Cyber- und Informationsraum
Retter in der Not

Soldatin erhält Ehrenkreuz für ihren Einsatz in der Hochwasserlage

Soldatin erhält Ehrenkreuz für ihren Einsatz in der Hochwasserlage

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Datum:
Ort:
Euskirchen
Lesedauer:
6 MIN

Frau Hauptfeldwebel Jennifer Monzel hat für ihren persönlichen Einsatz in der akuten Hochwasserlage im Juli 2021 in Erftstadt das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber verliehen bekommen.

Hauptfeldwebel Jennifer Monzel nach der Verleihung.

Hauptfeldwebel Jennifer Monzel nach der Verleihung

Bundeswehr/PIZ CIR

Das Ehrenkreuz der Bundeswehr, verliehen an Frau Hauptfeldwebel Monzel durch den Inspekteur Cyber- und Informationsraum, Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, zeichnet ihr vorausschauendes, engagiertes und umsichtiges Handeln in der akuten Hochwassersituation im Juli 2021 in Erftstadt aus. Hauptfeldwebel Monzel versuchte am Morgen des 15. Juli 2021 von ihrem Wohnort zu ihrer Dienststelle, dem Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen, zu gelangen. Normalerweise benötigt sie für diese Strecke 50 Minuten, aber an diesem Tag war die Wegstrecke vielerorts durch die Wassermassen versperrt. Die Situation war noch größtenteils unübersichtlich. Sie verließ die Bundesstraße 265 und fuhr mit ihrem Auto auf eine Brücke. Von dort aus konnte sie die Wassermassen sehen, welche von der stark hochwasserführenden Erft auf die Autobahn gespült wurden. 30 bis 40 Personen standen zu diesem Zeitpunkt auf der Brücke und suchten dort Schutz vor den Fluten. In einem Interview erzählt Monzel, was dann passierte.

Frau Hauptfeldwebel Monzel, können Sie die Situation beschreiben, welche sich Ihnen auf der Brücke darstellte?

Anfänglich waren vereinzelt Kräfte der örtlichen Feuerwehr vor Ort. Diese hab ich dann bei der Rettung einer Frau aus den Fluten unterstützt. Etwas später waren sowohl die örtlichen Feuerwehr- als auch die Polizeikräfte aufgrund der laufenden Evakuierungen in den umliegenden Ortschaften beschäftigt. Die Rettungskräfte waren also bereits komplett ausgelastet, wenn nicht überlastet.
In der Nähe der Brücke befanden sich aber noch etliche Personen – darunter eine hochschwangere Frau. Diese kam, wahrscheinlich, weil ich Uniform trug, direkt auf mich zu. Sie war ängstlich und besorgt, wirkte aber zugleich gefasst. Sie sagte, dass sie ihr Kind ungern hier zur Welt bringen möchte. Die Worte der Frau gaben mir den entscheidenden Impuls und sind mir stark in Erinnerung geblieben.

Und was geschah dann?

Ich hatte bereits versucht, einzelne Personen etwas zu koordinieren. Doch in dem Moment als ich die Worte der Frau hörte, blickte ich um mich und realisierte, wie viele Personen sich eigentlich um mich herum befanden. Ich wurde aktiv und sammelte die auf der Brücke befindlichen Personen am Ortsschild in Blessem. Nach Aussagen der Personen, die hier wohnten und sich auskannten, war dies der höchste Punkt, der schnell zu erreichen war. Danach erkundete ich zu Fuß Möglichkeiten der weiteren Evakuierung in der näheren Umgebung. Dabei sah ich, dass die Erft weiter überlief und die Häuser nahe des Ufers akut vom Wasser bedroht waren. Ich bat Feuerwehrleute, die vereinzelt in Feuerwehrfahrzeugen vorbeifuhren, Personen, wie etwa die schwangere Frau, mitzunehmen. Auf meinem Weg begegneten mir immer wieder Passanten, die mich auf Personen hinwiesen, die Hilfe benötigten: das waren Personen mit Rollatoren, Personen mit Sauerstoffgeräten, Bettlägrige und körperlich benachteiligte Personen. Sie beschrieben mir dann deren Aufenthaltsort. Ich schrieb mir die jeweiligen Hausnummern auf, sammelte Informationen, klopfte selbst an Haustüren, um mein Bild zu vervollständigen. Ich wollte wissen: Wieviele sind da? Wer ist da? Wo wird Hilfe gebraucht?

Bei den Adressen angekommen, gab ich den Bewohnern und Bewohnerinnen klare Anweisung, dass eine erste Tasche gepackt werden soll, mit den wichtigsten Medikamenten und Unterlagen, wie etwa Ausweisen; sowie eine weitere Tasche mit persönlichem Bedarf, weiterer Kleidung und auch eine dritte Tasche mit nicht lebensnotwendigen, aber persönlich bedeutsamen Dingen. Den Kindern sagte ich, sie sollten SOS-Schilder malen. Bei den Erwachsenen regte ich an, Kerzen, Dosenessen, Taschenlampen, Warnwesten, Decken und die Taschen soweit möglich oben im Haus für die Nacht zusammenzutragen. Mein Vater war bei der Freiwilligen Feuerwehr, deswegen war ich schon auf eine gewisse Art und Weise vorgeprägt  und wusste, was getan werden muss und kann.

Dann wurde es Abend. Wie ging es weiter?

Gegen 18:00 Uhr kam die Pulheimer Feuerwehr in die Ortschaft. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete ich mit der Feuerwehr eng zusammen und übergab ihnen die von mir zusammengetragenen Informationen. Ein Ortskundiger leitete die Feuerwehr durch den bereits größtenteils überschwemmten Ort. Er zu Fuß, die Feuerwehr und ich im geländegängigen Fahrzeug hinterher. Der Mann wusste ganz genau, welche Hindernisse und Hemmnisse, wie etwa Poller und Pfosten, durch die Wassermassen verdeckt waren und so zu Gefahr werden konnten. Wir sind dann die ganzen Häuser auf meiner Liste abgefahren und haben Leute aufgenommen – immer so lange, bis der Bus voll besetzt war.

Dann bin ich ausgestiegen und die Feuerwehr hat die Leute zu Sammelstellen und Aufnahmepunkten außerhalb der Ortschaft gebracht, an denen sie sicher waren. Ich bin währenddessen wieder zu dem ursprünglichen Sammelplatz am Ortseingangsschild gelaufen. Dort befanden sich immer noch Leute, die ausharrten und die ich mit den neuesten Informationen versorgte, zum Beispiel, dass jetzt ein Fahrzeug vor Ort war, mit denen Personen an weiter entfernte Sammelplätze gebracht werden konnten. Dieser Ablauf – Personen aufnehmen, an sichere Orte bringen, die Leute am Ortseingangsschild informieren – wiederholte sich viele Male. Parallel holte ich über Stunden telefonisch bei meinem Lebenspartner und direkt von Anwohnern weitere Informationen über die aktuelle Lageentwicklung ein.

Und sie haben noch weiteren Personen geholfen?

Auf einem meiner Kontrollgänge bat mich ein Anwohner um Hilfe bei der Rettung einer an Demenz erkrankten, älteren Dame. Diese konnte sich zu dem Zeitpunkt nicht klar artikulieren und war nicht mehr in der Lage, sich selbst an einen sicheren Ort zu bringen. Da die Rolladen in ihrem Haus teilweise zugezogen waren und sich auch nicht öffnen ließen, packten wir bei völliger Dunkelheit ihre Medikamente und die wichtigsten Sachen zusammen. Dann trugen wir sie zusammen durch das nun bereits hüfthoch angestiegene Wasser und haben sie dann an die Besatzung eines vorbeifahrenden Feuerwehrwagens übergeben. Die Zeit verging wie im Fluge. Auf einmal war es Mitternacht.

Was haben Sie in diesem Moment gedacht?

Ehrlich gesagt, in dem Moment habe ich einfach instinktiv gehandelt. „Jetzt bin ich hier, jetzt mache ich etwas“, das habe ich gedacht und in die Tat umgesetzt.

Was passierte im weiteren Verlauf?

Als das Wasser noch weiter stieg, habe auch ich, zusammen mit den verbliebenen Rettungskräften, das Überschwemmungsgebiet verlassen. Ich ging nicht zu einer Sammelstelle für Evakuierte, sondern zu einem Ort, an dem sich die verschiedenen Rettungskräfte sammelten. Dieser war wiederum auf einer Brücke. Im weiteren Verlauf der Nacht unterstützte ich dort die Rettungskräfte bis in die Morgenstunden bei der Erstversorgung. Unsere Fragen waren immer die gleichen: Wer sind Sie? Wo wohnen Sie? Wann sind sie geboren? Waren Sie im Wasser? Wie lange waren Sie im Wasser? Waren sie unter Wasser? Die Vitalwerte der Personen wurden durch einen Arzt erhoben und dokumentiert.

Gegen acht Uhr – nachdem ich über 24 Stunden in Aktion gewesen bin – waren auch meine Kräfte aufgebraucht. Mit einem Feuerwehrwagen wurden ich und andere zu einer Feuerwehrwache gebracht, wo mich mein Lebenspartner abholte – müde, fertig und mitgenommen.

Sie wurden mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?

Ich war überrascht. Ich bin keine Person, die mit Erlebnissen hausieren geht. Ich habe in dieser Situation gehandelt – einfach gehandelt. Vieles von dem Erlebten realisiere ich erst jetzt, da ich bei der Verleihung vom Inspekteur angehalten wurde, eben das Erlebte zu Papier zu bringen, für mich. Zu vielen der Personen, denen ich half oder die mir geholfen haben zu helfen, habe ich bis heute Kontakt. Ihnen allen geht es gut – und das ist für mich das Entscheidende und Wichtigste.

Brigadegeneral Webert begleitete Frau Hauptfeldwebel Monzel zur Verleihung in Bonn.

Brigadegeneral Webert begleitete Frau Hauptfeldwebel Monzel zur Verleihung in Bonn

Bundeswehr/PIZ CIR


von Franziska Hesse  E-Mail schreiben

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