Stillgestanden: Appelle erklärt

Appelle in der Bundeswehr: Alltagsdienst und besonderer Anlass

Appelle in der Bundeswehr: Alltagsdienst und besonderer Anlass

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

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Appelle gehören zum Alltagsdienst der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Auch bei vielen feierlichen Anlässen wie Kommandeurswechseln oder dem Abschluss militärischer Missionen sind Appelle üblich. Doch was ist ein Appell genau? Und wie läuft er ab? Fragen und Antworten.

Ministerin in Litauen

Appell im Schnee: Die turnusmäßige Kommandoübergabe bei der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission Enhanced Forward Presence in Litauen erfolgt immer im Rahmen eines feierlichen Appells

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Was ist ein militärischer Appell?

Ursprünglich war ein Appell ein Signal zum Sammeln verstreuter Truppen nach einem Gefecht. In der Bundeswehr gibt es heute verschiedene Formen von Appellen. Morgenappelle – in der Truppe meist einfach als Antreten bezeichnet – sind beispielsweise Teil des täglichen Dienstes in den meisten militärischen Einheiten. Technische Appelle dagegen dienen der Überprüfung der Vollzähligkeit und Funktionsfähigkeit des Materials.

Appelle werden aber auch zu besonderen Anlässen in feierlicher Form begangen. Dazu zählen unter anderem Appelle zur Kommandoübergabe, zur Verleihung von Orden und Ehrenzeichen sowie Abschlussappelle nach dem Ende militärischer Missionen. Eine besondere Form des Appells sind Gedenkappelle für gefallene oder verstorbene Soldatinnen und Soldaten.

In der Marine heißen Appelle Musterung – nicht zu verwechseln mit der ärztlichen Untersuchung und den Computertests beim Truppenarzt für Bewerberinnen und Bewerber, die Soldatin oder Soldat werden wollen. Musterungen werden in der Regel nicht täglich durchgeführt, sondern zu besonderen Anlässen befohlen.

Grundausbildung unter Corona-Bedingungen

Morgenappell: Das tägliche Antreten markiert den Beginn der Tagesroutine (Symbolfoto)

Bundeswehr/Tom Twardy

Wie läuft ein Appell ab?

Grundsätzlich gilt: Bei einem Appell treten die Soldatinnen und Soldaten einer Kompanie, eines Bataillons oder eines Regimentes an, um von ihren Vorgesetzten Informationen oder Befehle zu erhalten.

Ein Beispiel: Ein Morgenappell beginnt auf Befehl der Kompaniechefin oder des Kompaniechefs oder auch des Kompaniefeldwebels immer mit dem Antreten der Soldatinnen und Soldaten einer militärischen Einheit. Die militärischen Vorgesetzten lassen sich, meistens durch ihren Stellvertreter, die Einheit melden und begrüßen ihre Soldatinnen und Soldaten und informieren sie über Tagesgeschehen und Tagesbefehle. Im Anschluss können sie beispielsweise Meldungen und Fragen entgegennehmen.

Ein Appell läuft dabei immer nach den Regeln des Formaldienstes ab. Das heißt, alle grundlegenden Elemente des militärischen Lebens sind auch Teil des Appells: militärisches Grüßen, Marschieren, Antreten und Melden. Je nach Anlass tragen die Soldatinnen und Soldaten dabei einheitlich den Dienstanzug oder ihre jeweilige „Arbeitsbekleidung“ – beispielsweise Flecktarn, Bordanzug, Fliegerkombi oder etwas Vergleichbares.

Ein Appell kann im Alltag überall stattfinden – in der Kaserne, auf dem Truppenübungsplatz, aber auch in der Öffentlichkeit.

Angetretene Sodatinnen und Soldaten

Dienstanzug oder Flecktarn: Die Uniform der Soldatinnen und Soldaten variiert je nach Anlass. Der Formaldienst, also grundlegende militärische Formen, ist jedoch immer Bestandteil eines Appells.

Bundeswehr/ Marco Dorow

Was ist die Besonderheit feierlicher Appelle?

Feierliche Appelle dienen dazu, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Truppe zu stärken und besondere Verdienste zu würdigen. Ein besonderer Aspekt feierlicher Appelle ist das Abschreiten der Front der angetretenen Soldatinnen und Soldaten. Militärische Vorgesetzte, aber auch Personen des öffentlichen Lebens bekunden hiermit ihren Respekt vor dem Auftrag und den Diensten der Soldatinnen und Soldaten.

Entsprechend sind bei feierlichen Appellen nicht nur Bundeswehrangehörige vertreten. Neben Vertreterinnen und Vertretern des öffentlichen Lebens und der Presse kann die durchführende Einheit auch Familienmitglieder, Angehörige der Reserve oder Patentruppenteile verbündeter Streitkräfte einladen.

Ein häufiger Anlass für einen feierlichen Appell ist beispielsweise, wenn das Kommando einer Einheit übergeben wird und die bisherige Einheitsführerin oder der bisherige Einheitsführer verabschiedet und die Nachfolgerin oder der Nachfolger begrüßt werden. Auch wenn Ausbildungsjahrgänge gemeinsam zum Unteroffizier oder zum Leutnant befördert werden, sind feierliche Beförderungsappelle üblich. Dasselbe gilt für die Verleihung von Orden und Ehrenzeichen oder den Abschluss militärischer Operationen oder Übungen. 

Was ist ein Gedenkappell?

Verstorbene oder tödlich verunglückte Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr werden immer mit einem Gedenkappell in ihrer Einheit geehrt. Mit diesem feierlichen Appell drücken die Kameradinnen und Kameraden ihre Verbundenheit mit der oder dem Verstorbenen und ihr Mitgefühl für die Hinterbliebenen aus.

Gedenkappelle finden in der Regel am Tag der Trauerfeier für die oder den Verstorbenen statt, meist in der Kaserne der zugehörigen Einheit. Die Einheitsführerin oder der Einheitsführer lädt die Hinterbliebenen zum Appell ein. In der Regel nimmt auch eine Militärseelsorgerin oder ein Militärseelsorger teil.

Gedenkappelle für im Einsatz gefallene Soldatinnen und Soldaten können auch Teil einer öffentlichen Trauerfeier der Bundeswehr sein.

Gedenkfeier

Erinnerung und Mitgefühl: Mit Gedenkappellen würdigen Soldatinnen und Soldaten einer Einheit verstorbener und tödlich verunglückter Kameradinnen und Kameraden und sprechen auf militärische Weise ihre Verbundenheit aus (Symbolfoto)

Bundeswehr/Johann Michael Scheller

Gibt es Appelle auch im Auslandseinsatz?

Appelle sind Teil des Alltagslebens der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, auch bei Auslandseinsätzen. Neben den Appellen im täglichen Dienst gibt es in internationalen Kontingenten auch multinationale Appelle in feierlichem Rahmen. Dazu gehören zum Beispiel Kommandoübergaben wie zum Beispiel die regelmäßigen Kommandeurswechsel in der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission Enhanced Forward Presence in Litauen. Aber auch multinationale Übungen enden häufig mit einem Abschlussappell aller beteiligten Nationen.

von Simona Boyer

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