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Von Kamelspinnen und Krankheitserregern: Ein Veterinär in Mali erzählt

Von Kamelspinnen und Krankheitserregern: Ein Veterinär in Mali erzählt

  • Podcast
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Temperaturen bis zu 45 Grad im Schatten, Sandstürme und extreme UV-Strahlung: Die Bedingungen in Gao im Nordosten Malis sind extrem. Dazu kommen gefährliche Tiere wie Schlangen, Skorpione oder Spinnen. Neben Ärzten und Sanitätern gibt es deshalb im Camp Castor auch zwei Veterinäre. Welche Aufgaben die haben, erzählt einer von ihnen im Podcast.

Oberstabsveterinär Cyanco B. ist leitender Veterinär im MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali-Kontingent im malischen Gao. Er erklärt, was alles zu seinem breiten Aufgabengebiet gehört und wieso die handtellergroßen Kamelspinnen gerne auf Menschen zurennen.
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Veterinäre sind nicht nur als Tierärzte tätig. Sie kümmern sich zusätzlich um manch anderes als um Hund, Katze, Maus. Das gilt auch für die Veterinäre der Bundeswehr und ganz besonders im Auslandseinsatz, beispielsweise bei MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali in Mali: „Ich habe einen sehr abwechslungsreichen Dienstposten“, freut sich Oberstabsveterinär Cyanco B.*

Seit Februar ist er einer von zwei Veterinäroffizieren in Gao im Nordosten des afrikanischen Landes. Sein Aufgabenspektrum ist breit: Tierseuchenprophylaxe, Hygiene in Truppenküche und Betreuungseinrichtungen, die Diensthunde der Bundeswehr oder der Schutz der Soldatinnen und Soldaten vor Schlangen, Skorpionen und Spinnen stehen auf seiner To-do-Liste.

Der Arzt der Diensthunde

„Ich betreue insgesamt fünf Hunde – zwei Diensthunde der Feldjäger, zwei aus  Force Protection und einen britischen Diensthund“, erklärt Cyanco B. Er untersucht als Tierarzt die Hunde regelmäßig, denn die Belastung durch die Temperaturen von bis zu 45 Grad ist extrem. Auch leichte Blessuren bleiben nicht aus: „Kleinigkeiten wie Schürfwunden oder eine Lahmheit, wenn sie sich vertreten haben, kommen immer mal wieder vor.“

Im Falle einer schwereren Verletzung könnte der Veterinäroffizier auch operieren – und die tierärztliche Hausapotheke ist gut bestückt. Wie die Diensthunde im Einsatz untergebracht sind und was sie in ihrer „Freizeit“ machen, beschreibt Cyanco B. im Podcast außerdem.

Paradies für Bakterien und Schimmel

Das extreme Klima mit hohen Temperaturen und regelmäßigen Sandstürmen erfordert eine konsequente Hygiene. „Das sind für Bakterien und auch für Schimmelpilze perfekte Temperaturen“, erläutert der Oberstabsveterinär. Er kontrolliert regelmäßig die Hygiene in der Truppenküche und den Betreuungseinrichtungen. „Die Jungs und Mädels müssen jeden Tag putzen, noch mehr als in Deutschland.“ Mit Hilfe des veterinärmedizinischen Labors im Feldlager können auch Oberflächen beprobt werden, um einen Bakterien- oder Schimmelpilzbefall festzustellen. 

Vorsorge gegen Tierseuchen

Neben zahlreichen für Menschen gefährlichen Parasiten sowie Krankheiten wie Gelbfieber oder Malaria gibt es in Mali auch zahllose Tierseuchen. Damit die nicht nach Deutschland eingeschleppt werden, muss alles, was in die Heimat geflogen wird, von oben bis unten und bis in die letzte Ecke desinfiziert werden.

Gerade bei Gerät wie Hubschraubern ist das nicht ganz einfach. „Luftfahrzeuge sind eine spannende Kiste, da sie sehr empfindliche Wesen sind und man in der Wahl der Desinfektionsmittel sehr eingeschränkt ist“, erklärt Cyanco B. Seine Aufgabe dabei ist die Kontrolle der Tierseuchenprophylaxe – nur wenn diese ordnungsgemäß erfolgt ist, gibt es den wichtigen Desinfektionsnachweis und das Gerät darf nach Deutschland gebracht werden.

Krabbelviecher inklusive

Zu den tierischen Bewohnern des Camp Castor in Gao gehören auch für den Menschen gefährliche Tiere – etwa die giftige Sandrasselotter. Auch die zahlreichen Kamelspinnen – sie werden bis zu handtellergroß – sind eher unbeliebt. Auf dem Lehrgang „Handling von Gifttieren“ hat Oberstabsveterinär Cyanco B. den Umgang mit solchen Tieren gelernt. Mehr zu seinen Erlebnissen mit ihnen gibt es im Podcast.

* Name zum Schutz des Soldaten abgekürzt.

von Björn Lenz

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