Equal Pay Day: Bei der Bundeswehr zählt die Qualifikation, nicht das Geschlecht

Equal Pay Day: Bei der Bundeswehr zählt die Qualifikation, nicht das Geschlecht

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Diskutieren über Lohnerhöhungen, Konkurrieren mit den Kollegen – das müssen Frauen in der Bundeswehr nicht. Auf dem Gehaltszettel wird zwischen den Geschlechtern kein Unterschied gemacht. Zum Equal Pay Day am 10. März erzählen Quereinsteigerinnen in der Bundeswehr, wo sie die Unterschiede und Vorteile gegenüber der freien Wirtschaft sehen.

Ein Soldatin mit Mund- und Nasenschutzmaske steht vor Soldaten und spricht zu ihnen

Frau Hauptmann verdient genauso viel wie ihr männlicher Kamerad

Bundeswehr/Brian Melzer

20 Jahre arbeitete Frau Oberstleutnant Sandra Uredat als freie Journalistin. Dann entschied sie sich für den Dienst in der Bundeswehr.

Jetzt leitet sie beim Zentrum Informationsarbeit der Bundeswehr das Dezernat Medienmonitoring. Das bedeutet für sie nicht nur gleiche Bezahlung für Frauen und Männer, sondern im Vergleich zu vorher auch, dass sie nun immer ein festes und kein schwankendes Einkommen hat.

Und ein weiterer Vorteil für sie: „Durch die Verbindung von Journalismus und Soldatsein habe ich meinen Traumjob gefunden.“

Soldatin im Porträt
Sandra Uredat, Oberstleutnant
„Ich sehe bei meinem Gegenüber auf der Schulter, was er oder sie verdient. Dabei ist es völlig egal, ob es eine Frau oder ein Mann ist.“

Transparenz und Sicherheit

In der Diskussion um die Gleichbehandlung beim Gehalt biete Bundeswehr einen klaren Vorteil: „Es ist transparent, wer was verdient. Das lässt sich in den Besoldungstabellen nachschauen“, sagt Frau Oberstleutnant Nicole Bender. So müsse man das Gehalt der Kollegen nicht erst erfragen, um zu wissen, wo man steht.

Und Diskussionen über Gehaltserhöhungen seien ebenfalls nicht notwendig. „Man weiß genau, in welche Richtung man sich finanziell überhaupt entwickeln kann. Und dabei sind wir Frauen mit den Männern von vornherein gleichgestellt, wie bei allen anderen Dingen in der Bundeswehr auch“, erläutert sie. Zuvor arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Jetzt ist sie im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr eingesetzt.

Ihre Kollegin, Regierungsoberinspektorin Julia Distelrath, schätzt nicht nur die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Truppe, sondern insbesondere auch die Planungssicherheit. Bevor sie ins Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr kam, hat sie als Projektmanagerin in einem Forschungsinstitut gearbeitet. „Dort hatte ich nur befristete Verträge über drei oder sechs Monate. Jetzt habe ich Sicherheit und feste Strukturen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber der freien Wirtschaft“, begründet Distelrath ihre Entscheidung für den Schritt in die Bundeswehr.

Zu wenige Frauen in Spitzenpositionen

Natürlich sei es ein klarer Vorteil, dass in der Bundeswehr alle geschlechtsunabhängig verdienen. Doch vollkommene Gleichberechtigung herrsche noch nicht, sagt Frau Oberstleutnant Monika Leu.

„Wir haben hier ebenso eine gläserne Decke wie in der Privatwirtschaft. Frauen sind in Führungs-, insbesondere Spitzenpositionen bei der Bundeswehr immer noch unterrepräsentiert“, moniert die Projektbeauftragte für „Vision Informationsarbeit 2030“ am Zentrum Informationsarbeit  Bundeswehr. Bevor sie 2001 Soldatin wurde, war sie Juristin in einer Anwaltskanzlei.

Soldatin im Porträt
Monika Leu, Oberstleutnant
„Erst wenn wir den Ausgleich geschafft und mehr Frauen in Spitzenpositionen haben, können wir uns auf die Schulter klopfen und sagen, dass wir besser sind als in der Privatwirtschaft.“

Auch an Hochschulen ein Thema

Gender-Pay-Gap, das geschlechtsspezifische Lohngefälle, spiele nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch an Hochschulen eine Rolle, ist Professorin Dr. Ute Schäffer-Külz überzeugt.

Auch wenn die Lohnlücke hier geringer ausfallen dürfte als in den Unternehmen, führte die Einführung der W-Besoldung (für beamtete Hochschullehrerinnen und -lehrer) inklusive frei vereinbarer Gehaltsbestandteile zu größeren geschlechtsspezifischen Entgeltunterschieden in der Wissenschaft.

Frau im Portrait
Ute Schäffer-Külz, Professor Dr.
„Frauen scheinen sich immer noch unter Wert zu verkaufen, wenn es um individuelle Verhandlungen über Leistungszulagen geht.“

„Diesem Aspekt der Lohngerechtigkeit wird aber zunehmend mehr Beachtung geschenkt, indem beispielsweise Studien zum Gender-Pay-Gap in der Wissenschaft durchgeführt und veröffentlicht werden“, erläutert die Professorin für Psychologie und Soziologie an der Hochschule des Bundes, Fachbereich Bundeswehrverwaltung, Mannheim.

Aus ihren Erfahrungen als frühere Trainerin und Personalreferentin einer großen Softwarefirma weiß die Professorin auch, dass die Gehaltsstruktur von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland deutlich transparenter geregelt ist als in der freien Wirtschaft. Dort ist das Gehalt nach wie vor häufig ein gut gehütetes Geheimnis.

„Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um beispielsweise Professorinnen die Möglichkeit zu geben, sich für ihre Verhandlungen an einem Richtwert zu orientieren“, meint Schäffer-Külz.

Zwei Soldatinnen und ein Soldat sitzen zusammen am Tisch und unterhalten sich

Soldatinnen und Soldaten diskutieren in einem Workshop

Bundeswehr/Markus Dittrich

Gleiche Bezahlung ist selbstverständlich

Dass Frauen im zivilen Berufsleben vielfach schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen, ist Frau Hauptfeldwebel Julia Palawiks bereits seit ihrer Lehre zur zahnmedizinischen Fachangestellten vor mehr als 14 Jahren bekannt. „Ich bin als Zivilangestellte bei der Bundeswehr ausgebildet worden“, berichtet die 30-Jährige, die als Zeitsoldatin seit 2016 Fahrlehrerin im Kraftfahr-Ausbildungszentrum der Streitkräftebasis (SKBStreitkräftebasis) in Augustdorf (NRWNordrhein-Westfalen) ist.

„Das war schon damals in der Berufsschule ein oft diskutiertes Thema“, so die gebürtige Passauerin. In der Bundeswehr sei die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen dagegen eine beispielhafte Selbstverständlichkeit, meint Palawiks, die seit 2010 Soldatin ist.

Ihre Kameradin, Frau Hauptbootsmann Diana Burmeister, weiß aus ihrem zivilen Berufsleben hingegen nur Positives in Sachen Entlohnung von Frauen und Männern zu berichten: „Ich bin gelernte Fleischerin“, berichtet die 40-Jährige, die aus Rostock stammt und 2003 Soldatin wurde. „Wir Lehrlinge, egal ob Mann oder Frau, verdienten im Handwerk das Gleiche“, erinnert sich die heutige Fahrlehrerin.

Den Equal Pay Day hält sie trotzdem für sinnvoll, denn in vielen Branchen, wie eben im Fleischerhandwerk oder der Pflegebranche, sei das Einkommen insgesamt zu niedrig.   

19 Prozent Differenz

Dieser Equal Pay Day macht auf die Lohnlücke bei Frauen und Männern aufmerksam. Laut dem Verein Business and Professional Women Germany, der die Kampagne Equal Pay Day unterstützt, unterscheidet sich der Bruttoverdienst von Männern und Frauen im Durchschnitt um 19 Prozent. Dabei handelt es sich um den unbereinigten Gender Pay Gap, der vom Statistischen Bundesamt errechnet wurde. Es werden dafür nicht nur einzelne Branchen oder Positionen verglichen, sondern der Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Der Verein erläutert auf seiner Homepage: „Angenommen, Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.“

von Carsten Borgmeier und Amina Vieth

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