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Informationsdrehscheibe: Ein Besuch im Lagezentrum Ukraine

Informationsdrehscheibe: Ein Besuch im Lagezentrum Ukraine

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  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

„Und wenn wir als Deutschland, als Regierung, als Bundesministerium der Verteidigung oder als Lagezentrum Ukraine einen Beitrag leisten können, diesen Krieg einzudämmen oder zu beenden, weiß ich nicht, ob ich in meinem Leben bis jetzt etwas getan habe mit mehr Tragweite“, beschreibt Oberstleutnant Robert Pröse seinen Dienst im Lagezentrum Ukraine. 

Zwischen Lagekarten und Telefonen werden hier die Informationen zusammengetragen, die Deutschland zur Unterstützung der Ukraine braucht. Oberstleutnant Robert Pröse leistet im Lagezentrum Dienst und erzählt von seiner Arbeit.
Audio-Transkription

Wer an ein militärisches Lagezentrum denkt, hat womöglich folgendes Bild im Kopf: Eine schwere Tür am Ende eines langen Ganges. Dahinter ein fensterloser Raum, den man nur mit der nötigen Sicherheitsfreigabe betreten darf. Mehrere Telefone klingeln gleichzeitig, Informationen werden durchgegeben.

Soldatinnen und Soldaten springen auf, rennen an die Lagekarten an der Wand und zeichnen militärische Symbole. Es muss schnell gehen. Informationen müssen ausgewertet und bewertet werden und danach folgt eine Entscheidung. Ein Ort, an dem Großes passiert. 

Zwischen Vorstellung und Realität

Telefone, Rechner und Lagekarten gibt es wirklich im Lagezentrum Ukraine. Auch, wenn die Lagekarten nicht mehr an den Wänden hängen, sondern durch digitale Bildschirme ersetzt wurden. Natürlich werden auch kontinuierlich Informationen be- und verarbeitet.

Aber das Lagezentrum Ukraine im Verteidigungsministerium ist vielmehr als eine Informationsdrehscheibe zu betrachten. Oder eben als eine Spinne im Netz. Es ist am Ende alles etwas unaufgeregter, als manche es sich vielleicht vorstellen.

Und doch ist das Lagezentrum von großer Bedeutung. Denn das Zusammentragen dieser Informationen ist ein erster Schritt für die Unterstützung der Ukraine. 

Am Anfang steht die Frage

Die Ukraine hat bereits kurz nach dem Angriff Russlands Europa um Unterstützung gebeten. Schwere Waffen wollte das Land haben, um für seine Souveränität kämpfen zu können. Auch Deutschland unterstützt: Zwischen der Zusage für deutsche Panzerhaubitzen und ihrer Lieferung in die Ukraine lagen rund eineinhalb Monate. 

„Es ist ja nicht so, dass die Panzerhaubitzen irgendwo stehen und wir einfach nur sagen: Okay, packt sie ein und dann können wir sie mit DHL verschicken“, sagt Oberstleutnant Robert Pröse. Er ist einer der Stabsoffiziere, die im Lagezentrum Ukraine ihren Dienst leisten. Es stellte sich also die Frage: Was ist nötig, um die schweren Waffen in das angegriffene Land zu bringen? 

Aufträge durch die Verteidigungsministerin

Und mit dieser und ähnlichen Fragen tritt das Verteidigungsministerium oder auch die Ministerin Christine Lambrecht selbst an das Lagezentrum Ukraine heran. Die Männer und Frauen im Lagezentrum können die Antwort aber nicht allein geben: Es sind nämlich nur rund zwanzig und die arbeiten auch noch im Schichtbetrieb nahezu 24 Stunden am Tag an sieben Tage in der Woche.

Wenn also die Frage gestellt wird, wie Panzerhaubitzen in die Ukraine geliefert werden können, dann beantwortet das Lagezentrum diese Fragen nicht allein. Eher leiten sie die Fragen an verschiedene Fachreferate aus dem Bundesministerium der Verteidigung weiter. 

Entscheidungen

Für die Lieferungen der Panzerhaubitze waren am Ende unzählige Prüffragen nötig, die beantwortet werden mussten: Aus welchem Bestand sollen die Haubitzen kommen? Wer stellt sie zur Verfügung? Wie werden die schweren Waffen transportiert?

Auch musste geklärt werden, wer die ukrainischen Soldaten überhaupt ausbildet und wo. Antworten darauf hat das Lagezentrum Ukraine zusammengetragen. Welche Wege dazu nötig sind und wie das genau abläuft, hören Sie diese Woche im Funkkreis in der Folge 122, Lagezentrum Ukraine.

von Janet Watson

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