Einfach sicherer: Der neue geschützte Mobilkran der Bundeswehr

Einfach sicherer: Der neue geschützte Mobilkran der Bundeswehr

  • Ausrüstung
  • Heer
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
4 MIN

Der neue geschützte Kran der Bundeswehr vom Typ G-LTM 1090 ist ein Verladekran der Extraklasse, mit geschütztem Fahrer- und Kranführerhaus, hoher Geländetauglichkeit und großer Traglast. Und er überzeugt die Heereslogistiker im praktischen Einsatz: Er ist bedienerfreundlich und vor allem sicher.

Aufnahme des Fahrzeugkrans

Gesichert und geschützt: G-LTM 1090, der neue Mobilkran der Bundeswehr

Bundeswehr/Tom Twardy

Übungsende im Lager Trauen auf dem Truppenübungsplatz Munster, Niedersachen. Containerweise wird die Ausrüstung der Panzerbrigade 12 aus Roding verladen. Diese Aufgabe erledigen die Soldaten der zweiten Kompanie des Versorgungsbataillons 4 mit dem neuen Kran der Bundeswehr vom Typ G-LTM 1090 4.2. „Der neue Kran macht das Arbeiten einfach. Wir können viel leichter schwere Lasten heben. Und wenn es nicht passt, weist uns der Computer im Kran darauf hin. Das sorgt für mehr Sicherheit“, erzählt Stabsfeldwebel Erich Lindner, Ausbilder für Fahrzeugkräne im Versorgungsbataillon 4.

Der neue Kran ist einer der ersten von insgesamt 88, die die Bundeswehr bestellt hat. Er ist eine Leihgabe der vierten Kompanie des Logistikbataillons 467 in Volkach an die Kameraden aus Pfreimd. Sie erwarten „ihren“ Kran zum Jahreswechsel, üben aber jetzt schon mal mit dem neuen Gerät. Denn sie sind für die Very High Readiness Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) 2022, die Schnelle Eingreiftruppe der NATO, eingeplant. Bis dahin müssen alle Kranführer auf das neue Gerät geschult sein.

Kabine des Fahrzeugkrans von außen

Gepanzert: Die Kabine für den Kranbediener schützt gegen Sprengladungen

Bundeswehr/Tom Twardy

Kranfahrer und -bediener: Geschützt gegen Sprengsätze

Der neue geschützte Kran überzeugt die Heereslogistiker auf ganzer Linie. Geschützt deshalb, weil die Soldatinnen und Soldaten durch die gepanzerte Fahrerkabine und den gepanzerten Kranbedienerstand vor Bedrohungen durch Beschuss oder Improvised Explosive Devices (IEDImprovised Explosive Device) – also improvisierte Sprengsätze – abgeschirmt sind. Die Panzerung des Kranbedienerstandes zieht eine weitere Besonderheit nach sich: Das Einweisen ist mittels Sichtzeichen nicht mehr möglich. Beim Be- und Entladen kommunizieren Einweiser und Kranführer deswegen über Funk.

Moderne Technik: Einmannbedienung und Ladungssimulation

Doch nicht nur die Sicherheit für die Soldatinnen und Soldaten wurde verbessert. „Die vielen arbeitserleichternden Maßnahmen erhöhen den Bedienkomfort der Maschine zusätzlich“, berichtet Stabsunteroffizier Jakub Kuchar, Kranführer im Versorgungsbataillon 4. So kann der Fahrer den Kran beispielsweise selbstständig abstützen, ohne dabei auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.

„Aber auch die Betriebssicherheit wurde erhöht“, sagt Lindner. Er zählt auf: „Der Kran ist gesichert gegen Umkippen, zeigt dem Fahrer Probleme an, meldet Gefahren und minimiert menschliche Fehler. Sogar während des Kranens bietet er Handlungsalternativen und Verbesserungsvorschläge an wie zum Beispiel die Veränderung des Neigungswinkels.''

Ein besonderes Highlight des neuen Arbeitsgerätes ist die Simulation von Verladungen – schnell und einfach wie bei einem Computerspiel. „Ich gebe an, was für eine Last ich kranen möchte, gehe anschließend in den Computer des Krans rein und simuliere das Ganze“, so Lindner. „Dann sehe ich sofort, was geht und was nicht.“

Ein Soldat sitzt in der Kabine eines Krans

Bedienerfreundlich: Das Computersystem zeigt an, ob der Kran richtig steht

Bundeswehr/Tom Twardy
Bedienelement eines Fahrzeugkrans

Simuliert: Der Kranbediener kann bei hohen Lasten oder wenig Platz den Beladungsvorgang simulieren. Der Computer macht, wenn nötig, Verbesserungsvorschläge wie beispielsweise eine Anpassung des Neigungswinkels.

Bundeswehr/Tom Twardy

In jedem Gelände zu Hause

Ein weiteres Plus ist die Fernbedienung. Mit ihr kann der Kranbediener den Kran zusätzlich von außen steuern. Der Kran nivelliert sich auf Knopfdruck selbstständig, gleicht also Unebenheiten im Boden aus, auf dem er gerade steht. Und auch der Ausleger samt Seilwinde lässt sich bedienen.

Ausgestattet mit fünf verschiedenen Lenkprogrammen kommt der Kran in jedem Gelände zurecht. Besonders der sogenannte Hundegang, bei dem sich der Kran seitwärts bewegt, erleichtert die Arbeit und spart Zeit: Aufwendiges Rangierung und „Umparken“ entfällt. Da alle Räder gemeinsam in eine Richtung lenken, wird zudem die Kippgefahr in steilem Gelände verringert.

Und dank der neuen Klimaanlage kann sich der Fahrer auch bei hohen Außentemperaturen jederzeit vollends auf seine Arbeit konzentrieren. „Vorher haben wir halt die Fenster aufgemacht, wenn es heiß war. So ist das schon viel besser“, freut sich Kuchar.

Ein Fahrzeugkran läd einen Container ab

Flexibel: Ob im engen Raum zwischen Gebäuden oder im freien Gelände, der neue Mobilkran ist überall einsetzbar

Bundeswehr/Tom Twardy

Arbeitsteilung Heben und Bergen

Mit einer maximalen Traglast von 36,6 Tonnen bei einer maximalen Teleskopauslegerlänge von 35,7 Metern ist der Kran ein echtes Kraftpaket. „Der Aufbau eines Lagers oder Containerdorfes im Einsatzgebiet wird jetzt wesentlich schneller gehen, weil wir den Kran nicht mehr so oft umsetzen müssen“, beschreibt Lindner die Einsatzmöglichkeiten.

Was der G-LTM 1090 jedoch nicht mehr kann, ist das Bergen von Fahrzeugen. Er ist als reiner Hebekran ausgelegt. „Das ist der Nachteil. Es handelt sich beinahe vollständig um die zivile Version des Krans, abgesehen von den Änderungen an der Panzerung und dem Fehlen zweier Teleskopstufen, weil diese nicht benötigt werden“, erklärt Lindner. Er ergänzt: „Für uns ist es wichtig, mehr Last heben zu können“.

Das Bergen übernehmen vorerst weiterhin die älteren Kranmodelle des Bataillons: der Fahrzeugkran leicht (FKL) und der Fahrzeugkran mittel (FKM), die sich ebenfalls im Versorgungsbataillon 4 befinden.

Einfach schön

Noch führt der Kran keine eingängige Typbezeichnung wie Büffel oder Bison, wie es bei Bundeswehrgerät meist üblich ist. Doch das wird wohl nicht mehr lange so bleiben. Kranbediener Kuchar freut sich schon jetzt darauf, „seinen“ neuen Kran statt der Leihgabe in Empfang nehmen. „Er ist sicherer, kann mehr und ist komfortabler“, sagt er. „Und außerdem sieht er einfach schön aus.“

von Kevin Masanneck

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