Warum gibt es kaum Frauen bei den Spezialkräften?

Warum gibt es kaum Frauen bei den Spezialkräften?

Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

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Seit 20 Jahren stehen Frauen in der Bundeswehr alle Karrierepfade offen. Auch bei den Spezialkräften gibt es heute in einigen Bereichen Frauen. Zur Kommandosoldatin oder Kampfschwimmerin hat es bisher aber noch keine geschafft.

Zwei Soldatinnen mit ihren digitalen Arbeitsutensilien

„Frauen sind ganz klar eine Bereicherung für uns“, heißt es beim KSKKommando Spezialkräfte. Seit einiger Zeit gibt es dort weibliche Aufklärungsfeldwebel, die die Kommandokräfte begleiten. Sie können bei kulturell sensiblen Missionen oft besser eingesetzt werden.

Bundeswehr/Jana Neumann

Wie kann das sein? „Wir brauchen und wir wollen Frauen in den Spezialkräften“, sagt Oberstleutnant Philipp Töpsel*, „aber es gibt leider sehr wenige Bewerberinnen.“ In den vergangenen Jahren habe sich nur eine Frau als Kommandosoldatin beim KSKKommando Spezialkräfte beworben, erzählt der Leiter des Ausbildungsstützpunktes Spezialkräfte Heer in Calw. Sie scheiterte an den hohen körperlichen Anforderungen. Damit ist sie nicht allein: Auch die Mehrheit der männlichen Bewerber schafft es nicht durch das Auswahlverfahren oder die daran anschließende zweijährige Ausbildung. Viele von ihnen bereiten sich monatelang darauf vor. Aber das ist keine Garantie: Wer Kommandosoldat werden will, muss härtesten Belastungen trotzen.

Vier Bewerberinnen beim KSKKommando Spezialkräfte bisher

Das gilt nicht nur für das KSKKommando Spezialkräfte. Auch beim Kommando Spezialkräfte der Marine (KSMKommando Spezialkräfte der Marine) und der 4./HSGHubschraubergeschwader 64 gibt es bis dato keine Kampfschwimmerin oder Luftfahrzeugführerin. „Jede Frau, die geistig und körperlich fit ist und die Bewerbungsvoraussetzungen erfüllt, kann es versuchen und es schaffen“, erklärt Töpsel. Das heißt: Sie kann Kommandooffizierin oder Kommandofeldwebel werden. Wer weder Offizier noch Unteroffizier ist, muss die formalen Voraussetzungen für einen Laufbahnwechsel erfüllen.

Bei der Personalwerbung wird darauf hingewiesen, dass die Ausbildung sowohl Männern als auch Frauen offensteht. Die Geschlechter werden gleichbehandelt, versichert Töpsel. Insgesamt haben sich in der 25-jährigen Geschichte des KSKKommando Spezialkräfte vier Frauen bei den Kommandokräften beworben. Zwei sind durchgefallen, eine ist nicht erschienen. Jüngst hat zum ersten Mal eine Soldatin den ersten Teil des Potenzialfeststellungsverfahrens bestanden.

Nur knapp jeder zehnte Bewerber erfolgreich

Die 4./HSGHubschraubergeschwader 64 hat hingegen noch keine Erfahrungen mit Frauen in ihren Reihen. Anders beim KSMKommando Spezialkräfte der Marine: In seiner Historie gab es bisher drei Bewerberinnen zur Kampfschwimmerausbildung. Der Sporttest war jedoch eine zu große Hürde für sie. Die Frauen hätten die geforderten Leistungen nicht erfüllen können, berichtet Fregattenkapitän Ingo Mathe. Das gilt im Übrigen auch für die meisten Männer: „Von jährlich rund 50 bis 60 Bewerbern schafft es nur knapp jeder zehnte zum Kampfschwimmer“, erklärt der Ausbildungsleiter beim KSMKommando Spezialkräfte der Marine.

Anforderungen bleiben gleich – die Qualität auch

„Es gibt immer wieder Soldatinnen, die die Einzelkämpferausbildung erfolgreich abschließen“, berichtet Töpsel. „Sie haben einen ersten großen Schritt gemacht, auf den sich aufbauen lässt.“ Wobei die Auswahl und Ausbildung bei den Kommandosoldaten und Kampfschwimmern noch um einiges härter ist als auf dem Einzelkämpferlehrgang.

Das muss jedem klar sein, egal ob Mann oder Frau. „Wir müssen die besondere Qualität der Kommandosoldaten gewährleisten. Wenn wir die Anforderungen senken, um mehr Kandidatinnen und Kandidaten bestehen zu lassen, würden wir unseren Ansprüchen nicht mehr gerecht.“ Das Potenzialfeststellungsverfahren soll gewährleisten, dass alle den späteren Herausforderungen bei der Ausbildung und im Dienst gewachsen sind.

In Calw wird große Hoffnung in die aktuelle Bewerberin gesetzt. Derzeit absolviert sie die zehnwöchige Vorbereitung für den zweiten Teil des Potenzialfeststellungsverfahrens. Kurz: die Höllenwoche. Dabei wird die körperliche und psychische Belastung auf die Probe gestellt.

Frauen als Gewinn für die Spezialkräfte

Töpsel ist überzeugt: „Frauen sind ganz klar eine Bereicherung für uns. Verschiedene Geschlechter bringen unterschiedliche Kompetenzen und Fähigkeiten mit, die wir alle brauchen.“ Dafür gibt es einige Beispiele: Aus den Einsätzen wissen die Spezialkräfte, dass Frauen in kulturell sensiblen Bereichen oft besser eingesetzt werden können, etwa bei einer Befragung oder einer Durchsuchung muslimischer Frauen.

Mittlerweile gibt es weibliche Aufklärungsfeldwebel beim KSKKommando Spezialkräfte, die zum Beispiel bei Festsetzungen unterstützen. Sie sind aber keine Kommandosoldatinnen und können deshalb nicht an allen Einsätzen und Operationen teilnehmen. „Bei einer verdeckten Operation kann es besser sein, eine Frau einzusetzen als einen Mann mit der Statur eines Schrankes“, meint Töpsel. Auch die Kampfschwimmer würden Frauen in ihren Reihen begrüßen.

„Sie wären allein aus Gründen der Tarnung von großem Vorteil“, so Mathe. Philipp Töpsel vom KSKKommando Spezialkräfte-Ausbildungsstützpunkt sähe es positiv, wenn die aktuelle Bewerberin die Höllenwoche besteht und die Ausbildung antreten kann: „Das wäre bahnbrechend und eine Inspiration und Motivation für andere Soldatinnen, die sich für unsere Arbeit interessieren.“ Er setzt darauf, dass sich zukünftig mehr Frauen bewerben – damit das KSKKommando Spezialkräfte noch besser wird.


* Name zum Schutz des Soldaten geändert.

von Amina Vieth

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