Naturschutz auf Übungsplätzen der Bundeswehr: Kein Widerspruch

Naturschutz auf Übungsplätzen der Bundeswehr: Kein Widerspruch

  • Umweltschutz
  • Bundeswehr
Datum:
Lesedauer:
3 MIN

Umwelt- und Naturschutz auf den Truppenübungsplätzen der Bundeswehr? Ja, das geht – was zunächst widersprüchlich erscheint, harmoniert seit Langem gut.

Anlässlich der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit 2018 zeigt die Bundeswehr in einer Naturschutz-Exkursion, wie wertvoll Naturlebensräume trotz oder sogar durch die militärische Nutzung auf einem Truppenübungsplatz entstehen.

Zwei Drittel Natura 2000-Gebiete

Alter Panzer auf einer Weide

Mit dem militärischen Trainingsbetrieb vereinbar: der Naturschutz auf den Truppenübungsplätzen der Bundeswehr.

Bundeswehr/Jonas Weber

Die Bundeswehr hat 13 große Truppenübungsplätze mit einer Gesamtfläche von rund 150.000 Hektar. Davon sind rund zwei Drittel als Natura 2000-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzgebiete) der Europäischen Union gemeldet. Dieses Netzwerk hat sich den länderübergreifenden Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten zum Ziel gesetzt. Auch auf den zahlreichen anderen von der Bundeswehr genutzten Liegenschaften, wie Standortübungspläzen und wehrtechnischen Dienststellen, gehören 50 Prozent der Fläche zum Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerk.

Naturschutz auf Übungsplätzen: Ideale Bedingungen

Auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück, nahe der polnischen Grenze Mecklenburg-Vorpommerns, herrschen trockene, sandige Bedingungen. Der Übungsplatz wird bereits seit über 65 Jahren militärisch genutzt, daher weist er im Gegensatz zur häufig stark gedüngten und genutzten Kulturlandschaft magere Böden auf. „Das sind ideale Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung von gefährdeten Biotopen sowie Pflanzen- und Tierarten“, sagt Regierungsdirektor Wilfried Grooten, der Referatsleiter Abteilung Gesetzliche Schutzaufgaben II 4 im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBwBundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr), welches die Exkursion führt.

Biodiversität: Vielfalt des Lebens

Schild mit Aufschrift Feuchtbiotop im Wald

Feuchtbiotope auf Truppenübungsplätzen der Bundeswehr sind nicht in das Übungsgesehen eingebunden.

Bundeswehr/Jonas Weber

Die Drögeheide ist der zweitgrößte Offenlandbereich des Übungsplatzes. Mit vier Schießbahnen bildet sie einen etwa 400 Hektar großes Areal. Die darauf verschossene Leuchtspurmunition verursacht immer wieder Flächenbrände in der trockenen Landschaft. „Diese sogenannten militärischen Störungen, wie etwa durch Munitionseinschläge, Brände oder Spuren von Panzerketten schaffen neue Besiedlungsbereiche“, so Grooten. Der daraus entstehende Rohboden wird von der Vegetation schnell wieder besiedelt und bietet Tierarten, wie dem Brachpieper einen seltenen Lebensraum.

„Ein weiterer positiver Effekt der Brände ist die Verjüngung der Heide, da Heidekraut nur etwa 30 Jahre alt werden kann“, erklärt der Fachmann. Ebenso entstehen durch die Flugsandverwehungen des Übungsbetriebes seltene Silbergrasfluren auf Dünen. Neben dem Vorkommen einzelner seltener Biotope und Arten ist auch der Strukturreichtum der Schießbahn von großer Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt auf genetischer, Arten- und Ökosystemebene.

Übungsbetrieb sogar wichtig

Durch die unregelmäßigen Störungen entstehen ganz verschiedene Lebensräume nebeneinander, die wiederum miteinander verzahnt sind.  Bei solchen Offenlandlebensräumen ist also ein aktiver militärischer Übungsbetrieb besonders wichtig, um sie in einem so guten Zustand zu erhalten, wie es auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück der Fall ist.

Anders ist es bei den Mooren: Hier ist ein Betretungs- und Befahrungsverbot nötig, um das sensible Ökosystem zu schützen. Aber auch das stellt die Bundeswehr in Jägerbrück sicher. Daher können die heimischen Seeadler den „Schwarzen See“, ein 5.000 Quadratmeter großes Schwingmoorgebiet, und die übrige Fläche drum herum beruhigt als Ruhe-, Spiel- und Balzplatz nutzen. Weitere seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten wie der Biber, der Fischotter, das Sumpf-Glanzkraut und das schneidige Wollgras besiedeln das Gebiet.

Schmetterlinge im Blickpunkt

Schmetterling auf einer Blume

Die Natur gedeiht: Auf dem Truppenübungsplatz in Jägerbrück gibt es eine herausstechende Vielfalt von Schmetterlingen.

Bundeswehr/Stollberg

Neueste Untersuchungen des biota Instituts für Ökologische Forschung und Planung GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung ergeben außerdem, dass es eine landesweit herausstechende Vielfalt von Schmetterlingsarten auf dem Truppenübungsplatz Jagerbrück gibt. Seit Jahren schon forscht das mecklenburgische Institut auf dem Militärgelände. 116 Schmetterlingsarten, wie etwa der Brombeerzipfelfalter, verschiedene Glasflügler oder Wachtelweizen-Scheckenfalter finden nämlich dort ihr Zuhause – ohne Düngemittel und Biozide.

Landschaftspflege

Naturschutz ist eines der Kernziele des BAIUDBwBundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. Sein großes Engagement beweist das Amt bei der Landschaftspflege auf den Truppenübungsplätzen. Durch gezielte Landschaftspflegemaßnahmen der Bundeswehr-Dienstleistungszentren (BwDLZBundeswehr-Dienstleistungszentrum) und Bundesforstbetriebe vor Ort werden die Lebensräume für seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten gesichert und dauerhaft erhalten.

Zur Verjüngung der Heide setzen sie beispielsweise Feuer bei einem kontrollierten Brennen oder Kettenfahrzeuge ein. Ein bis zweimal jährlich wird der Aufwuchs gemäht und gemulcht. Darum kümmern sich auf dem 9.949 Hektar großen Truppenübungsplatz Jägerbrück etwa 35 Mitarbeiter des Geländebetreuungsdienstes des BwDLZBundeswehr-Dienstleistungszentrum Torgelow. Die altbewährte Methode der Weidewirtschaft mit Schafen, wie etwa auf dem Truppenplatz Baumholder, ist ebenso ein geeignetes Mittel zur Erhaltung großflächiger Graslandschaften auf den Übungsplätzen der Bundeswehr.