Der Große Zapfenstreich: Die feierlichste Zeremonie der Bundeswehr

Der Große Zapfenstreich: Die feierlichste Zeremonie der Bundeswehr

  • Tradition
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

Der Große Zapfenstreich ist das in der Gesellschaft bekannteste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Mit dieser musikalischen Abendzeremonie werden scheidende Amtsträgerinnen und Amtsträger der Bundesrepublik Deutschland geehrt, aber auch besondere Jubiläen oder Anlässe feierlich begangen.

Angetretene Soldaten mit vor der Brust gehaltenem Helm in der Dämmerung vor Reichstagsgebäude

Der Große Zapfenstreich ist das feierlichste Zeremoniell der Bundeswehr und besonderen Anlässen vorbehalten (Symbolbild Großer Zapfenstreich vor dem Reichstagsgebäude)

Bundeswehr/photothek/Gottschalk

Was ist der Große Zapfenstreich?

Der Große Zapfenstreich ist das höchste und feierlichste Zeremoniell der Bundeswehr. Eine ähnlich hohe Bedeutung für die Traditionspflege der Bundeswehr hat nur das feierliche Gelöbnis. Der Große Zapfenstreich soll den Zusammenhalt der Truppe festigen und die Verbundenheit von Bundeswehr und Bevölkerung stärken.  

Der Begriff Großer Zapfenstreich bezeichnet dabei die militärische Zeremonie ebenso wie die angetretenen Soldatinnen und Soldaten und die historisch überlieferte Musikfolge.

Woher kommt der Große Zapfenstreich?

Der Große Zapfenstreich als feierliches militärmusikalisches Zeremoniell stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist seit dieser Zeit im Kern unverändert geblieben. In seiner heutigen Form als musikalischer Aufmarsch wurde es von Wilhelm Wieprecht, dem Direktor der Musikkorps des preußischen Gardekorps, geschaffen und erstmals am 12. Mai 1838 in Berlin aufgeführt.

Historisch geht der Große Zapfenstreich auf die Zeit der Landsknechte im 16. Jahrhundert zurück. Damals war es Brauch, dass der sogenannte Profos, der die Gerichtsbarkeit in Söldnerheeren innehatte, abends den Ausschank in den Wirtshäusern beendete, indem er mit seinem Säbel über den Zapfhahn der Bier- und Weinfässer strich. Zugleich riefen Trommler und Pfeifer die Söldner zur Nachtruhe ins Feldlager.

Daraus entwickelten sich in den Armeen des 17. Jahrhunderts musikalische Signale für den Beginn der Nachtruhe in der Kaserne, die es als alltäglichen Zapfenstreich bis heute in den Streitkräften gibt, auch in der Bundeswehr.

Zum feierlichen Abendzeremoniell über konfessionelle Grenzen hinweg für katholische ebenso wie protestantische Soldaten entwickelte sich der Zapfenstreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als es in Preußen üblich wurde, abendliche Militärkonzerte in der Öffentlichkeit abzuhalten.

Der Große Zapfenstreich ist das bekannteste und höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Mit ihm werden scheidende Amtsträgerinnen und Amtsträger der Bundesrepublik Deutschland geehrt und besondere Jubiläen oder Anlässe gewürdigt.

Welche Arten des Großen Zapfenstreichs gibt es?

Es gibt personen- und anlassbezogene Große Zapfenstreiche. Letztere finden bei besonderen Anlässen statt. Das kann das Ende einer langjährigen Mission sein wie beispielsweise der Abschluss des Afghanistaneinsatzes. Häufiger sind anlassbezogene Große Zapfenstreiche bei besonderen Jubiläen, wenn beispielsweise eine militärische Einheit oder eine Dienststelle der Bundeswehr ein rundes Jubiläum begeht. Diese werden in der Regel in kleinerem Rahmen abgehalten als die – in der Öffentlichkeit bekannteren – personenbezogenen Großen Zapfenstreiche.

Beim personenbezogenen Großen Zapfenstreich tritt die Truppe gemeinsam an, um eine verdiente Amtsträgerin oder einen verdienten Amtsträger zu seinem Dienstende zu ehren, zum Beispiel bei der Verabschiedung von Bundespräsidenten, Bundesverteidigungsministern und -ministerinnen sowie von Generalen und Admiralen der Bundeswehr. Auch Bundeskanzler und Bundeskanzlerinnen können auf ihren Wunsch mit einem Großen Zapfenstreich aus ihrem Amt verabschiedet werden.

Eine Besonderheit des personenbezogenen Großen Zapfenstreiches: Die drei Musikstücke, die in der Serenade gespielt werden, darf die oder der zu Verabschiedende selbst wählen. Zu den bisher gewählten Musikstücken gehören unter anderem „Über sieben Brücken musst Du gehen“ von Karat für Bundespräsident Joachim Gauck 2017, „Smoke on the Water“ von Deep Purple für Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg 2011 und „Wind of Change“ der Scorpions für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

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Die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wünschte sich beim Großen Zapfenstreich zu ihrer Verabschiedung nicht nur die Europahymne „Ode an die Freude“, sondern auch den Scorpions-Song „Winds of Change“

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Wie läuft der Große Zapfenstreich ab?

Der Große Zapfenstreich wird immer am Abend und meist in der Öffentlichkeit durchgeführt. Er umfasst die vier Elemente Aufmarsch, Serenade, Musikfolge und Ausmarsch.

Der Aufmarsch beginnt mit dem Kommando „Großer Zapfenstreich – stillgestanden“ und schließt mit dem „Marsch des Yorkschen Korps“. Er beinhaltet zudem die Meldung an die zu ehrende Person bei personenbezogenen Großen Zapfenstreichen oder an den ranghöchsten anwesenden Militär oder Zivilisten bei anlassbezogenen Großen Zapfenstreichen wie Verbandsjubiläen.

Der zweite Teil wird mit dem Kommando „Serenade“ eingeleitet. Die Serenade ist eine Abfolge von drei Musikstücken und kann auch als eigene Zeremonie begangen werden. In der Serenade sind die Musikstücke nicht festgelegt.

Das dritte Element ist der eigentliche Große Zapfenstreich, der aus einer festgelegten Musikfolge besteht. Hierzu zählt auch der Ruf zum Gebet mit dem Kommando „Helm ab zum Gebet“ sowie die deutsche Nationalhymne nach dem Kommando „Achtung, präsentiert“ beziehungsweise „Achtung, präsentiert das Gewehr“.

Der Große Zapfenstreich endet mit der Abmeldung des Zapfenstreichs und dem Ausmarsch der beteiligten Soldatinnen und Soldaten.

Personell besteht der Große Zapfenstreich aus einem Musikkorps mit Spielmannszug, zwei Ehrenzügen in der Stärke von jeweils 31 Soldatinnen und Soldaten sowie 76 Fackelträgern. Findet ein Großer Zapfenstreich in Berlin statt, gehören die beteiligten Soldatinnen und Soldaten in der Regel dem Wachbataillon und dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr an.

Aufmarsch und Aufstellung der Truppe ist genau geregelt. Abweichungen sind nur mit Genehmigung des Bundesministeriums der Verteidigung erlaubt. Eine Besonderheit: Um der Bedeutung der Zeremonie gerecht zu werden, ist immer der Große Dienstanzug zu tragen – jedoch mit einem besonderen Helm, der sich leichter abnehmen lässt, als der herkömmliche Gefechtshelm.

Trommler vom Musikkorps der Bundeswehr

In seiner heutigen Form als militärmusikalischer Aufmarsch zum Tagesabschluss wurde der Große Zapfenstreich erstmals am 12. Mai 1838 in Berlin vom Musikkorps des preußischen Gardekorps aufgeführt (Symbolbild Musikkorps der Bundeswehr)

2019 Bundeswehr/Kim Brakensiek

Welche Musik gehört zur Musikfolge des Großen Zapfenstreichs?

Die Musikfolge des Großen Zapfenstreichs ist festgelegt. Die dazu gehörenden Musikstücke – außer der Nationalhymne – dürfen die Musikkorps der Bundeswehr nicht zu anderen Anlässen spielen.
Diese Musikstücke sind:

  • der Marsch des Yorckschen Korps zum Aufmarsch
  • der preußische Zapfenstreichmarsch, die Kavalleriesignale und Spielstücke der Trommler und Pfeifer als Zeichen der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit der Streitkräfte
  • das Musikstück „Ich bete an die Macht der Liebe“ (Gebet) als symbolische Gelegenheit zur Andacht für alle Glaubensgemeinschaften und als Aufforderung zu Frieden und Toleranz
  • die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland
von Simona Boyer

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