Nachgefragt

„Ukrainische Streitkräfte haben Initiative ergriffen“

„Ukrainische Streitkräfte haben Initiative ergriffen“

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Die ukrainischen Streitkräfte drängen Russland nach und nach aus den besetzten Gebieten im Süden und im Osten des Landes zurück. Russland reagiert mit der Entsendung zusätzlicher Truppen. Kann die Ukraine ihre Gegenoffensive erfolgreich führen? Bedrohungsanalyst Oberst i. G.im Generalstabsdienst Ralf Feldotto schätzt die Lage in „Nachgefragt“ ein. 

Passen Sie jetzt Ihre Datenschutzeinstellungen an, um dieses Video zu sehen

Oberst i. G.im Generalstabsdienst Ralf Feldotto ist Bedrohungsanalyst im Verteidigungsministerium. Im „Nachgefragt“-Gespräch mit Kapitänleutnant Nana Ehlers erklärt er die aktuellen Entwicklungen an den Fronten im Süden und im Osten der Ukraine.

„Die Ukrainer haben die russischen Streitkräfte mit ihren Offensiven erheblich unter Druck gesetzt“, sagt Oberst i. G.im Generalstabsdienst Feldotto in der aktuellen Folge von „Nachgefragt“. Der Experte für Krisenfrüherkennung im Verteidigungsministerium lobt gegenüber „Nachgefragt“-Moderatorin Kapitänleutnant Nana Ehlers die Fähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte, auch im Hinblick auf die Einbindung der Waffensysteme, die vom Westen geliefert wurden. „Es ist bemerkenswert, dass die ukrainischen Streitkräfte in der Lage waren, hochkomplexe Waffensysteme in ihr System zu integrieren und dann wirklich zur vollen Leistungsfähigkeit zu bringen.“

Beim „Faktor Mensch“ ist Ukraine im Vorteil

Auf dem Schlachtfeld gehe es nicht nur um das „Kämpfen-Können“, sondern auch um das „Kämpfen-Wollen“, erklärt Feldotto weiter. Entscheidend sei der Faktor Mensch: Die Ukrainer hätten gezeigt, dass sie willens seien, zu kämpfen. „In der Offensive haben die Ukrainer gezeigt, dass sie nicht nur Gegenstöße, sondern geplante Offensiven durchführen können.“ 

Das habe man bei den Erfolgen im Raum Charkiw gesehen, so der Oberst. Den ukrainischen Streitkräften sei es dabei gelungen, die Vorbereitungen zu einer großen Gegenoffensive über Wochen geheim zu halten und die Schwachstellen der russischen Streitkräfte aufzuklären. Dann sei im Gefecht verbundener Waffen ein Einbruch in die russischen Linien erzielt worden. „Die russischen Streitkräfte konnten sich dabei nur noch durch Flucht der Einschließung entziehen.“ Auch in Cherson im Süden des Landes sei es den Ukrainern gelungen, die russischen Streitkräfte erheblich unter Druck zu setzen. 

„Inwieweit der tiefe Einbruch in die russischen Verteidigungslinien von den Ukrainern noch weiter ausgenutzt werden kann, wissen wir aber nicht“, stellt Feldotto fest. „Die Witterungsbedingungen verschlechtern sich und damit wird ein breit angesetzter Angriff mechanisierter Kräfte so nicht mehr möglich sein.“ Er gehe aber davon aus, dass die Ukraine weiter in der Offensive bliebe, um die derzeitige Desorganisation der russischen Streitkräfte auszunutzen.

Teilmobilmachung als Zäsur

Als Reaktion auf die Erfolge der Ukraine hatte der russische Präsident Wladimir Putin kürzlich die Einberufung Tausender Reservisten bekannt gegeben. „Mit der Teilmobilmachung haben wir jetzt eine tiefe Zäsur für die russische Gesellschaft“, sagt Feldotto. Bisher sei der völkerrechtswidrige Angriff auf die Ukraine von Russlands Bürgerinnen und Bürgern aus der Zuschauerrolle betrachtet worden.

Jetzt bringe man die russische Bevölkerung in eine Akteursrolle, so der Oberst – Hunderttausende würden in den Militärdienst, an die Front gezwungen. Russischen Soldaten, die sich freiwillig gefangen nehmen lassen, drohen Haftstrafen von zehn Jahren. „Da kann man sich vorstellen, welchem Druck diese Soldaten ausgesetzt sind.“

Kriegsausgang weiterhin offen

Dennoch sei der Ausgang des Krieges weiterhin offen, stellt Feldotto fest. „Die Russen haben im Verlauf des Konfliktes Schlachten verloren, aber sie haben den Krieg nicht verloren.“ Die Gefahr, dass Russland taktische Atomwaffen einsetze, könne man zwar grundsätzlich nicht ausschließen, so der Experte für Krisenfrüherkennung. „Momentan haben wir dafür aber keine Indikatoren.“ Der Einsatz von Nuklearwaffen hätte immer globale Auswirkungen. Das wisse auch Putin. 

von Robert Annetzberger

Weitere Folgen

Nutzen Sie bitte nachfolgend die Pfeiltasten (links/rechts) um zum vorherigen/nächsten Slide zu springen. Nutzen Sie die Tabtaste um innerhalb des aktiven Slides Elemente (wie Links) anzuspringen.

Sie verlassen jetzt das Slide Modul. Drücken Sie die Tabtaste zum Fortfahren oder navigieren Sie andernfalls einfach weiter mit den Pfeiltasten.