Streitkräftebasis

Gemeinsame Logistik für gemeinsame Operationen

Gemeinsame Logistik für gemeinsame Operationen

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Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
4 MIN

Im Wilhelmshavener Gorch-Fock-Haus wurde kürzlich ein Meilenstein gelegt: Ein logistisches Koordinierungselement der Streitkräftebasis unterstützt fortan multinationale Operationen.

Joint Coodination Centre: Vier Personen vor dem Gorch-Forck-Haus in Wilhelmshaven.

Bundestagsabgeordnete Möller (v.li.), Brigadegeneral Frauenhoff und Oberstleutnant Koch, Leiter des Joint Coodination Centre mit Oberbürgermeister Feist.

Bundeswehr/Nicole Middeldorf

„Permanent Structured Cooperation“, kurz: PESCOPermanent Structured Cooperation, steht für die ständige strukturierte Zusammenarbeit von 25 EUEuropäische Union-Mitgliedsstaaten im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVPGemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik). Diese Kooperation umfasst derzeit unter anderem 46 aktive Einzelprojekte, darunter das PESCOPermanent Structured Cooperation-Projekt zur Schaffung eines Netzwerkes europäischer logistischer Knotenpunkte, sogenannter LogHubs. Das Projekt mit dem Namen „Network of Logistic Hubs in Europe and Support to Operations“ wurde im März 2018 ins Leben gerufen und ist mittlerweile – bezogen auf die Zahl der Teilnehmerstaaten – das zweitgrößte PESCOPermanent Structured Cooperation-Projekt. Deutschland, Frankreich und Zypern koordinieren dieses Projekt gemeinsam. Darüber hinaus gibt es zwölf weitere Projektmitglieder sowie vier Beobachterländer.

Koordinierungsstelle in Wilhelmshaven als Vorreiter

Das Projektwappen des JCC wird von Brigadegeneral Frauenhoff (li.) an Oberstleutnant Koch überreicht.

Übergabe Projektwappen des JCC von Brigadegeneral Frauenhoff (li.) an Oberstleutnant Koch.

Bundeswehr /Nicole Middeldorf

Die volle Einsatzfähigkeit des Joint Coordination Centre, kurz: JCC, ist nun gegeben. Das JCC wurde zum 1. Oktober 2018 als Teil des Logistikzentrums der Bundeswehr neu aufgestellt. Hierbei handelt es sich um ein Koordinierungselement der Streitkräftebasis, das multinational auf europäischer Ebene agiert. Auftrag des sechsköpfigen Teams ist die Unterstützung beim Aufbau und Betrieb eines robusten europaweiten Netzwerkes von militärischen logistischen Knotenpunkten. Es dient der gemeinsamen, zentralen Vorausstationierung, Lagerhaltung, Vorbereitung und Verlegung von Material und Personal. Hierfür steht das JCC in Wilhelmshaven als erste Ansprechstelle allen anderen EUEuropäische Union-Partnernationen zur Verfügung.

Kommandeur des Logistikzentrums der Bundeswehr lädt ein

Brigadegeneral Klaus Frauenhoff, Kommandeur des Logistikzentrums der Bundeswehr, konnte zahlreiche Gäste, wie Herrn Oberbürgermeister Carsten Feist und Frau Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller begrüßen. Darüber hinaus waren weitere Bundeswehrangehörige, Medienvertreter und virtuell zugeschaltete Netzwerkpartner aus ganz Europa anwesend. In seiner Rede skizzierte er die bisherigen Berührungspunkte mit dem Projekt. Sein Ziel sei es seit jeher, aus einer reinen Projektidee eine fest etablierte europäische Routine werden zu lassen – von Anfang bis Ende einer militärischen Operation, so Brigadegeneral Frauenhoff.

Berührungspunkte Brigadegeneral Klaus Frauenhoff mit „PESCOPermanent Structured Cooperation“:
2016 als Chef des Stabes im Logistikkommando der Bundeswehr, Erfurt
2018 als Referatsleiter im BMVgBundesministerium der Verteidigung (Multinationale Verteidigungs-planung NATONorth Atlantic Treaty Organization, EUEuropäische Union), Bonn
2019 als Kommandeur des Logistikzentrums der Bundeswehr, Wilhelmshaven

Funktionsweise und Chancen des Logistiknetzwerkes

Alle 15 bisher am Netzwerkprojekt beteiligten EUEuropäische Union-Staaten bringen sich zukünftig im Rahmen zugesicherter Leistungen und festgelegter Einrichtungen ein. Sie leisten einen Beitrag zu Transport, Lagerung, Umschlag sowie Instandhaltung bis hin zur Vorausstationierung von Material. Ein Beispiel ist der deutsche LogHub, eine logistische Einrichtung des Bundeswehrdepots Süd im hessischen Pfungstadt. Dieser bietet den internationalen Partnern seit 2020 Umschlag- und Transportleistungen in Einsatzgebiete und Übungsräume. Bis Ende 2024 werden zudem weitere Möglichkeiten wie Zwischenlagerung, Vorausstationierung und werterhaltende Lagerung angeboten.
Bei Meldung eines Materialbedarfes für eine militärische Operation im multinationalen europäischen Rahmen, wird das benötigte Material der verschiedenen Länder in einem oder mehreren LogHubs zusammengeführt. Von dort aus wird es zeitgerecht bereitgestellt und gebündelt bedarfsgerecht an den Zielort gebracht. Dies dient insbesondere einer verbesserten Effizienz und der Verkürzung von Reaktionszeiten. So wird die Handlungsfähigkeit der EUEuropäische Union und der europäische Pfeiler in der NATONorth Atlantic Treaty Organization gestärkt, da Entscheidungen, aufgrund der Harmonisierung und Standardisierung logistischer Unterstützungsleistungen, effektiver und schneller umgesetzt werden können. Damit trägt die Logistik wesentlich zur Stärkung der GSVPGemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EUEuropäische Union bei.

Gast und Festredner würdigen bisherige Erfolge

Neben Brigadegeneral Frauenhoff wandten sich auch Oberbürgermeister Feist sowie Oberstleutnant Heiligers, zugeschalteter Repräsentant der niederländischen Streitkräfte, an das Plenum. Während Herr Feist vor allem die Bedeutung des Bundeswehrstandortes Wilhelmshaven für die Stadt selbst herausstellte, nutzte Oberstleutnant Heiligers die Gelegenheit, das JCC und die Zusammenarbeit mit selbigem vorzustellen und die bisherigen Leistungen zu würdigen: „Das JCC organisiert multinationale Workshops, koordiniert und wertet Anwendungen und Testläufe aus. Darüber hinaus macht es digitale Lösungen für alle beteiligten Länder zugänglich. Die bisherigen Anwendungsfälle im Rahmen von enhanced Forward Presence und dem Air Policing im Baltikum unterstreichen Mehrwert und Potenzial für die Zukunft.“
Festrednerin Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller betonte besonders, dass den wachsenden logistischen Herausforderungen der Zukunft mit gemeinsam nutzbaren Kapazitäten und Verfahren noch besser begegnet werden könne. Dabei hob sie den Aspekt der Military Mobility besonders hervor. Alle Beteiligten unterstrichen, dass LogHubs für eine EUEuropäische Union-weite Zusammenarbeit stehen. Es sei sehr gut, dass wir dieses Element hier in Wilhelmshaven haben. Damit gehe eine Aufwertung des Standortes einher. Neben einer starken Marine wird die leistungsfähige Logistik hier an der Nordsee in europäischer Perspektive gestärkt. Die feierliche Übergabe des Projektwappens von Brigadegeneral Frauenhoff an Oberstleutnant Koch, dem Leiter des JCC, vor anwesenden und technisch zugeschalteten Gästen aus 15 Ländern bildete den Abschluss dieser besonderen Feierlichkeit.

von Klaus Frauenhoff  E-Mail schreiben

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