Traditionspflege

Von „Band of Brothers“ bis Nina Hagen: So vielseitig ist die Serenade

Von „Band of Brothers“ bis Nina Hagen: So vielseitig ist die Serenade

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
5 MIN

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Als Teil des höchsten Zeremoniells der Bundeswehr, des Großen Zapfenstreichs, spielt das Musikkorps die Serenade in protokollarisch festgelegter Paradeformation. Doch im feierlichen Rahmen geht es auch anders: Ohne Marschtritt, Waffenzug und Co. hat die Serenade den Charakter eines abendlichen Konzerts in lockerer Atmosphäre.

Ein Trompeter der Bundeswehr spielt Musik. Im Hintergrund weitere Soldaten beim Musizieren.

Trompeten-Solo: Ein Trompeter der Bundeswehr spielt im Rahmen einer feierlichen Serenade für den scheidenden Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn in Berlin

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Sie gehört zum militärischen Zeremoniell der Bundeswehr – die Serenade. Als eine Abfolge von Musikstücken wird sie zu feierlichen Anlässen gespielt, sowohl als Teil des Großen Zapfenstreichs als auch als eigenständige Zeremonie. So ein feierlicher Anlass kann laut Oberstleutnant Burkard Zenglein, Dozent für Militärmusikgeschichte an der Musikhochschule Düsseldorf, ein Empfang im Zuge einer Zurruhesetzung von hohen Offizieren sein. „Diese Art von Serenade wird also auch, aber nicht nur, personenbezogen angefordert,“ erklärt der Experte für Militärmusikgeschichte.

Drei Auftrittsformen der Serenade

Man unterscheidet insgesamt drei Auftrittsformen der Serenade: Wird sie beim Großen Zapfenstreich gespielt, umfasst sie drei Musikstücke. Wird sie außerhalb des Großen Zapfenstreichs als für sich stehende Serenade protokollarisch angewiesen, umfasst sie drei Stücke und die Nationalhymne. Alle anderen Serenaden, die losgelöst vom Protokoll aufgeführt werden, bezeichnet man als Ständchen. Diese können mehr als drei Stücke umfassen und werden als für sich stehende Ständchen nicht in Paradeaufstellung, sondern im Halbkreis stehend gespielt.

Dies entspreche dem aufgelockerten konzertanten Charakter, so Oberstleutnant Zenglein, der 18 Jahre lang verschiedene Musikkorps in der Bundeswehr geleitet hat. Als Teil des Großen Zapfenstreichs der Bundeswehr habe die Serenade dagegen einen vollkommen anderen Charakter: „Es wird formal einmarschiert, das Musikkorps wird vom Waffenzug und Fackeln begleitet, jeder Schritt wird ‚befohlen‘  bzw. kommandiert“, erklärt der Musikwissenschaftler den Unterschied.

Grundsätzlich entstehe das gespielte Programm unterschiedlich: Manchmal gebe es konkrete Wünsche, manchmal machten die jeweiligen Leiter der Musikkorps Vorschläge. „Sehr häufig wird zudem die Serenade moderiert – die jeweiligen Musikstücke also vorweg durch den Dirigenten erläutert“, so Oberstleutnant Zenglein.

Serenaden mit Personenbezug oder anlassbezogen

Meistens werden personenbezogene Serenaden gespielt. In der Allgemeinen Regelung der Bundeswehr „Militärische Formen und Feiern“ ist nachzulesen, dass für sich stehende „Serenaden ohne Ehrenzüge und ohne Fackelträgerreihen beziehungsweise -spaliere, aber mit Umrahmung durch Fackelträger und Fackelträgerinnen“ aufgeführt werden. Auch anlassbezogene Serenaden werden laut Vorschrift vom Bundesministerium der Verteidigung in Einzelfällen genehmigt.  

Von vornherein festgelegt sei keines der Serenadenstücke. Es biete sich an, in einem Jubiläumsjahr ein oder mehrere Werke aufzuführen, die einen unmittelbaren Bezug zum Anlass haben würden wie zum Beispiel Divisions- oder Bataillonsmärsche, erläutert Oberstleutnant Zenglein.

Werden militärische oder politische Würdenträger mit Bundeswehrbezug verabschiedet, dürfen sie sich die Musikstücke der Serenade selbst aussuchen. Manchmal bleibt nicht viel Zeit für die Vorbereitung der Zeremonie. Dann muss alles sehr schnell gehen – so wie beim Großen Zapfenstreich für die ehemalige Regierungschefin Angela Merkel: Sie suchte sich anlässlich ihrer Verabschiedung unter anderem den DDR-Schlager „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen aus. Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit Sitz in Berlin spielte das Stück – und hatte kaum zwei Tage Vorbereitungszeit.

Rock- und Popsongs fürs sinfonische Blasorchester

Die Kunst ist immer, Stücke aus der Unterhaltungsmusik so umzuschreiben, dass sie von einem großen sinfonischen Blasorchester, in dem die Instrumente marschierenderweise mitgeführt werden, gespielt werden können,“ sagt der Leiter des Stabsmusikkorps der Bundeswehr, Oberstleutnant Reinhard Martin Kiauka. Darum sei es leichter, solche Stücke in Platzkonzertaufstellung bei für sich alleinstehenden Serenaden zu spielen. Dann könne vorab auch ein Drum-Set aufgebaut oder ein E-Bass integriert werden.  

Erstmal umschreiben, dann üben – der Zeitdruck ist also hoch. „Gott sei Dank haben wir Kameraden in den eigenen Reihen, die Komponisten beziehungsweise Arrangeure sind und die Stücke umschreiben können“, sagt Hauptmann Jürgen Albrecht, Presseoffizier beim Zentrum Militärmusik der Bundeswehr in Bonn. Zur Not müsse eben mal eine Nachtschicht eingelegt werden. Vor 20 Jahren seien meistens Märsche und Choräle ausgewählt worden. Nun sei es zunehmend üblich, Rock- und Popsongs zu performen, so der Presseoffizier.

Doch manchmal bleiben Wünsche unerfüllt. Tatsächlich habe man bei „Nothing Else Matters“ von Metallica passen müssen, stellt Oberstleutnant Zenglein fest. Das habe sich mal ein scheidender Kommandeur gewünscht. Es sei aber nicht umsetzbar gewesen, das Gitarrensolo des Stücks mit Bläsern abzubilden. „Das Arrangement muss gut sein: Unsere Musik darf nicht zu einer zweifelhaften Karikatur des Originals mutieren“, so der Militärmusikexperte. Heutzutage könne sich jeder alles ganz leicht bei Youtube anhören. Das suggeriere, dass jeder Titel für eine Serenade spielbar sei mit der Erwartungshaltung: So ein Musiker muss das doch können.

Fackelträger und Musikkorps der Bundeswehr marschieren in Formation auf dem Paradeplatz

In abendlicher Dämmerung: Auch ohne Großen Zapfenstreich ist eine für sich stehende Serenade mit Umrahmung durch Fackelträgerinnen und -träger feierlich.

Bundeswehr/Torsten Kraatz
Angela Merkel hört den Musikern der Bundeswehr beim Spielen der Serenade zu

Feierlicher Moment: Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel lauscht den Klängen der ihr zu Ehren gespielten Serenade beim Großen Zapfenstreich auf dem Paradeplatz am Berliner Bendlerblock

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Historisch gewachsen aus „Feierlichen Abendmusiken“

Laut dem Musikwissenschaftler sind die Ursprünge der heutigen Form des Großen Zapfenstreichs mit Serenade beim preußischen Militärmusikreformer Wilhelm Wieprecht und seinen „Feierlichen Abendmusiken“ zu finden: Die Serenade stehe innerhalb des Zapfenstreichs stellvertretend für den konzertanten Anteil dieser Abendmusiken. Diese seien sozusagen Open-Air-Konzerte mit einem Abschluss militärischen Charakters gewesen zur Schaffung einer „romantischen Feldlageratmosphäre zum Ende der Veranstaltung,“ sagt der Dozent für Militärmusikgeschichte.

Stabsmusikkorps spielt Serenade für Rückkehrer aus Mali

In Berlin bereitet derweil Oberstleutnant Kiauka mit seinem Stabsmusikkorps eine Serenade für das Bundeswehr-Zeremoniell am 11. April 2024 am Berliner Bendlerblock vor, die den Rückkehrern aus Mali gewidmet ist. Seine Musikerinnen und Musiker werden „In Treue fest“ von Carl Teike, den Marsch der Division Schnelle Kräfte, gefolgt vom Soundtrack der Fernseh-Miniserie „Band of Brothers“ als Ausdruck von Teamgeist und Kameradschaft sowie den Lale-Andersen-Klassiker „Lili Marleen“ spielen. Das letzte Stück ende mit den Zapfenstreichsignalen, was den feierlichen Ausklang des Zeremoniells unterstreiche, begründet der Leiter des Stabsmusikkorps der Bundeswehr diese Auswahl.

Danach erklingt die Nationalhymne – und auch die Europahymne wird das Stabsmusikkorps spielen: Denn die deutschen Streitkräfte hatten sich bis Mai 2023 unter anderem in der europäischen Trainingsmission EUTMEuropean Union Training Mission Mali zur Ausbildung malischer Sicherheitskräfte engagiert.

von Evelyn Schönsee

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