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Sanitätskräfte trainieren die Patientendekontamination

Sanitätskräfte trainieren die Patientendekontamination

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Datum:
Ort:
Dornstadt
Lesedauer:
3 MIN

Die Gefahren von atomaren, biologischen und chemischen Faktoren sind angesichts der Ukraine-Krise präsent in den Medien. Besonders bei einer Verwundung stellt die Erstbehandlung von kontaminierten Personen eine besondere Herausforderung dar.

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Verwundete Kräfte, die mit radioaktiven, biologischen oder chemischen Kampfstoffen kontaminiert wurden, sind eine besondere Herausforderung. Die einzelnen Phasen einer Behandlung im Bewegtbild.

Notfallsanitäter Robin erwartet seinen nächsten Patienten. Es ist ein verwundeter Soldat mit einer Schussverletzung. Doch die Verwundung an sich beunruhigt Robin nicht. Es sind die verätzten Arme und die blutige Hose des Soldaten, die ihn besorgen. Feiner Schweiß läuft dem Notfallsanitäter über seinen Körper und klebt mit dem Schutzanzug zusammen. Das Atmen fällt ihm unter Maske schwer und in seiner eingeschränkten Sicht darf er nichts übersehen. Seit zwei Stunden stabilisiert er unter der Hitze des Zeltes kontaminierte Patienten, um diese für die Trocken- und Nassdekontamination vorzubereiten. Sein Ziel ist es, dass der Patient die Prozedur überlebt.

Sanitätssoldatinnen und Soldaten betreiben während des Lehrgangs „Helfer ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr“ eine landgestützte Patientendekontaminationseinrichtung. „In einem Gefecht könnten unter Umständen kontaminierte Verwundete anstehen, weil ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Kampfmittel zum Einsatz gekommen sind. Um hier radioaktive Partikel, restliche biologische oder chemische Kampfstoffe abzuwaschen, wird diese Einrichtung aufgebaut und betrieben.“, so Ausbildungsleiter Hauptmann Christian Springer. Diese Einrichtung ermöglicht die Entfernung von radioaktiven, biologischen und chemischen Kampfstoffen und ermöglicht auch eine stabilisierende sanitätsdienstliche Versorgung. Erst danach erfolgt der Transport in ein Rettungszentrum, Krankenhaus oder ein Feldlazarett.

Die Stationen der Dekontaminationseinrichtung

Ein großes dunkel grünes Zelt auf einem Kiesplatz.

In der landgestützten Patientendekontaminationseinrichtung können kontaminierte Patienten behandelt und dekontaminiert werden

Bundeswehr/André Werkmeister

Der erste und wichtigste Schritt sei die Triage. Dort wird entschieden, welche Patienten die größten Chancen hätten, den Weg durch die „Waschstraße“ trotz ihrer Verletzungen zu überleben. „Das ist besonders entscheidend, weil gerade am Anfang schon der Grundstein gelegt wird, wie am Ende die Versorgung des Patienten ausgeht.“, erklärt Oberstabsarzt Jasper Wendtland. In Szenaren mit Verdacht auf atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen werden die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte so schnell wie möglich Aufklärungsteams zur Identifizierung des Kampfstoffes und des kontaminierten Areals einsetzen. Diese wichtigen Informationen werden vorab für die medizinische Behandlung der Kontaminierten benötigt, da hiervon auch die optimale Versorgung der Patienten abhängt.

Nach der Sichtung wird der Verwundete zur ersten Station, der sogenannten Stabilisierung, gebracht. Hier erfolgt die erste medizinische Versorgung, bevor für die Patientin bzw. der Patient die Dekontamination beginnt. Es wird behandelt nach dem Motto „Treat first, what kills first“ (Behandle zuerst das, was zuerst tötet). „Wenn die Kameraden in ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzausstattung angeliefert werden, kann man sich vorstellen, dass es wirklich nur wenige Möglichkeiten gibt, hier diagnostisch vorzugehen.“, erklärt Springer. „Der Patient hat die Maske auf, die Handschuhe an, man sieht nicht wirklich, was er hat.“ Unter Umständen müssten hier zusätzliche Bereiche freilegt werden, um einen Zugang zu legen beziehungsweise ein Fingerclip-Pulsoxymeter anbringen zu können. Sobald er stabilisiert ist, wird er an die Trockendekontamination, hier die Stationen „Schneiden 1 und 2“, übergeben. Dort wird er mit einem speziellen Verfahren in zwei Schritten von den kontaminierten Kleiderschichten befreit. Zusätzlich werden die freigelegten Wunden nochmals versorgt sowie vor dem „Waschen“ luftdicht verpackt. Direkt vor der Übergabe wird die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzmaske abgenommen. Im letzten Schritt erfolgt die Nassdekontamination.

Hier wird der Patient mit einem Seifenschaum behandelt und anschließend gründlich abgespült und abgetrocknet. Die Seife löst die noch vorhandene Kontamination und das Klarspülen entfernt die gelösten Reste. Anschließend wird der Patient für den Abtransport in die nächste Behandlungseinrichtung vorbereitet. Besonders wichtig ist hier der Wärmeerhalt, da trotz der hohen Temperaturen in der Einrichtung von rund 30 Grad Celsius die Körpertemperatur des unbekleideten Patienten stark abnimmt.

Besondere Belastung für das Personal

 „Jede Minute, die man länger unter Vollschutz arbeitet, ist eine Belastung für den Körper. Man schwitzt sehr viel, man verliert eine Menge Flüssigkeit“, so Oberstabsarzt Wendtland. Dazu kämen noch starke psychische Belastungen, wie die schweren Verletzungsmuster, die das Team sähe. Diese Faktoren beeinflussen einen und stelle so eine große Herausforderung an alle Beteiligten dar. Hauptmann Springer zeigt sich zufrieden: „Da wir diese Abläufe und Verfahren nicht ständig üben, braucht man natürlich eine gewisse Zeit, um wieder reinzukommen.“ Man merke aber, sobald das Team zwei Tage geübt habe, dass die Abläufe und das Handling vollumfänglich wieder präsent seien. Und der Kompanieeinsatzoffizier vom Sanitätsregiment 3 bewerte, dass die Einrichtung sowie das Personal für den Einsatz bereit seien.

von Minh Vu 

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