Aufklärung

Alles im Blick: So funktioniert Luftbildauswertung bei der Luftwaffe

Alles im Blick: So funktioniert Luftbildauswertung bei der Luftwaffe

Datum:
Ort:
Jagel
Lesedauer:
3 MIN

Luftbilder sind durch die nahezu allgegenwärtigen Aufnahmen aus handelsüblichen Drohnen weit verbreitet. Aber wie erkennt man, was auf den Bildern zu sehen ist? Und wie funktioniert die Luftbildauswertung bei der Luftwaffe der Bundeswehr? Ein Experte für Luftbilder aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel erklärt seinen Job.

Ein Soldat schaut auf einen von drei Computerbildschirmen. Nebenbei bedient er die Tastatur sowie die Computermaus..

Alles digital: Oberfeldwebel Lasse S. an seinem Arbeitsplatz. Hier wertet er die Luftbildaufnahmen eines Tornadojets aus.

Bundeswehr/Jana Neumann


Auf den ersten Blick wirkt der Arbeitsplatz von Oberfeldwebel Lasse S. unspektakulär. Drei ganz normale Monitore stehen nebeneinander auf einem ganz normalen Schreibtisch, davor ein normaler Bürodrehstuhl – ziemlich gewöhnlich. Das Ganze befindet sich allerdings in einer Reihe von miteinander verbundenen Containern in einem Hangar auf dem Fliegerhorst Jagel – der Ground Exploitation Station (GESGround Exploitation Station, deutsch: Boden-Auswertungs-Station). Bevor es durch die Containertür geht, müssen Handys und Smartwatches draußen bleiben – Sperrzone!

Bilder aus der Luft – aber wie genau? 

„Für uns beginnt die Arbeit mit der Planung der Aufklärungsmission“, erklärt der Luftbildauswerter. Denn bevor der Aufklärungsflieger abhebt, muss klar sein: Was soll überhaupt aufgeklärt werden? Aus welcher Höhe, und in welchem Winkel sollen die Luftbilder entstehen? Mit einer speziellen Software, dem Mission Planning Tool (deutsch: Missionsplanungswerkzeug), planen die Experten den Überflug über das Zielobjekt – egal, ob es eine Brücke, ein Kriegsschiff oder eine Gebäudegruppe ist. Vor dem Abflug wird die Mission mit der Besatzung besprochen. Am Rumpf ihres Kampfflugzeugs Tornado wird das Aufklärungssystem RecceLite in einem gut zwei Meter langen Behälter angebracht. Der RecceLite-Pod ist mit einer elektro-optischen Kamera und einer Infrarot-Kamera ausgerüstet. „Idealerweise entstehen Aufnahmen des Ziels aus verschiedenen Winkeln – einmal von oben, einmal mehr seitlich“, erläutert Lasse S. Wie genau das Ziel angeflogen werden soll, legt er gemeinsam mit der Flugzeugcrew fest.

Was genau ist was? 

Die Luftbilder können während der Aufklärungsmission per Datenfunk direkt an die GESGround Exploitation Station übertragen werden. Zusätzlich werden sie auf einem Datenspeicher gesichert, der nach der Landung des Tornados zum Auslesen in die GESGround Exploitation Station gebracht wird. Dort beginnen die Experten dann am Rechner mit der Auswertung der Bilder. „Unsere Ausbildung dauert gute sieben Monate – dort lernen wir, wie verschiedene Objekte aus der Luft aussehen und wie man sie identifiziert.“ 19 verschiedene Zielkategorien kennt die NATO – vom Flugfeld bis zum Staudamm. Die Auswerter müssen auf der ganzen Welt verbreitetes Militärgerät kennen und auf Luftbildern erkennen lernen. „Einmal im Monat machen wir in der Staffel eine Weiterbildung – da werden dann etwa Luftbilder von Flugzeugen an die Wand geworfen, und man hat zehn Sekunden, um sie zu erkennen“, erklärt der Oberfeldwebel. 

Eine Person befindet sich an der Technik des "RecceLite-Pods" und hält in den Händen einen Datenspeicher.

Gleich geht’s los: Ein Techniker baut den Solid State Recorder, einen besonders geschützten Datenspeicher, in den RecceLite-Pod ein.

Bundeswehr/Jana Neumann
Ein "Tornado" steht auf einem Flugplatz. Unten an dem Tornado befestigt befindet sich der " RecceLite-Pod".

Fertig zum Start: Der Tornado mit dem unter dem Rumpf deutlich erkennbaren RecceLite-Pod rollt auf die Startbahn.

Bundeswehr/Jana Neumann

Erfahrung ist alles

Am wichtigsten für Luftbildauswerter sei Erfahrung. „Bei Aufnahmen der Heron-Drohnen aus Afghanistan konnten wir irgendwann schon am Gang erkennen, ob auf dem Video Männer oder Frauen zu sehen waren.“

Luftbildauswerter H. war mehrfach in Mali im Einsatz, wo die Heron-Drohnen ebenfalls fliegen. „Dort kann man etwa Moscheen daran erkennen, dass sie immer Richtung Mekka ausgerichtet sind.“

Bei der Auswertung markieren die Luftbildexperten Auffälligkeiten und versehen sie mit Anmerkungen – im Fachjargon annotieren genannt. Die fertigen Aufnahmen werden dann über den Fachstrang des militärischen Nachrichtenwesens an den jeweiligen Auftraggeber geschickt. Der kann im übrigen auch zivil sein: Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 unterstützte die Bundeswehr etwa die Katastrophenhilfe durch Luftbildaufnahmen der Zerstörungen.

Die Zukunft ist Video

Die Luftbildauswerter in Jagel arbeiten sowohl mit den Luftbildern des RecceLite-Pods wie den Videoaufnahmen der Heron-Drohnen. Die Zukunft sieht Oberfeldwebel S. eindeutig in bewegten Bildern: „Mit Luftbildern bekommen wir immer nur eine Momentaufnahme. Die Videoaufnahmen von Heron dagegen können auch Abläufe oder Bewegungen sichtbar machen.“ Zudem können Drohnen über dem Zielgebiet deutlich länger im Einsatz sein als Jets. Das sorgt zusätzlich für bessere Aufklärungsergebnisse. Das in der Einführung befindliche Nachfolgemodell Heron TP kann mehr als 24 Stunden in der Luft bleiben und besitzt ein stark verbessertes hochauflösendes Kameramodul.


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Eine Luftbildaufnahme des RecceLite-Pods, auf dem zu sehen ist, dass eine Brücke zerstört wurde.

Das Luftbild des RecceLite-Pods zeigt eine beschädigte Brücke im Nahen Osten.

Bundeswehr
Eine Detailaufnahme des RecceLite-Pods, auf dem zu sehen ist, dass eine Brücke zerstört wurde.

In der Detailaufnahme gut zu erkennen: Die obere Brücke wurde mit einer Panzerschnellbrücke wieder befahrbar gemacht, an der unteren finden Bauarbeiten statt.

Bundeswehr
Eine Luftbildaufnahme aus Meppen, auf dem der Moorbrand zu sehen ist.

Die Luftaufnahme vom Moorbrand in Meppen stammt vom 25. September 2018, wie oben rechts notiert. TOT steht für „Time over Target“, zu deutsch „Zeit über dem Ziel“

Bundeswehr
Eine Luftbildaufnahme in schwarz-weiß, auf der weiße Punkte zu sehen sind.

Die Aufnahme der Infrarot-Kamera zeigt Hitzequellen - hier beispielsweise Brände - als weiße Punkte

Bundeswehr

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von Björn Lenz

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