Fernspäher von morgen im harten Auswahlverfahren

Fernspäher von morgen im harten Auswahlverfahren

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  • Heer
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
3 MIN

Sie sind die Augen des Heeres tief hinter den feindlichen Linien: die Fernspäher. Am 16. November hat das Eignungsfeststellungsverfahren (EFV) für Fernspähkräfte am Ausbildungszentrum Munster begonnen. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, hat die 25 Teilnehmer am 22. November bei der Eignungsfeststellung besucht.

Drei Soldaten mit Tüchern vor Mund und Nase stehen im Wald

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, verschafft sich vor Ort ein Bild von den Kandidaten und dem Auswahlverfahren

Bundeswehr/Jana Neumann

25 Soldaten stellen sich seit Mitte November dem harten zweiwöchigen Eignungsfeststellungsverfahren (EFV) für Fernspähkräfte am Ausbildungszentrum Munster. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, hat sich am Sonntag, 22. November, bei einem Ortsbesuch einen persönlichen Eindruck vom Auswahlverfahren verschafft.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich hier gesehen habe“, sagte Zorn anschließend. „Das Verfahren zeigt mir eine ganze Reihe von Parallelen im Testverfahren sowohl bei den Kräften der Fallschirmjäger mit erweiterter Grundbefähigung als auch bei den Spezialkräften. Der wesentliche Unterschied liegt im Auftrag der Fernspähkräfte, Aufklärungsergebnisse aus der Tiefe des Raumes zu generieren. Diese Fähigkeit benötigen wir auch in der Zukunft im Landes- und Bündnisverteidigungsfall.“

Die Fernspähkräfte gehören zu den Spezialisierten Kräften der Bundeswehr und klären als Teil der Heeresaufklärungstruppe im Einsatzraum auf. Dabei gewinnen sie spezifische, klar definierte und zeitkritische Informationen über beispielsweise feindliche Bewegungen vor Ort. Die Fernspähtrupps können bis zu 300 Kilometer von der eigenen Truppe entfernt autark eingesetzt werden. In den Einsatzraum gelangen sie mit Kraft- und Luftfahrzeugen, mit Booten oder mit dem Fallschirm. Für den Rückweg zur eigenen Truppe müssen sie je nach Einsatz große Strecken zu Fuß zurücklegen können.

Fernspäher der Bundeswehr: körperlich robust und mental fit

Die Soldaten – bisher haben sich nur Männer der Ausbildung gestellt – tragen dabei ihre gesamte Ausrüstung von bis zu 65 Kilogramm. In ihren großen Rucksäcken verstauen sie nicht nur Wasser und Verpflegung, Batterien und Stromerzeuger, sondern auch Munition, Funk- und Beobachtungsmittel, Werkzeug sowie medizinische und persönliche Ausrüstung.

Wer Fernspäher werden möchte, muss daher körperlich sehr fit und auch willensstark sein. Hohe geistige Flexibilität, dauerhaft hohe physische Belastbarkeit, enorme Stressresistenz und eine hohe Motivation sind Grundvoraussetzungen – dies wird beim Eignungsfeststellungsverfahren geprüft. Das dazu eingesetzte Ausbildungs- und Prüfpersonal ist handverlesen. Erfahrene Fernspäher, ein Truppenpsychologe und ein Arzt begleiten die Auswahl durchgehend.

Soldaten mit ihrem Gepäck im Wasser

Fernspäher gewinnen Informationen weit entfernt von der eigenen Truppe. Sie agieren in kleinen Trupps und durchqueren auch unwegsames Gelände.

Bundeswehr/Jana Neumann

Harte Tests beim Eignungsfeststellungsverfahren

Das Eignungsfeststellungsverfahren ist ein erster Schritt zum Fernspäher. Zunächst werden die Soldaten in sportlichen Disziplinen wie Kleiderschwimmen, Klimmzügen und einem Sieben-Kilometer-Lauf mit 20 Kilogramm Gepäck überprüft. Ein Hindernisparcours in der Sporthalle und die Hindernisbahn draußen warten ebenfalls auf die Teilnehmenden.

Wer die Eingangstests bestanden hat, startet in eine anspruchsvolle Ausbildung. Das dort Erlernte müssen die Teilnehmer in einer einwöchigen Durchschlageübung mit wenig Schlaf und Verpflegung unter schweren körperlichen Belastungen und auch schwierigem Wetter abrufen.

In den vergangenen sechs Jahren bestanden nur etwa 25 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber das Auswahlverfahren. „Auch wenn am Ende jeder Soldat das EFV individuell für sich bestehen muss, brauchen wir am Ende den Teamplayer. Nur im Trupp kann man in den zukünftigen Einsätzen erfolgreich bestehen“, so der Leiter des EFV, Hauptmann Timo K.*, der zugleich Hörsaalleiter der Fernspäher am Ausbildungszentrum Munster ist.

Nach dem Test folgt eine fordernde Ausbildung

Nach der Eignungsfeststellung warten auf die Kandidaten mindestens drei Jahre Ausbildung, die gegebenenfalls mit einem Laufbahnlehrgang ergänzt wird. Dort lernen die Soldaten, was es heißt, Fernspäher und militärischer Vorgesetzter zu sein. Die angehenden Fernspähkräfte werden für alle Einsatzszenarien und Klimazonen vorbereitet – von der Wüste über das Gebirge bis hin zur Arktis. Die Bewerber lernen auch, mit verschiedenen Waffen der Bundeswehr und anderer Streitkräfte umzugehen und erhalten zudem eine breitangelegte Sanitätsausbildung. Auch der Umgang mit Fernmelde- und Spezialgeräten sowie der Bau von Verstecken wird ihnen vermittelt.

So erlernen die Fernspäher ebenfalls, sich lautlos mit einem Kajak anzunähern oder das Klettern im alpinen Gelände. Ausbildungshöhepunkt ist das Fallschirmspringen im Freifallverfahren. Dabei können die Spezialisten der Aufklärer im Gleitflug sehr große Entfernungen auch bei Nacht zurücklegen. Sport und sehr lange Märsche von über 60 Kilometern ergänzen die Ausbildung.

Nur wer alle Herausforderungen meistert, wird am Ende in einem der vier Fernspähzüge der Bundeswehr eingesetzt. Danach wird er stolz den Wahlspruch der Fernspäher zu seinem Motto machen können: „Oculus exercitus“ – Auge des Heeres.

* Name zum Schutz des Soldaten abgekürzt.

von Thomas Rotter/Martin Gärtner 

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