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Schneller Adler: Evakuierung der Botschaft in Fromonias Hauptstadt

Schneller Adler: Evakuierung der Botschaft in Fromonias Hauptstadt

  • Übung
  • Bundeswehr
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4 MIN

Die Krise im fiktiven Land Fromonia eskaliert, die deutsche Botschaft muss evakuiert werden. Eine deutsch-niederländische Eingreiftruppe macht sich auf den Weg in die Hauptstadt. An der Botschaft halten unterdessen Personenschützer der Bundespolizei die Stellung. Nur mit vereinten Kräften wird der Auftrag zu erfüllen sein.

Zwei SOldaten sitzen in einem Cockpit des Marinehubschraubers Sea Lynx

Die Besatzung eines Marinehubschraubers Sea Lynx bereitet sich auf ihren Einsatzflug vor. Auf dem Rückweg wird dieser Helikopter einige der aus der deutschen Botschaft evakuierten Personen in Sicherheit bringen.

Bundeswehr/Jana Neumann

Seit Wochen wird Fromonia, fiktiver Schauplatz der Übung Schneller Adler, von internen Auseinandersetzungen erschüttert. Deutsche und niederländische Soldaten haben auf verschiedenen Wegen bereits zahlreiche Schutzbefohlene aus dem Krisenland evakuiert. Die deutsche Botschaft in Fromonia arbeitete indes noch weiter – wenn auch als sogenannter „Krisenposten“ mit stark ausgedünntem Personal. Jetzt erreichen die Spannungen mit Macht die Hauptstadt. Die Sicherheitslage kippt derart schnell, dass das Auswärtige Amt die unverzügliche Räumung der Botschaft anordnen muss. Einzig verbleibende Option ist eine militärische Evakuierung.

Botschaftspersonal gerät durch Krise in akute Gefahr

In der Botschaft befindet sich neben dem deutschen Gesandten noch ein Staatssekretär des Landwirtschaftsministeriums. Außerdem ist auch die Kanzlerin der Botschaft, also die Leiterin der Verwaltung, auf ihrem Posten verblieben. Zum Schutz des Botschaftspersonals ist ein Team der Bundespolizei vor Ort. Sechs Personenschützer, der Kommandoführer und der Sicherheitsberater des Botschafters. Diese Männer haben eine gründliche Ausbildung und viel Erfahrung. Aber mit nur einigen Sturmgewehren G36 C könnten sie gegen eine angreifende Übermacht nicht viel ausrichten. Ohne externe Hilfe wird es nicht gehen.

Der Sicherheitsberater empfiehlt eine hubschraubergebundene Evakuierung, im Stab der übenden Joint Task Force wird eilig eine schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force, QRF) zusammengestellt. Niederländische Soldaten der 11. Luchtmobielen Brigade sollen mit deutschen Transporthubschraubern NHNATO-Helicopter-90 vom Gastland aus, in dem sie stationiert sind, in Fromonias Hauptstadt fliegen. Ihr Auftrag ist die Evakuierung des in der Botschaft verbliebenen Personals auf dem Luftweg. Während vor dem Botschaftsgebäude sensible Papiere verbrannt werden, muss die Kanzlerin noch einmal zu ihrer Unterkunft in der Green Zone. Sie will wichtige Festplatten und Dokumente holen, die auf keinen Fall verloren gehen dürfen. Zwei Beamte des Personenschutzes begleiten sie. Aber nach einiger Zeit reißt der Kontakt ab.

Mehrere Soldaten stehen bewaffnet vor dem Eingang der deutschen Botschaft

Zwei Bundespolizisten sichern den Eingang zur deutschen Botschaft. Was beim Schnellen Adler geübt wird, ist an deutschen Vertretungen in aller Welt Realität: Die Bundespolizei nimmt im Ausland Schutzaufgaben wahr - eine oft risikoreiche Tätigkeit.

Bundeswehr/Jana Neumann

Ernste Lage – deutsche Flagge wird niedergeholt

An der Botschaft ist zwischenzeitlich die deutsche Flagge niedergeholt worden. Alles ist zur Evakuierung bereit. Aber von der Kanzlerin und ihren Begleitern fehlt noch immer ein Lebenszeichen. Eine kritische Situation. Dröhnend überfliegt ein NHNATO-Helicopter-90 des Heeres das Botschaftsgelände. Das Muster des Überflugs erinnert an eine liegende Acht. „Aufklärung und Sicherung, der erkundet das Areal“, sagt ein hochgewachsener Beamter der Bundespolizei, während er seine Augen mit der Hand beschirmt. Er soll hier Erik heißen. Erik ist Personenschützer mit etlichen Jahren Berufserfahrung in Krisenländern. Er ist zu Ausbildungszwecken von seinem Dienstort in Sankt Augustin gekommen. Die Hauptstadt von Fromonia liegt in der Tollense-Kaserne von Neubrandenburg. Seit gut einer Woche üben Deutsche und Niederländer in Mecklenburg-Vorpommern unter Führung der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) verschiedene militärische Evakuierungsoperationen. Das heutige Szenar ist beinahe schon der Abschluss dieser Großübung „Schneller Adler 22“. 

„Wir haben unglaublich enge Kontakte zur Bundeswehr“

Erik beobachtet seine Kollegen, die komplett in die Übung eingebunden sind. Im Debriefing werden die Bundespolizisten ihre Entscheidungen und Vorgehensweisen gemeinsam evaluieren. Um daraus zu lernen und noch besser zu werden. „Bei solchen Lagen sind die Absprachen zwischen Bundeswehr, Auswärtigem Amt und Polizei entscheidend“, sagt Erik. Die enge Zusammenarbeit mit Bundeswehreinheiten gehört für ihn und seine Kollegen bei der Bundespolizei zum Alltag. Gerade in den Einsatzländern sei der Zusammenhalt stark. „Wir haben unglaublich gute und enge Kontakte zur Bundeswehr“, sagt Erik.

Die Erkundung hat ergeben, dass die Helikopter mit der QRF sicher landen können. In einem wahren Schneegestöber von Blüten gehen kurz darauf zwei NHNATO-Helicopter-90 und ein Sea Lynx auf dem Sportplatz nieder. Sofort springen die Niederländer aus den Maschinen und gehen in Rundumsicherung. Der Sicherheitsberater läuft mit dem vereinbarten Zeichen – einem orangefarbenen Tuch – auf die QRF zu. Während die Helikopter wieder abheben, verteilen sich die niederländischen Infanteristen auf dem Areal. Einige verschwinden mit dem Berater im Botschaftsgebäude. Dort wird mit dem Botschafter das weitere Vorgehen besprochen. Denn dieser trifft letzten Endes vor Ort die Entscheidungen. Dabei stützt er sich auf die Expertise seines Sicherheitsberaters ab.

Soldaten geleiten einen Mann zu einem wartenden Hubschrauber vom Typ NH 90

Gelungenes Finale: Ein Beamter der Bundespolizei geleitet den Botschafter und den Staatssekretär zum Helikopter. Die Evakuierung steht vor ihrem erfolgreichen Abschluss. Die Zusammenarbeit von Polizei und Militär ist dabei besonders wichtig.

Bundeswehr/Jana Neumann

Als die Gruppe nach einiger Zeit wieder aus der Botschaft tritt, sind die Würfel gefallen. Der Botschafter und der Staatssekretär begeben sich – eng von Personenschützern begleitet – zur Landezone. Wenig später hebt der erste NHNATO-Helicopter-90 mit den Schutzpersonen ab. Es geht zur vorgeschobenen Operationsbasis im Gastland. Auch die QRF wird nachgezogen und rückt ab. Im letzten Helikopter sitzt der Sicherheitsberater. Er wird den niederländischen Kameraden bei der Identifizierung der Kanzlerin und ihren Personenschützern helfen. Die erkundende Hubschrauberbesatzung hatte die erlösende Nachricht bereits kurz nach dem ersten Überflug überbracht: Die Frau und ihre Begleiter hatten rund einen Kilometer entfernt von der Botschaft mit einer Nebelgranate und einem Fliegersichtzeichen auf sich aufmerksam machen können. 

Lob für QRF und Personenschützer der Bundespolizei

Auf dem Rückweg von der Wohnung war das Auto liegengeblieben. Beim Fußmarsch hatte sich die Kanzlerin verletzt. Zudem gab es zwischenzeitlich Schwierigkeiten mit dem Funk. Nach der persönlichen Identifizierung werden die drei Deutschen dann ausgeflogen. Brigadegeneral Andreas Pfeifer ist mit dem Ablauf zufrieden. Als stellvertretender Kommandeur der DSKDivision Schnelle Kräfte  fungiert er beim Schnellen Adler als Gesamtleitender der Übung. Er zieht ein positives Fazit. „Die Übungstruppe hat ihre Aufgaben sehr gut gelöst. Das Ziel, die Schutzpersonen unversehrt zu evakuieren, war nie in Gefahr.“ Die gewählten Kräfteansätze von Botschaft und Joint Task Force seien zweckmäßig gewesen und alle Beteiligten hätten flexibel reagiert. „Wir können sehr zufrieden sein.“

von Markus Tiedke