Schlaue Köpfe gegen Corona

Schlaue Köpfe gegen Corona

  • Coronavirus
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
München
Lesedauer:
3 MIN

Auch an der Universität der Bundeswehr München wurde der Lehr- und Forschungsbetrieb wegen der Ausbreitung des Coronavirus eingeschränkt. Einige besonders kreative Köpfe stellen sich trotzdem dem Kampf gegen die Pandemie.

Zwei Mitarbeiter in Schutzkleidung stehen im Labor vor technischen Geräten

Forschung im Kampf gegen die Pandemie: An der Universität der Bundeswehr München suchen kreative Köpfe nach Lösungen in der Corona-Krise.

Bundeswehr/Stephan Ink

Vor den Toren der Stadt München leuchtet es. Im übertragenen Sinn. Denn auf dem Campus der Universität der Bundeswehr München erforschen und untersuchen gerade einige sehr helle und kreative Köpfe Lösungen in der Corona-Krise. Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren aller Fachrichtungen haben sich der grassierenden Pandemie durch das Coronavirus angenommen. Die Studien und Analysen der Wissenschaftler der Strömungsmechanik, der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften bis hin zur Medienforschung zeugen davon.

Schutz aus dem Drucker

Besonders lösungsorientiert sind die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe um Alexander Genzel. Er ist Leiter einer Initiative zum Bau von Schutzschildern vor Tröpfcheninfektionen, den „face shields“. Diese kommen besonders in medizinischen Einrichtungen zum Einsatz. Im 3D-Druck-Verfahren stellt eine Gruppe Studenten der Ingenieurwissenschaft einzelne Bestandteile des face shield her. Dort, wo bis vor kurzem noch Bauteile für die Forschung der Luft- und Raumfahrttechnik hergestellt wurden, kommen jetzt Halterungen und Aufnahmen für die Plexiglasvorrichtungen heraus. Dem jungen Studenten Genzel ist bei dieser Initiative besonders wichtig, dass „jeder in dieser Krise durch Eigeninitiative und Kreativität einen persönlichen Beitrag leisten kann“. Natürlich profitieren nicht nur die jungen studierenden Offiziere von dieser Erfahrung: Auch an die Universitätsgemeinde Neubiberg angrenzende Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen sind dankbar für die Unterstützung.

Raumfahrtforscher gegen Corona

Erkenntnisse zur möglichen Verbreitung von Coronaviren in der Luft liefert die Forschung im Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik. Ein leichtes Spiel für den Leiter des Instituts für Strömungsmechanik, Professor Christian Kähler: „Manipulation von Strömungen ist unser tägliches Geschäft.“ Zusammen mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter, Dr. Rainer Hain, hat er in einer Versuchsreihe die Verbreitung von kleinsten Tröpfchen beim Ausatmen, Sprechen und Husten untersucht. Wie ihre Studie zeige, könnten Infizierte in einem Umkreis von bis zu anderthalb Metern andere Menschen anstecken – sofern die Infizierten keinen Mundschutz trügen und husteten. Kähler und Hain haben durch ihre Versuchsreihe belegt, dass ein Infizierter vor allem durch das Tragen eines Mundschutzes sein Umfeld schützen kann. Die Reichweite der ausgeatmeten oder ausgehusteten Tröpfchen ist dann deutlich geringer. Einen Selbstschutz bieten Masken meist jedoch nicht, außer sie entsprechen der medizinischen Schutzstufe FFP2 („filtering face piece“ der Klasse 2 mit Schutz vor festen und flüssigen gesundheitsschädlichen Stäuben und Aerosolen). Solche Masken sind jedoch Mangelware und sollten vor allem in Krankenhäusern genutzt werden. Wie so viele andere in der Bevölkerung haben sich die Forscher auch gefragt: „Welche Materialien aus dem Haushalt sind besonders für eine selbst gebaute Maske geeignet?“ Heraus kam: Staubsaugerbeutel mit Feinstaubfilter sind effektive Virenfilter. Sie sind so konzipiert, dass sie Luft durchlassen, aber Schadstoffe und Keime filtern. Damit erfüllen sie genau den Zweck dringend benötigter Masken. Bei richtiger Anwendung könnten sie als Notbehelf in eine Maske eingearbeitet werden. „Man sollte jedoch stets auf die Herstellerangaben achten, denn nicht jeder Beutel ist geeignet“, betont Kähler.

Forschung in Krisenzeiten

Nicht nur am Schutz vor Infektionen wird geforscht. Die rund 200 Forscherinnen und Forscher der Universität der Bundeswehr München stellen sich auch den Fragen zu den sozialen Konsequenzen der Schutzmaßnahmen. Aus wissenschaftlicher Sicht geben sie daher Rat für die Zeit in sozialer Isolation und zum richtigen Arbeiten im Homeoffice. Die Analysen und Kommentare kommen aus dem Feld der Gesellschaftswissenschaften, reichen über die aktuelle Medienforschung bis hin zu Erkenntnissen aus der Sportwissenschaft. Aber auch für die Professoren ist die Situation eine Herausforderung. Zwar entfallen Reisen zu Kongressen und Tagungen, aber wann genau ein geregelter Forschungs- und Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist noch nicht absehbar. Fest steht aber schon jetzt: Die Universität der Bundeswehr München forscht und sucht mit all ihren Fachrichtungen nach Lösungen in dieser Krise.

von Matthias Lehna