Streitkräfte im Erdorbit

Bundeswehr und Weltraum

Seit dem Start des sowjetischen Satelliten Sputnik 1957 war klar, dass der Weltraum neue Perspektiven eröffnet – sowohl in der zivilen als auch in der militärischen Nutzung. Seit über einem Jahrzehnt steigert auch die Bundeswehr ihr Engagement in dieser Dimension kontinuierlich. Einen facettenreichen Überblick zum Themenkomplex erhalten Sie hier.

Zwei Radaranlagen mit riesigen Satellitenschüssel von unten fotografiert vor einem Sternenhimmel.

Deutschland braucht den Weltraum. Beispielsweise für Navigation, die Steuerung von Verkehrssystemen und Finanztransaktionen, den Transport zu Lande, zu Wasser und in der Luft sowie für Mobilfunknetze, Stromversorgung und Wettervorhersage. All das basiert auf weltraumgestützten Systemen wie Kommunikationssatelliten, Erdbeobachtungssatelliten sowie Satelliten, die hochpräzise Zeitsignale bereitstellen. 

Wenn zentrale Infrastrukturen am Boden ausfielen, die Lichter ausgingen und an Bankautomaten kein Geld mehr abgehoben werden könnte, würde für jedermann spürbar, wie sehr Deutschland inzwischen in nahezu allen Lebensbereichen auf die uneingeschränkte und sichere Nutzung weltraumbasierter Technologie angewiesen ist. Den Ausfall dieser kritischen Infrastruktur gilt es daher, um jeden Preis zu verhindern: sowohl im Interesse Deutschlands selbst als auch seiner Bündnispartner in der NATO und der Europäischen Union.

Im Gespräch

Gesellschaft und Wirtschaft Deutschlands sind digital und global vernetzt. Deshalb bleiben die freie und ungehinderte Nutzung des Weltraums und ein friedliches Miteinander im Weltraum zentrale Anliegen der Bundesregierung. Noch fehlen internationale, allgemein anerkannte Normen für ein verantwortungsvolles Verhalten im All. Weltraumsysteme sind dabei bereits zum jetzigen Zeitpunkt zunehmend Risiken und Bedrohungen ausgesetzt. 

Zum einen durch eine erhöhte Kollisionsgefahr wegen der stetig wachsenden Anzahl an Satelliten und Weltraumschrott, der beispielsweise aus ausgebrannten Raketenstufen und Satellitenfragmenten besteht. Zum anderen ergeben sich Probleme durch das Verhalten einiger Staaten: So haben Entwicklung und Tests sogenannter Antisatelliten-Fähigkeiten in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Mehrere Nationen haben dabei gezeigt, dass sie weltraumgestützte Infrastrukturen bedrohen, stören und bekämpfen können. 

Nutzung

Mit dem im Juli 2021 in Dienst gestellten Weltraumkommando der Bundeswehr wird Deutschlands Handlungsfähigkeit im Weltraum deutlich gestärkt. Das Kommando bündelt Aufgaben im Bereich der militärischen Weltraumnutzung wie die Planung und Führung von Weltraumoperationen, die dem koordinierten Einsatz, Schutz und zur Verteidigung der Weltraumsysteme der Bundeswehr dienen. 

Wesentlicher Bestandteil des Weltraumkommandos ist das Weltraumlagezentrum in Uedem am Niederrhein, das auch als zentrale Ansprechstelle der Bundesregierung für dieses spezielle Feld dient. Da zivile und militärische Interessen im Weltraum gleichermaßen betroffen sind, betreiben die Luftwaffe und das Raumfahrtmanagement im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt es ressortgemeinsam. In ihm ergänzen sich zivile und militärische Fähigkeiten und Beiträge bei der Erstellung eines Lagebildes, das zeigt, was im Weltraum vor sich geht.

  • Die Grafik zeigt, wieviel Schrott im Orbit der Erde unterwegs ist. Das ASOC wird diesen Schrott zukünftig beobachten.
    Weltraum

    Das Weltraumkommando der Bundeswehr

    Der Weltraum ist neben Land, Luft, See und dem Cyber- und Informationsraum eine neue militärische Dimension, deren Relevanz stetig zunimmt.

    • Bundeswehr
    • Luftwaffe
    • Uedem
  • Verbandsabzeichen des Weltraumlagezentrum an einer Uniform
    Weltraum

    Das Weltraumlagezentrum der Bundeswehr

    Das Weltraumlagezentrum beobachtet und überwacht Objekte im erdnahen Orbit, um kritische Weltrauminfrastruktur zu schützen.

    • Bundeswehr
    • Luftwaffe
    • Uedem

Satellitenstart

Beide Einrichtungen sind eine klare Reaktion auf die steigenden Anforderungen und Bedrohungen in einer Dimension, die strategisch immer wichtiger wird. Bereits 2019 hatte die NATO daher den Weltraum zum Operationsfeld erklärt. 2022 folgte mit der NATO Overarching Space Policy ein entsprechendes Strategiepapier. Auch im strategischen Kompass der EU ist der Weltraum erwähnt. In den Konzepten spielen Satelliten eine wesentliche Rolle.

Bereits jetzt ist die Bundeswehr von ihnen in vielfacher Weise abhängig. Denn fast alle Teile der Streitkräfte nutzen weltraumgestützte Daten, Dienste und Produkte: von der Navigation über Satellitenkommunikation bis hin zur Erstellung von Gelände- und Höhenmodellen für Karten. Auch lassen sich militärische Stützpunkte und Operationen aus dem Weltall mühelos aufklären und beobachten. In enger Zusammenarbeit mit dem Kommando Cyber- und Informationsraum ist es daher eine wesentliche Aufgabe des Weltraumkommandos, die ständige Verfügbarkeit dieser Dienste und Produkte sicherzustellen.

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Die Handlungs- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner Verbündeten steht und fällt mit verlässlichen, kontinuierlichen Datenflüssen sowie Kommunikation, Navigation und Frühwarnung. Unter dem Aspekt Führung für die Dimension Weltraum aus einer Hand werden alle relevanten Aktivitäten der Weltraumnutzung der Bundeswehr daher als Dauereinsatzaufgabe begriffen: Lagebilderstellung, Einsatzunterstützung aus dem All und die Planung und Führung von Weltraumoperationen sowie Betrieb der Weltraumsysteme der Bundeswehr. 

Weltraumoperationen dienen dem Einsatz, dem Schutz und der Verteidigung eigener Systeme sowie zur Einschränkung gegnerischer Weltraumnutzung im Falle von Konflikten. Dies alles ist Bestandteil der Landes- und Bündnisverteidigung. Dabei setzt sich Deutschland dafür ein, dass die militärische Nutzung im Einklang mit der friedlichen und nachhaltigen Nutzung des globalen Gemeinschaftsgutes Weltraum steht. An den Universitäten der Bundeswehr wird an Projekten geforscht, die die Möglichkeiten und Bedrohungen der Weltraumnutzung sowohl militärisch als auch zivil wissenschaftlich aufdecken.

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