Evakuierung aus Afghanistan

Die Bundeswehr hat die Evakuierungsoperation des Auswärtigen Amtes unterstützt: Entwicklungen und Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Evakuierte Menschen verlassen ein Transportflugzeug vom Typ A400M am Flughafen in Taschkent
Bundeswehr/Marc Tessensohn

Die Bundeswehr unterstützte vom 16. bis zum 26. August die Evakuierungsoperation des Auswärtigen Amtes.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hatte sich nach der Machtübernahme der Taliban verschlechtert. Die Bundeswehr unterstützte die laufenden Evakuierungsoperationen des Auswärtigen Amtes, um deutsche Staatsbürger und Staatsbürgerinnen sowie einheimische Ortskräfte und ihre Familien und weiteren Schutzbedürftigen in Sicherheit zu bringen. Mit Transportflugzeugen vom Typ A400M und A310 wurden insgesamt 5.347 Personen aus mindestens 45 Nationen evakuiert. Die Bundeswehr war bei dieser internationalen Mission eine Führungsnation.

Zur Absicherung und Unterstützung waren unter anderem Fallschirmjäger, Spezialkräfte, Feldjäger, Sanitäter, ein Krisenunterstützungsteam und weitere Spezialisten aus vielen Bereichen der Bundeswehr vor Ort. Am 18. August bestätigte das Kabinett die Evakuierungsmission. Der Deutsche Bundestag hatte am 25. August dem Einsatz nachträglich zugestimmt.

Meldungen und Bilder

Die Evakuierungsmission der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist beendet. Die Soldatinnen und Soldaten sind nach Deutschland zurückgekehrt.

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Zahlen zur Evakuierung

  • 6 A400M im Einsatz

  • mehr als 5.340 Evakuierte

  • Aus mindestens 45 Nationen

Letzte Aktualisierung: 27.08.2021, 07:07 Uhr

Überblick der Ereignisse

Die Bundeswehr führte nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan eine der gefährlichsten Evakuierungsoperationen ihrer Geschichte durch. Eine von der Bundeswehr eingerichtete Luftbrücke brachte Schutzsuchende rund um die Uhr in Sicherheit. Ein Überblick über die Ereignisse der letzten Tage.

154 schutzbedürftige Menschen wurden an diesem Tag aus Kabul evakuiert.

Am Nachmittag fand die Rückverlegung aller Kräfte aus Kabul statt. Alle deutschen Soldatinnen und Soldaten sind unversehrt ins usbekische Taschkent zurückgekehrt. Die militärische Evakuierungsoperation ist abgeschlossen. Vom 16. bis 26. August wurden mit insgesamt 37 Flügen 5.347 Personen aus mindestens 45 Nationen evakuiert.

Der Deutsche Bundestag hat nachträglich die laufende militärische Evakuierungsmission in Afghanistan mandatiert. Das Parlament hat damit dem Antrag der Bundesregierung zugestimmt, Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr für die Evakuierungsmission zu entsenden. 539 schutzbedürftige Menschen wurden an diesem Tag aus Kabul evakuiert.

Am 24. August wurden in fünf Flügen 983 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Der Zustrom von Fluchtwilligen zum Kabuler Flughafen hält an und das Gewaltpotential nimmt zu. In einem Feuergefecht, an dem auch deutsche Kräfte beteiligt waren, wurde am 23. August eine afghanische Sicherheitskraft getötet.

Doch auch angesichts der schwierigen Lage evakuiert die Bundeswehr weiter. Am Montag wurden mit fünf Flügen 945 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Die Lage am Flughafen Kabul bleibt kritisch. Zeitweise mussten alle Tore geschlossen werden. Auch die humanitäre Situation ist dramatisch. Am Sonntag wurden in drei Umläufen insgesamt 589 Personen evakuiert. Angesichts der dramatischen humanitären Lage im Umfeld des Flughafens fliegt die Bundeswehr heute Lebensmittel, insbesondere Babynahrung, Windeln, Hygieneartikel und andere Hilfsgüter über Taschkent nach Kabul.

Die zwei Hubschrauber der deutschen Spezialkräfte vom Typ H-145M sind in Kabul angekommen und stehen bereit.

Während sich die Lage am Flughafen Kabul schwierig darstellt, werden die Versorgung und Registrierung der Flüchtlinge in Usbekistan Tag und Nacht fortgesetzt, um die bereits geretteten Menschen schnellstmöglich an ihre Zielorte zu bringen. Am Samstag hat die Bundeswehr 234 Menschen evakuiert.

Zwei Hubschrauber des Typs H-145M bringt die Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt. Die Hubschrauber sollen die Handlungsmöglichkeiten des Kommandeurs vor Ort erweitern.

Die A400M flogen weiter, und am Ende des Tages hatte die Bundeswehr 253 Menschen evakuiert.

Der Tag beginnt früh mit einer weiteren Landung um 00.18 Uhr. Nach einer Stehzeit von 90 Minuten verlässt der Flieger mit 206 Menschen Kabul. Drei weitere Flüge folgen an diesem Donnerstag. Der letzte für diesen Tag hebt um 22.58 Uhr ab. An einem Tag konnten 771 Menschen evakuiert werden. Die Gesamtzahl steigt auf 1.646 Gerettete.

Der Mandatstext für die angelaufene militärische Evakuierungsmission wird durch das Kabinett gebilligt.

Das Mandat sieht eine personelle Obergrenze von 600 Soldatinnen und Soldaten vor. Der Einsatz erstreckt sich über das gesamte Staatsgebiet Afghanistan und ist befristet bis zum 30. September 2021.

Vier A400M einschließlich MedEvacMedical Evacuation einem A310, Fallschirmjägerkräfte, Sanität und Militärpolizei sowie Spezialkräfte befinden sich in Kabul. Weitere Kräfte werden in Usbekistan bereitgehalten.

Am dritten Tag der Evakuierungsoperation landet im vierten Umlauf ein weiteres Transportflugzeug um 9.28 Uhr und startet um 10.37 Uhr mit 179 Personen Richtung Taschkent. Der zuständige Führer im Einsatzgebiet, General Arlt, hebt die höchstzulässige Passagierzahl auf, um die Passagierkapazitäten zu erhöhen.

Die Evakuierung läuft weiter. Ein weiteres Flugzeug landet um 15.45 Uhr in Kabul und verlässt nach 90 Minuten mit 226 Personen den Flughafen.

Ein letzter Umlauf an diesem Tag erreicht den Flughafen Kabul um 20.05 Uhr. Die Maschine bringt vor allem Versorgungsgüter und Lebensmittel zu den Menschen.

Mit dem sechsten Flieger steigt die Zahl der evakuierten Schutzpersonen aus Kabul am dritten Tag auf insgesamt 692 Personen.

Die Bundeswehr unterstützt auch im Rahmen der Amtshilfe und stellt Busse zur Verfügung, mit

afghanische Ortskräfte und deren Familienangehörige in eine Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg gebracht werden.

Der Krisenstab kommt wieder zusammen.

Gemeinsam mit den USUnited States-Kräften regeln und gewährleisten die deutschen Soldatinnen und Soldaten den Einlass zum Flughafen.

Alle deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger werden gebeten, sich zum Flughafen zu begeben.

Um 13.05 Uhr landet ein weiterer A400M und verlässt um 13.50 Uhr mit 125 Personen an Bord Kabul. Um die Kapazität voll auszulasten, werden neben Deutschen auch Angehörige anderer Nationen, insbesondere afghanische Schutzbedürftige, mitgenommen.

Um 19.47 Uhr erfolgt ein weiterer Umlauf, der um 21.22 Uhr 140 Menschen ausfliegt.   

Am Ende des zweiten Tages der Evakuierungsoperation konnten insgesamt 272 Personen aus 17 Nationen durch Deutschland evakuiert und nach Taschkent gebracht werden.

Die Lage in Kabul bleibt dynamisch.

Die Zufahrten zum Flughafen sind weiterhin in der Hand der Taliban.

Die „robuste Evakuierung“ beginnt. Ab dem frühen Morgen – rund 13 Stunden nach Regierungsbeschluss – beginnt die Verlegung der Kräfte in das Einsatzgebiet.

Um 6.31 Uhr macht sich das erste Transportflugzeug des Typs A400M aus Deutschland auf den Weg nach Kabul. An Bord befinden sich spezialisierte Kräfte, die die sichere Zuführung der zu evakuierenden Personen gewährleisten sollen.

In Usbekistan wird ein Umschlagplatz, ein „Hub“, für die deutschen Einsatzkräfte und Transportflugzeuge eingerichtet. Ziel ist die Etablierung einer Luftbrücke.

Aufgrund der unübersichtlichen Lage am Flughafen Kabul erhält das Flugzeug keine Landeerlaubnis durch die USAUnited States of America und muss nach Taschkent zurückfliegen.

Ein zweiter A400M startet in Richtung afghanische Hauptstadt. Um 21.57 Uhr erwirken die Piloten nach langem Kreisen im Luftraum über Kabul eine Landeerlaubnis. Es gelingt, spezielle Kräfte der Bundeswehr abzusetzen und dadurch die Handlungsfähigkeit „auf dem Boden“ entscheidend zu erhöhen.

Nach einer durch die USAUnited States of America genehmigten Stehzeit von nur 30 Minuten, einer Ausgangssperre ab 21 Uhr, die die Taliban verhängt haben, einer nicht etablierten Schleuse am Flughafen und einer bis zuletzt unsicheren Landeerlaubnis, können um 22.42 Uhr die ersten sieben Personen evakuiert werden.

Die Verlegung in das Einsatzgebiet ist in Rekordzeit sichergestellt. In der Regel braucht es etwa 14 Tage für die Einholung der Land- und Überfluggenehmigungen. Die letzten erforderlichen Überfluggenehmigungen liegen erst nach dem Start der ersten Luftfahrzeuge vor.

Derweil spitzt sich die Lage in Kabul zu.  Das Rollfeld am Flughafen wird durch tausende verzweifelte Afghanen blockiert.

Die Taliban haben den Zugang zum Flughafen von außen abgeriegelt. Die Lage ist zu gefährlich, um die zu evakuierenden Personen aufzufordern, sich auf den Weg zum Flughafen zu machen.

Der Krisenstab kommt zu einer weiteren Sitzung zusammen und trifft den Regierungsbeschluss zum Einsatz. Parallel wird an dem Mandat zur nachträglichen Zustimmung des Bundestages gearbeitet.

Grundsätzlich muss solch ein Einsatz durch den Bundestag beschlossen werden. Aufgrund von „Gefahr in Verzug“ kann dieser Schritt in Einzelfällen auf Grundlage von Paragraf 5 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani Ahmadsai tritt zurück und verlässt das Land. Kabul wird durch die Taliban eingenommen.

Am Morgen kommt das Sicherheitskabinett zu einer Schalte zusammen. Nach der Sitzung aktiviert das BMVgBundesministerium der Verteidigung die militärischen Kräfte und weist die Verlegung an deutsche Flughäfen an.

Die Taliban stehen kurz vor der Hauptstadt Kabul.

Die für den 16. August angesetzte Sitzung des Krisenstabs wird vorgezogen und findet um 11.30 Uhr im Kanzleramt statt.

Der Krisenstab billigt den Vorschlag des BMVgBundesministerium der Verteidigung, weitere Schritte zur Vorbereitung einer Evakuierung einzuleiten und das KUTKrisenunterstützungsteam zu entsenden.

In Afghanistan setzen die Taliban ihren Vormarsch fort, zahlreiche Zivilisten sind auf der Flucht.

Die Planungen auf Grundlage der im April erstellten Eventualfallplanung werden umgesetzt.

Das BMVgBundesministerium der Verteidigung beauftragt die Evakuierung deutscher Staatsangehöriger, afghanischer Ortskräfte und deren Angehöriger.

Ergänzend zum KUTKrisenunterstützungsteam, machen sich weitere militärische Kräfte für ihren Einsatz bereit.  

Die Kräfte werden zusammengeführt, um die volle Einsatzbereitschaft und Verlegefähigkeit am Standort herzustellen.

Das deutsche Verbindungskommando bei CENTCOM, dem Zentralkommando der Vereinigten Staaten, meldet: Die USAUnited States of America reduzieren ihr Botschaftspersonal und verlegen 3.000 Soldatinnen und Soldaten sowie „Enabler“ nach Kabul.

Das BMVgBundesministerium der Verteidigung beginnt mit der Umsetzung vorbereiteter Planungen für eine mögliche Evakuierung. Ein Krisenunterstützungsteam (KUTKrisenunterstützungsteam) wird alarmiert und in Bereitschaft gestellt.

Bis zum 6. August kommen knapp 2.000 Schutzbedürftige nach Deutschland. In Afghanistan fällt die erste Provinzhauptstadt.

Die NATO-Staaten entscheiden, alle internationalen Streitkräfte bis zum 11. September 2021 aus Afghanistan abzuziehen.

Am 14. April 2021 kündigt die Bundesministerin der Verteidigung an, die deutschen Soldatinnen und Soldatin im Sommer vollständig zurückzuverlegen.

In Vorbereitung auf die Beendigung von Resolute Support wird eine „Eventualfallplanung zur Evakuierung deutscher Staatsangehöriger und berechtigter Personen aus Afghanistan“ erstellt. Bei einer Eskalation der Sicherheitslage, ist damit eine schnelle Reaktionsfähigkeit sichergestellt. Eine Handlungsoption umfasst die „robuste Evakuierung“.

Die Bundeswehr leitet die Aufnahme afghanischer Ortskräfte, die für die Bundeswehr gearbeitet haben, ein.

Evakuierungsoperation: Ablauf und Einheiten im Einsatz

Bei unvorhergesehenen Ereignissen in Kriegs- und Krisengebieten müssen viele Menschen – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Botschaft und der Entwicklungshilfe sowie einheimische Beschäftigte und ihre Familien – schnellstmöglich aus dem Gefahrengebiet gerettet werden. In der Bundeswehr übernehmen speziell ausgebildete Soldatinnen und Soldaten besonderer Einheiten diese anspruchsvolle Aufgabe.

Gerät im Einsatz

Viele Evakuierungsoperationen sind nur auf dem Luftweg durchführbar. Schnell einsatzfähige Transportflugzeuge mit großer Reichweite sind hier unentbehrlich.

Ortskräfte

Nach dem Ende des Einsatzes in Afghanistan und mit der Verschlechterung der Sicherheitslage vor Ort ging es bei der militärischen Evakuierungsoperation auch darum, ehemalige Ortskräfte aus dem Land zu bringen. Aufnahmezusagen, die bereits gegeben wurden, bleiben auch nach der militärischen Evakuierung gültig und berechtigen zur Einreise nach Deutschland.

  • Deutsche Soldaten sprechen mit einem Zivilisten
    • Aktuelles
    • Afghanistan

    Fürsorge für afghanische Ortskräfte

    Als gefährdet anerkannte afghanische Ortskräfte können für sich und ihre Kernfamilie die Aufnahme in Deutschland beantragen.

    • Afghanistan

Fragen und Antworten

Afghanistan ist für viele Menschen nicht mehr sicher. Deutsche Staatsbürger, Ortskräfte und Angehörige müssen schnellstmöglich das Land verlassen. Die Bundeswehr startete eine Evakuierungsmission, um möglichst viele Gefährdete zu retten. Hier beantworten wir häufig gestellte Fragen zum Ablauf der Mission und der Ereignisse.

Ehemalige Beschäftigte des Bundesministeriums der Verteidigung kontaktieren bitte das Bundesministerium der Verteidigung per Mail an RSMESEinsWVStOKV@bundeswehr.org.

Für andere Gruppen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum Beispiel der Entwicklungszusammenarbeit oder des Auswärtigen Amtes, haben die zuständigen Arbeitgeber (BMZBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, AAAuswärtiges Amt etc.) auf ihren Websites die korrekten Ansprechpartner veröffentlicht.

Halten Sie folgende wichtige Informationen bereit: Name, Ausweisdokumente und Passnummer, telefonische Erreichbarkeit sowie eine Erklärung/Begründung für Ihre Evakuierung.

Die Lage entwickelt sich dynamisch, Sachstände überholen sich sehr schnell, Situationen ändern sich sehr schnell und können nur vor Ort entschieden werden.

Wichtig ist, dass sich die Personen an den Kontrollstellen des Flughafens ausweisen können. Unsere Kräfte vor Ort setzen alles daran, so viele Schutz suchende wie möglich den Zugang zum Flughafen zu ermöglichen.

Wir bemühen uns, so viele Menschen wie möglich auszufliegen. Grundsätzlich ist das A400M Transportflugzeug kleiner als die C-17 Globemaster der USAUnited States of America. Weniger Menschen können somit im A400M transportiert werden. Grundsätzlich ist die Möglichkeit zur Mitnahme von verschiedenen Faktoren abhängig.

Im Fall eines Fluges der USAUnited States of America mit einer C-17 wurde das Rollfeld von Menschen auf dem Rollfeld gestürmt und die Besatzung entschied sich in dieser unübersichtlichen Lage zum Abflug. In der Folge wurde das Flugfeld abgeriegelt und der Zugang kontrolliert.

Wesentliche formale Beschränkungen hinsichtlich Anzahl mitzunehmender Personen, Anschnallpflicht und Sitzplätze sind für den deutschen A400M mittlerweile aufgehoben worden.

Wie viele Menschen konkret pro Flug durch die Bundeswehr oder andere Nationen ausgeflogen werden können, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und sind bei Flügen mit verschiedenen Flugzeugtypen unterschiedlich hoch.

Am Montag, 16. August, herrschten dramatische Zustände auf dem Kabuler Flughafen. Die Lage war chaotisch. Eine erste deutsche A400M kreiste über dem Flughafen, konnte nicht landen und musste aufgrund Spritmangels am Abend umkehren. Ob eine zweite Maschine überhaupt landen konnte, war stundenlang unklar. Schließlich ist es der zweiten Maschine gegen Mitternacht mit einer außergewöhnlich gewagten und gekonnten Landung - ohne Flugfeldbeleuchtung und ohne umfassend freies Rollfeld - gelungen.

Die A400M konnte aufgrund der Sicherheitsvorgaben unserer Partner nur kurz am Flughafen stehen.

Mit der ersten Landung wurden deutsche Soldaten auf das Flughafengelände Kabul gebracht, um diesen zu sichern sowie Starts und Landungen wieder zu ermöglichen.

Zum Zeitpunkt des Starts der Maschine am Abend des 16. August befanden sich sieben Personen an Bord, da in der sehr kurzen Bodenstehzeit und der durch die Taliban verhängten Ausgangssperre keine weiteren Personen zugeführt werden konnten.

Die größte Herausforderung ist derzeit, Personen sicher von ihrem Aufenthaltsort in Kabul in den geschützten Bereich des Flughafens zu bringen.

Nach dem Abzug der internationalen Truppen fallen Anfang August 2021 erste Provinzhauptstädte an die Taliban.

Am 12. August wurde bekannt, dass die USAUnited States of America ihr Botschaftspersonal reduzieren und rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten nach Kabul verlegen will. Daraufhin wurde das Krisenunterstützungsteam der Bundeswehr in Bereitschaft versetzt.

Bereits am 13. August wurde BMVgBundesministerium der Verteidigung-intern die Entscheidung getroffen, Evakuierungsoperationen zu planen und durchführen zu können. Der Krisenstab der Bundesregierung stimmt kurz darauf dem Vorschlag des BMVgBundesministerium der Verteidigung zu.

Nach überraschend schnellen Gebietsgewinnen nahmen die Taliban am 15. August die Hauptstadt Kabul ein. Am selben Tag verließ der afghanische Präsident Aschraf Ghani Ahmadsai das Land. Planungen für Evakuierungsoperationen seitens der Bundeswehr liefen im Hintergrund bereits. Personal wurde in Bereitschaft versetzt, Material bereitgestellt, komplexe und kurzfristige Vorbereitungen begannen.

Am Morgen des 16. August ist ein erstes Transportflugzeug A400M der Bundeswehr vom niedersächsischen Wunstorf Richtung Kabul gestartet, weitere Flugzeuge folgten noch am gleichen Tag. Seitdem wird eine Luftbrücke betrieben, um so lange wie möglich, so viele Schutzbedürftige wie möglich auszufliegen. Die hierfür nötigen Lande- und Überfluggenehmigungen lagen sehr kurzfristig, in Teilen erst nach dem Start der ersten Luftfahrzeuge vor.

Der „Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte zur militärischen Evakuierung aus Afghanistan“ wurde am 15. August im Krisenstab der Bundesregierung entschieden. Die Bundesregierung muss eine militärische Evakuierung deutscher Staatsangehöriger aus Afghanistan sicherstellen. Planungen einer Evakuierungsoperation seitens der Bundeswehr liefen bereits seit dem 13. August.

Im Rahmen verfügbarer Kapazitäten soll sich die Evakuierung auch auf „Personal der internationalen Gemeinschaft sowie weitere designierte Personen, inklusive besonders schutzbedürftige Repräsentantinnen und Repräsentanten der afghanischen Zivilgesellschaft“ erstrecken.
Besonders zählen auch unsere ehemaligen Ortskräfte und deren Familien dazu.

Die Verlegung erster Einsatzkräfte und damit der Beginn des Einsatzes erfolgte bereits am 16. August vor der Zustimmung des Deutschen Bundestages auf der Grundlage von § 5 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes.

Es lag Gefahr im Verzug vor, die Entsendung bewaffneter deutscher Streitkräfte duldete keinen Aufschub.

Der Einsatz erfolgt zudem in Übereinstimmung mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben für Einsätze bewaffneter deutscher Streitkräfte im Ausland, insbesondere auf der Grundlage von Artikel 87a Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes.

Die Obergrenze soll bei maximal 600 Soldatinnen und Soldaten liegen, so könnte flexibel reagiert werden. Der Einsatz ist bis zum 30. September 2021 befristet.

Am 18. August beschloss das Bundeskabinett den Evakuierungseinsatz. Die vom Bundestag notwendige Zustimmung des Einsatzes wird nachträglich eingeholt.

Am 20. August verlegt die Bundeswehr zwei Hubschrauber vom Typ LUH 145 SOF nach Afghanistan. Diese Hubschrauber sind zum Einsatz von Spezialkräften vorgesehen und bieten den soldatischen Kräften vor Ort erweiterte Handlungsoptionen zur Evakuierung Schutzbedürftiger.