Sanitätsdienst

Ein Leuchtturmprojekt als Brücke zwischen NATO und EU

Ein Leuchtturmprojekt als Brücke zwischen NATO und EU

  • Multinationalität
  • Multinational Medical Coordination Centre
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
3 MIN

Generalarzt Dr. Stefan Kowitz steht vor dem EU-Parlament Rede und Antwort für das European Medical Command als eines der ersten PESCOPermanent Structured Cooperation-Projekte (Permanent Structured Cooperation).

Dr. Kowitz im Feldanzug, ein Mann Ende 50, Grau-Blonde Haare, Seitenscheitel, Brillenträgerer

Generalarzt Dr. Stefan Kowitz, hier während der Übung Resilent Response 2020, informierte den Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung des EU-Parlamentes über den Aufbau des Multinational Medical Coordination Centre/ European Medical Command

Bundeswehr/Markus Dittrich

Am 25. Februar 2021 trug der Direktor des Multinational Medical Coordination Centre/ European Medical Command (MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command), Generalarzt Dr. Stefan Kowitz, vor dem Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung des EU-Parlamentes zum Aufbau dieser neuen multinationalen Dienststelle vor. Er erläuterte die Ursprünge der aus NATO und EU Initiativen hervorgegangenen Dienststelle, für die der Deutsche Sanitätsdienst die Rahmennation stellt. Ein Projekt davon ist die sogenannte Strukturierte Zusammenarbeit (PESCOPermanent Structured Cooperation) - mit dem European Medical Command. PESCOPermanent Structured Cooperation ist eine der wichtigsten Verteidigungsinitiativen der EU, weshalb die Abgeordneten des Europäischen Parlamentes interessiert waren, einen Überblick über die Entwicklung und Fortschritte des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command sowie die Integration des PESCOPermanent Structured Cooperation Projektes in das MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command zu gewinnen. Die Aufgabe des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command ist es, die Sanitätsdienste in der NATO und der EU zu unterstützen. Die Erfahrungen bei der Bewältigung von Großschadensereignissen, der Ebola-Krise und der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie haben gezeigt, dass die Abhängigkeiten zwischen gesundheitlichem Bevölkerungsschutz und äußerer sowie innerer Sicherheit immer größer werden.

Multinationales Netzwerk als Drehpunkt für Expertise

„In unserer einzigartigen Position bauen wir als MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command Brücken zwischen zivilem und militärischem medizinischen Sachverstand und Stakeholdern von NATO, EU sowie deren Nationen und Institutionen auf. Wir sind ein koordinierendes Gremium für militärisch-zivile medizinische Interoperabilität und sanitätsdienstliche Einsatzbereitschaft“, skizzierte der Direktor des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command den Kernauftrag. Wie die aktuelle COVID-19Coronavirus Disease 2019 Krise zeigt, stellen die militärischen Sanitätsdienste einen wichtigen Beitrag bei der Bewältigung der Pandemie, wirken aber als sogenannte letzte Reserve neben den zivilen Hauptkräften. Für die Zusammenarbeit und den Aufbau eines zivil- militärischen, multinationalen medizinischen Netzwerkes ist ein wesentlicher Faktor, dass Konzepte, Beschaffungen, Bevorratung und Katastrophen-Übungen zwischen den zivilen als auch den militärischen Sanitätsdiensten und -kräften, wo möglich und sinnvoll, harmonisiert werden oder sich komplementär ergänzen. Damit erreicht man eine Verbesserung der gemeinsamen multinationalen medizinischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Generalarzt Dr. Kowitz nannte in diesem Zusammenhang DG ECHO (Directorate-General European Civil Protection and Humanitarian Aid Operations) und DG SANTE (Directorate-General for Health and Food Safety) als Institutionen der EU und wichtige Ansprechpartner für die gemeinsame Entwicklung zukünftiger ganzheitlicher Konzepte.

Reale Erfolge während des Aufbaus

In seinem Vortrag konnte er auch schon über die ersten Erfolge berichten. So wurde ein Bevorratungskonzept für die NATO entwickelt, das anschließend zu einem modulartigen Konzept („M3-EPS“) weiterentwickelt wurde, um mit diesen Modulen Sanitätseinrichtungen zu verstärken. Ziel ist es, auf Epidemie- oder Pandemielagen schneller und effektiver vorbereitet zu sein, z.B. durch Verstärkung von Intensivkapazitäten. Das Prinzip eines solchen Verstärkungselementes für Intensivstationen kam für die bilaterale Unterstützung der Bundeswehr in Portugal zur Anwendung.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die am MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command durchgeführten Übungen (Wargaming). Das MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command hat in Zusammenarbeit mit dem European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats (Hybrid CoE) und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vom 23. bis 27. November 2020 ein Wargaming mit pandemischem Schwerpunkt („Resilient Response 2020“) in Koblenz durchgeführt. Die Übung Resilient Response 2020 bot die Möglichkeit Entscheidungsprozesse, die sich im Rahmen der verschiedenen Phasen einer Pandemie entwickeln und notwendig werden, zu trainieren.

Funktionalität, Interoperabilität und Effizienz verbessern

Zentrales Element der Arbeit des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command ist die Entwicklung eines sanitätsdienstlichen Lagebildes für Europa, Erhöhung der Interoperabilität durch weitere Harmonisierung nationaler medizinischer Standards. Hierbei unterstützen die schon vorhandenen medizinischen Standards in der EU die Arbeit wesentlich.

Ein wichtiger Höhepunkt der Arbeit des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command in diesem Jahr ist ein virtuelles Expertentreffen Ende Mai zum Thema der Nutzung von Biosensoren und Telemedizin im Rahmen der sanitätsdienstlichen Versorgung. Das MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command bietet sich an, nationale und internationale Experten zusammenzuführen und zur Bündelung der vielfältigen Aktivitäten beizutragen. Zusätzlich sollen im Rahmen dieses Workshops mögliche ethische Fragestellungen und Anforderungen der Medizingeräteverordnung bei Nutzung dieser Technik analysiert werden.

von Dr. Stefan Kowitz

Weitere Informationen