„Niemand wird auf der Strecke bleiben“ - Interview mit dem Inspekteur CIR
In einem Interview spricht der Inspekteur CIR über heutige und kommende Herausforderungen im Bereich Personal des Organisationsbereichs CIR.
Seit 1. Juli 2020 läuft die neue Offizierausbildung im Organisationsbereich CIR. Oberstleutnant Eberhard Grell aus dem Kommando CIR hat die Umstellung begleitet und erklärt sie im Interview.
Oberstleutnant Grell hat die Umstellung der OA-Ausbildung im Organisationsbereich CIR begleitet.
Bundeswehr/Stefan UjHerr Oberstleutnant, angehende CIR-Offiziere werden von „mehr CIR“ und „mehr Truppe“ profitieren. Wie genau hat sich die Offizierausbildung geändert und warum?
Zuerst möchte ich einmal betonen, dass wir hier von den CIR-Offizieranwärterinnen und -anwärtern mit Heeresuniform, von den Heeresuniformtragenden (HUT), sprechen. Im Jahr 2020 sind bei ihnen 146 Neueinstellungen vorgesehen.
Bis jetzt war es so, dass diese Offizieranwärterinnen und –anwärter (OAs) beim Heer in ihre Bundeswehrzeit gestartet sind. Sie wurden sechs Monate lang gemeinsam mit anderen OAs in den Offizieranwärterbataillonen ausgebildet. Um die jungen Frauen und Männer wieder früher in Kontakt mit der Truppe zu bringen, in der sie später ihren Dienst leisten sollen, hat das Heer die Offizieranwärterbataillone aufgelöst und die OAs in die regulären Grundausbildungseinheiten eingegliedert. Auch unsere OAs HUT beginnen ihre Laufbahn nun in der Grundausbildung, gemeinsam mit Soldatinnen und Soldaten anderer Laufbahnen. Und zwar von Anfang an bei unseren IT- und EloKa-Bataillonen, also im Organisationsbereich CIR. Auch die daran anschließende Spezialgrundausbildung durchlaufen sie in den Verbänden, wo sie bereits nach drei Monaten Dienstzeit mit den sie betreffenden Spezifika des CIR vertraut gemacht werden.
Außerdem erwarben die angehenden Offiziere ihr Offizierpatent bisher an der Offizierschule des Heeres. Auch das tun sie jetzt im Organisationbereich CIR, nämlich an der Schule Strategische Aufklärung in Flensburg oder an der IT-Schule in Feldafing – nach einem dreimonatigen fachlichen Ausbildungsabschnitt – dem Fahnenjunkerlehrgang -, der mit dieser wichtigen Laufbahnprüfung endet.
Was erwartet den angehenden CIR-Offizier im neuen Ausbildungsgang?
Der konkrete Ablauf richtet sich nach der Truppengattung, beziehungsweise CIR-spezifischen Verwendung. Die angehenden Cyber/IT-Offiziere und GeoInfo-Offiziere beginnen mit der Grundausbildung im IT-Bataillon in Dillingen an der Donau oder im rheinland-pfälzischen Gerolstein. Danach folgt für sie die erste fachliche Qualifikation bei der Spezialgrundausbildung in einem der anderen IT-Bataillone – Murnau, Kastellaun, Erfurt, Storkow. In variabler Reihenfolge folgen dann der Fahnenjunkerlehrgang, die Sprachausbildung Englisch sowie das Führungspraktikum wieder in einem IT-Bataillon bzw. im ZGeoBw. OAs, die mit einem besonderen fachlichen Schwerpunkt eingesetzt werden sollen leisten ein technisches Praktikum ab.
Angehende Offiziere der Elektronischen Kampfführung und der Operativen Kommunikation starten in Nienburg/ Weser und wechseln für die fachlichen Anteile dann nach Flensburg. Ebenfalls im rotierenden System folgen für sie der Fahnenjunkerlehrgang an der Schule Strategische Aufklärung, die Sprachausbildung Englisch sowie das Führungspraktikum in einem EloKa-Bataillon (Stadum, Nienburg, Daun, Frankenberg beziehungsweise im ZOpKomBw. Kontakt zur Truppe sowie fachliche Qualifikation in der vorgesehenen Truppengattung sind so bereits vor dem Studium gegeben. Alle Offizieranwärterinnen und -anwärter (HUT) besuchen außerdem noch ein einwöchiges Modul an der Offizierschule des Heeres in Dresden.
Die Umstellung ist aus Ihrer Sicht also eine gute Entwicklung? Was ist mit den Luftwaffen- und Marineuniformtragenden?
Die künftigen Führungskräfte entwickeln von Anfang an ein Selbstverständnis als CIR-Soldatinnen und -Soldaten.
Bundeswehr/Michael HaamannDefinitiv ist diese Umstellung der Offizierausbildung der Heeresuniformtragenden im CIR ein Schritt in die richtige Richtung. Als Organisationsbereich mit eigener Dimensionsverantwortung ist es nur folgerichtig, dass wir unseren Offiziernachwuchs, unabhängig vom Uniformträgerbereich, selbst ausbilden – sowohl in unserer Truppe als auch in unseren Ausbildungseinrichtungen. So erreichen wir ein Stück berufliche Prägung und Entwicklung eines engen Bezuges zur Dimension CIR; die OAs haben somit die Möglichkeit, von Anfang an ein Selbstverständnis als CIR-Soldatinnen und -Soldaten zu entwickeln.
Luftwaffen- und Marineuniformträger werden bis zum Beginn des Studiums bei ihrer jeweiligen Teilstreitkraft ausgebildet. Sie kommen nach dem (MINT-) Studium zu uns und werden im Rahmen des Zugführerlehrgangs auf ihre erste Verwendung im Organisationsbereich CIR vorbereitet.
Im Übrigen bilden wir zusätzlich 35 Offizieranwärterinnen und –anwärter der Fernmeldetruppe des Heeres aus. Nach Abschluss der Grundausbildung und Spezialgrundausbildung im Heer absolvieren sie bei uns den Fahnenjunkerlehrgang an der IT-Schule. So können diese angehenden Heeresoffiziere von unserer Fachkenntnis im Bereich IT profitieren.
von Constanze Lieberenz E-Mail schreiben