Nachgefragt

„Infanteristen suchen mit Blickkontakt zum Feind die Entscheidung“

„Infanteristen suchen mit Blickkontakt zum Feind die Entscheidung“

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
2 MIN

Offensiven und Gegenoffensiven: Der Krieg in der Ukraine tobt seit einem runden halben Jahr. Um Raum zu erobern und zu halten, kommt es auf den Mut und die Moral der Bodentruppen an. Im Häuserkampf, aber auch beim Kampf hinter den feindlichen Linien, liegen die Stärken der Infanterie.

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Brigadegeneral Matz ist Kommandeur der Infanterieschule der Bundeswehr. In Nachgefragt spricht er mit Moderator Hauptmann Hannes Lembke über die Rolle der Bodentruppen im Ukrainekrieg.

Brigadegeneral Michael Matz bildet Bodentruppen der Bundeswehr an der Infanterieschule des Heeres in Hammelburg aus. Jäger, Fallschirmjäger und Gebirgsjäger werden dort auf die direkte Konfrontation mit dem Gegner vorbereitet. „Die Infanteristen sind die Fußgänger unter den Soldaten. Sie suchen auf den letzten Metern mit Blickkontakt zum Feind die Entscheidung.“ Im infanteristischen Gefecht komme ein großer Waffenmix zum Einsatz: Handwaffen, Panzerabwehrwaffen und die Unterstützungswaffen der Transportfahrzeuge, die die Bodentruppen ins Kampfgebiet bringen.

Ein einzelner Panzerabwehrtrupp macht den Unterschied

Insbesondere im Orts- und Häuserkampf könnten die infanteristischen Kräfte ihre Stärken ausspielen, so Matz. „Eine kleine Gruppe von beispielsweise fünf Soldaten, die mit Panzerabwehrwaffen ausgestattet sind, in einer Ortschaft, haben schon einen hohen Einsatzwert. Sie können im Grund jedes gepanzerte Fahrzeug mit relativ einfachen Mitteln vernichten.“ Die Angreifenden müssten daher jeden kleinen Infanterietrupp aufklären und bekämpfen. Dies koste nicht nur Zeit, sondern binde auch Kräfte.

Das zeigten unter anderem die Kämpfe um die Hafenstadt Mariupol und das Asow-Stahlwerk. Hier war es den ukrainischen Streitkräften gelungen, die russischen Truppen mehrere Wochen lang aufzuhalten. Die Verteidigenden könnten in Städten auch einem zahlenmäßig klar überlegenen Gegner Paroli bieten, so Matz. „Wenn infanteristisch eingesetzte Kräfte im Angriff erfolgreich sein wollen, müssen sie eine acht- oder zehnfache Überlegenheit dem Gegner gegenüber haben.“

Jagdkommandos stiften Verwirrung beim Gegner

Doch auch außerhalb urbaner Zonen könne Infanterie Wirkung entfalten, so der Brigadegeneral – und zwar in Form sogenannter Jagdkommandos. „Das sind kleine Gruppierungen von bis zu 30 Soldaten, die auf sich gestellt oftmals hinter feindlichen Linien agieren.“ Mit handstreichartigen Überfällen auf Gefechtsstände hinter der Front und dem Legen von Hinterhalten für Versorgungskonvois sorgen die Jagdkommandos für Verwirrung – und schwächen so die Führung des Gegners.

von Timo Kather

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