Nachgefragt

„Wir haben grundsätzlich eine ständige Bedrohungslage“

„Wir haben grundsätzlich eine ständige Bedrohungslage“

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Der Krieg Russlands in der Ukraine wird nicht nur auf den Schlachtfeldern im Donbass geführt. Auch im Internet und den sozialen Netzwerken wird um Informationshoheit gekämpft. Vizeadmiral Dr. Thomas Daum ist Inspekteur des Cyber- und Informationsraumes der Bundeswehr. Er teilt sein Lagebild mit den Zuschauerinnen und Zuschauer von „Nachgefragt“.

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Vizeadmiral Dr. Thomas Daum ist Inspekteur des Cyber- und Informationsraumes der Bundeswehr. Der Informationskrieg zwischen Ukraine und Russland ist Thema des ,,Nachgefragt''-Gespräches mit der Moderatorin, Frau Kapitänleutnant Nana Ehlers.

Hackerangriffe, Desinformationskampagnen, elektronische Kampfführung: Der Ukrainekrieg wird auch im Netz erbittert geführt. „In diesen drei Feldern passiert im russisch-ukrainischen Krieg schon eine Menge“, sagt Vizeadmiral Dr. Thomas Daum im Gespräch mit der „Nachgefragt“-Moderatorin, Frau Kapitänleutnant Nana Ehlers.
 
So würden sogenannte DDoSDistributed Denial of Service-Attacken gefahren, um Server der Gegenseite zu überlasten. Auch sei direkt zu Kriegsbeginn ein Hackerangriff auf einen USUnited States-amerikanischen Satellitenbetreiber unternommen worden. „Das hat ganz wesentlich das ukrainische militärische Kommunikationssystem in den ersten Tagen danach behindert“, so der Inspekteur der ITInformationstechnik-Truppe der Bundeswehr.

Hackerangriffe gegen Land und Truppe

Die digitalen Auswirkungen des Angriffes waren auch in Deutschland zu spüren: So gab es im Anschluss Probleme beim Betrieb von Windkraftanlagen. „Wir haben grundsätzlich eine ständige Bedrohungslage. Davon muss man schon ausgehen. Hackerangriffe finden 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche statt“, warnt Daum, dessen Aufgabe der Schutz der Bundeswehrnetze in Deutschland und die Abwehr von Cyberangriffen in den Einsatzgebieten ist. „Wir erkennen eine ganze Menge von solchen Angriffen. Die richten sich auch gegen Deutschland, die richten sich in Teilen auch gegen die Bundeswehr.“

Mit dem Ukrainekrieg haben die Cyberattacken laut Daum „in der Quantität sicherlich zugenommen. In der Qualität erkennen wir insofern eine Veränderung, dass es zum ersten Mal Bekennerschreiben gegeben hat.“ So habe ein kremltreues Hackerkollektiv seine Angriffe mit den deutschen Sanktionen gegen Russland und den Waffenlieferungen an die Ukraine begründet. Die Angriffe seien aber bislang meist nicht bedrohlich gewesen.

Kampf um Narrative 

Desinformationskampagnen – also die gezielte Verbreitung von Falschinformationen – spielten ebenfalls eine wichtige Rolle im Ukrainekrieg, sagt der Vizeadmiral. „Das sehen und hören wir jeden Tag. Das erste Narrativ war ja die ‚Spezialoperation‘, die dort durchgeführt wird, obwohl wir ganz klar erkennen: Hier ist ein Angriffskrieg.“ Ein weiteres Beispiel seien die stark unterschiedlichen Angaben zu den zivilen und militärischen Opfern des Krieges. „Es findet de facto täglich ein Kampf um diese Narrative statt: Wie viele Opfer gibt es auf der einen, wie viele Opfer auf der anderen Seite?“

Fake News in Litauen

Auch in den deutschen Einsatzgebieten in Osteuropa würden sogenannte Fake News gezielt verbreitet. „Auch dort wird mit Narrativen gegen die Interessen der Bundeswehr gearbeitet. Wir haben da konkrete Beispiele aus Litauen.“ Zum Beispiel seien Gerüchte verbreitet worden, dass ein jüdischer Friedhof von Bundeswehrpanzern verwüstet worden sei. „Die waren natürlich gezielt, um das Bild der deutschen Soldaten in den baltischen Staaten zu diskreditieren, die Bevölkerung gegen die Bundeswehr einzustellen.“

Die ITInformationstechnik-Truppe der Bundeswehr verzichte generell auf die Lancierung von Fehlinformationen, so der Inspekteur des Cyber- und Informationsraumes. Desinformationskampagnen würden meist nach wenigen Tagen auffliegen. „Deshalb ist es ein Grundsatz, dass wir dort unsere Reputation nicht riskieren.“

von Timo Kather

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