Nachgefragt

Wie groß ist die Bedrohung an der NATO-Ostflanke?

Wie groß ist die Bedrohung an der NATO-Ostflanke?

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
2 MIN

An ihrer Ostflanke hat die NATO zur Sicherung der osteuropäischen Bündnismitglieder und als Zeichen der Abschreckung die enhanced Forward Presence aufgestellt. Der Kommandeur der Battlegroup in Litauen, Daniel Andrä, erklärt, wie groß die Bedrohung an der NATO-Ostflanke ist und wie das Kriegsgeschehen in der Ukraine vor Ort wahrgenommen wird.

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Oberstleutnant Daniel Andrä ist der Kommandeur der NATO-Battlegroup in Litauen. Er erklärt angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine, wie wichtig insbesondere in Kriegszeiten der Schutz der Ostflanke ist.

Die Anspannung vor Ort habe seit Kriegsausbruch ganz sicher zugenommen, beobachtet der Kommandeur. Dennoch: „Derzeit aber kann man sagen, dass es keine Indikatoren gibt, dass Russland Pläne entwickelt oder sogar ein Angriff bevorsteht in Richtung Baltikum oder auch Polen.“ Die Lage, so Daniel Andrä, sei stabil. Die NATO sei ein Defensiv-Bündnis. Die Battlegroups trainierten und übten Verteidigung. In der Nähe der weißrussischen Grenze auch mit gebührendem Abstand. Deshalb, sagt Andrä, könne er den Vorwurf, das Engagement der NATO an der Ostflanke trage zur Eskalation mit Russland bei, nicht nachwollziehen.    

Will Russland die „Suwalki-Lücke“?

Ein besonderes Augenmerk liegt allerdings auf der sogenannten „Suwalki-Lücke“, auch „Suwalki Gap“ genannt. Diese nur rund 100 Kilometer kurze Landverbindung zwischen Polen und Litauen ist von großer politischer Bedeutung. Einerseits ist sie der einzige Korridor, durch den Nachschub aus dem NATO-Bündnisgebiet kommen kann. Andererseits würde sie im Fall einer russischen Besetzung das Gebiet nicht nur symbolisch, sondern auch tatsächlich und geografisch in einen westlichen und einen östlichen Block trennen.

Doch Oberstleutnant Andrä beschwichtigt: Auch für diesen Fall gäbe es “gute Pläne in der Schublade, um das Suwalki Gap offenzuhalten“. In diesen Plänen spielen die Battlegroups, eingebunden in die Strukturen der jeweiligen Gastländer, eine entscheidende Rolle. Im Moment sieht Andrä aber keine Anzeichen dafür, dass Russland nach diesem Korridor greife. 

Der Verband, den Andrä führt, zählt rund 1.700 Männer und Frauen aus sieben Nationen, in Uniform und Zivil. An Ausstattung mangelt es nicht. Bis hin zum Großgerät wie Panzer oder Brückenleger ist alles vor Ort. Seit kurzem verfüge man auch über eigene Flugabwehrfähigkeiten mit dem „Ozelot“. Die Details dazu sowie zur großen Vielfalt an Fähigkeiten der eFPenhanced Forward Presence- Battlegroup erläutert der Kommandeur sehr ausführlich in unserem Video „Nachgefragt“. 

Zur Person: Oberstleutnant Daniel Andrä ist Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 411 in Viereck. Am 8. Februar 2022 übernahm Deutschland die Führung der multinationalen NATO-Battlegroup mit Andrä als neuem Kommandeur des Bundeswehrkontingents im litauischen Rukla. Der Lebenslauf des 43-jährigen Offiziers ist geprägt von infanteristischen Verwendungen. Außerdem war er Referent für „Strategie und Einsatz“ im Verteidigungsministerium.

von Stefanie Brauner

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