Nachgefragt

„Wir sind das Schweizer Taschenmesser des Truppenführers“

„Wir sind das Schweizer Taschenmesser des Truppenführers“

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Pioniere verstehen sich als Wegbereiter. Sie räumen Hindernisse, überbrücken Gewässer und schlagen Breschen. Sie hemmen und kanalisieren die Bewegungen des Feindes und erhöhen die Überlebensfähigkeit eigener Truppen durch Stellungs- und Feldlagerbau. Warum das Pionierwesen im Krieg so wichtig ist, erklärt Brigadegeneral Uwe Alexander Becker.

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Brigadegeneral Becker ist als General der Pioniertruppe der Bundeswehr verantwortlich für mehrere Tausend militärische Spezialisten. Mit dem „Nachgefragt“-Moderator, Hauptmann Tim Engemann, spricht er über den Beitrag der Pioniere im Krieg.

„Mit unserem Fähigkeitsspektrum sind wir das Schweizer Taschenmesser in der Hand des Truppenführers“, sagt Brigadegeneral Uwe Becker, Kommandeur der Pionierschule in Ingolstadt, in „Nachgefragt“ zur Rolle der Pioniere in den Streitkräften.

Und diese Fähigkeiten sind auch im Ukrainekrieg gefragt. „Nach raumgreifenden Operationen in den vergangenen Monaten ist nunmehr ein gewisser Stillstand eingetreten“, erläutert General Becker. „Beide Seiten sind trotz heftiger Gefechte und Artillerieduellen in bestimmten Regionen zu einer Art Stellungskrieg übergegangen.“

Für Pioniere bedeutet das: Der Ausbau und das Härten der eigenen Stellungen erhöhen die Überlebensfähigkeit der eigenen Truppen an der Front ganz erheblich. 

250.000 Quadratkilometer in der Ukraine vermint

Zudem sei in der Ukraine eine Fokussierung auf den Minenkampf festzustellen, so Becker zum „Nachgefragt“-Moderator, Hauptmann Tim Engemann. Nach Angaben der Regierung der Ukraine sollen rund 250.000 Quadratkilometer Boden vermint worden sein. Minen und Blindgänger sind eine große Gefahr – für Soldatinnen und Soldaten, vor allem aber auch für Zivilisten.

Eine Karte mit roten, grünen und gelben Markierungen zeigt den Kampfmitteinsatz in der Ukraine.

Teile der Ukraine sind nach elf Monaten Krieg durch Minen, Blindgänger und andere Kampfmittel belastet. Sie stellen eine Gefahr für Soldatinnen und Soldaten, aber auch für Zivilisten dar. Ihre Beseitigung ist Aufgabe der Pioniertruppe.

Bundeswehr

Auch das Räumen von Minen ist eine Aufgabe der Pioniere. Um eigenen Truppen das Vorrücken zu ermöglichen, beseitigen sie Minensperren der Gegenseite – gerade genug, damit die eigenen Truppen durchkommen. Dieses Verfahren wird taktisches Räumen genannt.

Das vollständige Räumen von Minen und anderen Kampfmitteln hingegen sei aufwendiger, denn Menschen und Infrastruktur dürften nicht gefährdet werden. „Das muss man sich vorstellen, wie wenn in Deutschland eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wird und diese dann vom Kampfmittelräumdienst entschärft oder vor Ort kontrolliert gesprengt wird“, so Becker.

Gewässerquerungen sind komplex

Eine weitere wichtige Fähigkeit der Pioniere ist, eigenen Truppen den Übergang über Flüsse und Seen zu ermöglichen. „In Mitteleuropa findet man etwa alle zwanzig bis dreißig Kilometer ein Gewässerhindernis“, sagt Becker. „In der Ukraine ist die Dichte tendenziell sogar noch höher.“ 

Für die Rückeroberung der Gebiete im Südosten und im Osten des Landes müssten die ukrainischen Streitkräfte Flüsse überwinden. Eine überaus komplexe Operation, weiß Becker. „Das ist das Gefecht der verbundenen Waffen par excellence, das viel Planung erfordert.“ So hätten die russischen Streitkräfte im Mai 2022 ein ganzes Bataillon verloren, als ein Gewässerübergang über den Donez-Fluss im Osten der Ukraine misslungen sei.

Der Angriffsschwung der russischen Streitkräfte sei in der Folge zum Erliegen gekommen. „Es ist halt nicht damit getan, einige Pontons zu Wasser zu lassen und ans jenseitige Ufer hinüber zu fahren“, sagt der General der Pioniere der Bundeswehr.

von Robert Annetzberger

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