afghanischer Sicherheitskräfte und der gemeinsamen Wahrnehmung der Raumverantwortung mit afghanischen Sicherheitskräften hin zu Ausbildung, Beratung und Unterstützung. Ziel ist, dass die afghanischen Sicherheitskräfte selbstverantwortlich für die Sicherheit im Land sorgen können. Kampfeinsätze mit multinationaler Beteiligung sind nicht mehr Teil des Auftrags.

Das Regional Command North wurde in das Train, Advise and Assist Command North (TAAC-NTrain Advise and Assist Command North) überführt und zeitweise sogar auf nur 850 Bundeswehrangehörige reduziert. Die derzeitig mandatierte Personalobergrenze liegt derzeit bei 1.300 deutschen Soldatinnen und Soldaten.

Militärfahrzeuge werden in den Fachtraum eines Transportflugzeugs vom Typ Antonow AN-124 verladen

Rückverlegung über den strategischen Lufttransport des SALISStrategic Airlift International Solution-Programms: Soldaten verladen Material in ein Transportflugzeug vom Typ Antonow AN-124.

Bundeswehr/Andre Klimke
Ein Containerstapler hebt einen Container auf die Ladefläche eines LKWs

Verkauf von Verbrauchsmaterial im Einsatzgebiet: Verladen von Waren, die afghanische Händler ersteigert haben

Bundeswehr/Andre Klimke

Mehr Schutz für Einsatzkontingent und Ortskräfte

Die NATO-Truppen ziehen sich vom Hindukusch zurück. Die Taliban wollen sich nicht an die vereinbarte Waffenruhe ab Mai halten. Damit steigt das Risiko für die Soldatinnen und Soldaten. Doch auch afghanische Ortskräfte im Dienst der internationalen Kräfte sind in Gefahr. Die Ministerin sagt mehr Waffen für die Truppe und Schutz für Ortskräfte zu.

Rückverlegung: Wir blicken nach Afghanistan

Die Rückverlegung der Bundeswehr aus Afghanistan steht bevor. Was bedeutet das Missionsende für Material und Mensch?

20 Jahre Afghanistan-Mission der Bundeswehr

2021 endet der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. 20 spektakuläre, nachdenklich stimmende oder einfach nur schöne Bilder.

Es startet in der Wüste ein Hubschrauber CH-53 während im Vordergrund Soldaten Knien

Stabilisierung, Wiederaufbau, Training

Eindrücke in Bildern

Resolute Support: Hintergrund

Die Bundeswehr beteiligt sich seit dem 1. Januar 2015 an der Mission Resolute Support in Afghanistan. Gemäß dem aktuellen Beschluss des Deutschen Bundestages vom 25. März 2021 können bis zu 1.300 deutsche Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden.

Resolute Support

Afghanistan

Die Hauptaufgabe der Bundeswehr in Afghanistan ist die Beratung, Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte.