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Studie: Hunde erschnüffeln COVID-19Coronavirus Disease 2019-Infektionen

Studie: Hunde erschnüffeln COVID-19Coronavirus Disease 2019-Infektionen

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Ort:
Hannover
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In einem Feldversuch wurden Diensthunde der Bundeswehr eingesetzt, um Covid-19-Infektionen zu erkennen. Dafür mussten die Probanden Geruchsproben aus der Armbeuge abgeben. Die Hunde erschnüffelten anschließend, ob die Besucher mit Coronaviren infiziert sind. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt.

Können speziell ausgebildete Hunde Covid-19-Infektionen erkennen? Das erforscht die Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Eine schnelle Auswertung von Geruchsproben könnte eine wertvolle Hilfe bei der Eindämmung der Pandemie sein.

Diensthundeführer mit Diensthund beim erschnüffeln von Geruchsproben

Diensthunde wie Mago können zuverlässig COVID-19Coronavirus Disease 2019-Infektionen erschnüffeln

Bundeswehr/Anna Derr

Studien zeigen, dass speziell ausgebildete Hunde Gerüche, die durch eine Infektion ausgelöst werden, wahrnehmen und anzeigen können. So werden die trainierten Tiere bereits beim Aufspüren von Erkrankungen wie Krebs, Malaria und Diabetes mellitus eingesetzt. Im Rahmen eines Sonderforschungsvorhabens des Sanitätsdienstes der Bundeswehr untersucht die Schule für Diensthundewesen in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover daher, ob dieses Screening auch auf organische Komponenten, die durch das Eindringen des Virus in die Zelle freigesetzt werden, anwendbar ist. Diese kann der ausgebildete Hund durch seine Nase aufnehmen und identifizieren. „Es ist also nicht das Virus selbst, das der Hund riecht, sondern kleine, flüchtige Moleküle, die bei der Infektion freigesetzt werden“, erklärt Oberstveterinär Dr. Christiane Ernst aus dem Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, die das Studiendesign gemeinsam mit Oberstabsveterinär Dr. Esther Schalke von der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr erarbeitet hat und das Projekt seitens des Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr wissenschaftlich betreut.

Pilotstudie zeigt positive Ergebnisse

Behälter mit Geruchsproben von Konzertbesuchern für den Feldversuch mit Spürhunden

Spezielle Membranen in den Deckeln der Gefäße lassen zwar Duftstoffe, aber keine Viren hindurch

Bundeswehr/Anna Derr

In einer Pilotstudie wurden die Diensthunde bereits im Frühjahr 2020 darauf konditioniert, den Geruch von Speichelproben von infizierten und nicht infizierten Menschen zu unterscheiden und anzuzeigen. Bei den virushaltigen Proben handelte es sich um inaktives, nicht infektiöses Material – es besteht also keine Gefahr der Ansteckung. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Über 90 Prozent der Proben wurden von den Vierbeinern richtig erkannt.

In der diesjährigen Hauptstudie wurde das gleiche Verfahren mit nicht inaktivierten Proben getestet. Die Umsetzung ist jedoch aufwendiger gewesen, da das nicht inaktivierte Virus durchaus ein Risiko für den Hund und den Diensthundeführer darstellen kann. Die Lösung ist der Einsatz von Membran-Gefäßen, die zwar die flüchtigen organischen Komponenten, aber keine Viren durchlassen. Es bestand also keine Gefahr für das Diensthundeteam. Und auch bei der zweiten Durchführung zeigte sich, dass der Hund ebenso Erfolg hatte, die positiven Proben anzuzeigen.

Von der Theorie in die Praxis: Das Screening im Alltag

Menschen feiern auf einem Konzert.

Die Besucher des Alle-Farben-Konzerts in Hannover konnten ausgelassen feiern, denn es wurden keine infizierten Personen identifiziert

Bundeswehr/Anna Derr

Um ein solches Screening im Alltag praktikabler umsetzen zu können, untersuchte die Hauptstudie zudem, ob sich das Verfahren auch bei Schweißproben anwenden lässt. „Jeder, der selbst einmal einen Rachen- oder Nasentupfer zur Corona-Diagnostik abgegeben hat, weiß, dass das unangenehm ist – und wir wissen, dass die Qualität eines Testergebnisses auch von der Qualität der Probennahme abhängt“, so Oberstveterinär Dr. Ernst.

Dabei hat dieses Verfahren einen großen Vorteil: Im Schweiß sind, im Gegensatz zum Speichel, keine Viruspartikel enthalten. So ist es bei zukünftigen Großveranstaltungen denkbar, Schweißproben aus der Armbeuge der Besucher oder Poolproben zu nehmen. Bei Letzteren werden zum Beispiel einhundert Proben gesammelt, die dann von einem Hund geprüft werden. Zeigen die Tiere ein positives Ergebnis an, können nochmal einzelne Proben abgespürt werden. Dieses Vorgehen erleichtert nicht nur den Ablauf, sondern beschleunigt ihn auch. Es zeigt sich, dass sich speziell ausgebildete Diensthunde für ein Echtzeit-Schnellscreening eignen, da sie COVID-19Coronavirus Disease 2019-Infektionen zuverlässig erschnüffeln können – und das sogar nur aus dem Schweiß. Wie im Audiobeitrag zu hören, stellten sie das beim Alle-Farben-Konzert in Hannover auch erfolgreich unter Beweis.

von Alicia Frey

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