Präzise Formation: Die Eskorte der Feldjäger geleiten hochrangige Gäste

Die 13. Kompanie des Feldjägerregiments 1 in Berlin stellt die Motorradeskorte für hochrangige Gäste des Verteidigungsministeriums. Der Keil – eine enge und präzise Formation in V-Form – sieht beeindruckend aus und verlangt den Fahrern alles ab. Besonders im Berliner Berufsverkehr.

Feldjägereskorte auf der Straße
Bundeswehr/Oliver Lang

Die Eskorte der Feldjäger: Mit Vorfahrt durch Berlin

19.47 Uhr, die Besprechung hat etwas länger gedauert. 42 Minuten, um genau zu sein. Aber jetzt tritt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrer französische Amtskollegin Florence Parly auf die Freitreppe des Bendlerblocks.

Eine Abordnung des Wachbataillons grüßt militärisch, ebenso die sieben Eskortefahrer der Feldjäger an ihren Maschinen. Küsschen links, Küsschen rechts, Verabschiedung, dann verschwindet die Französin in der Limousine. Wie ein Mann sitzen die Feldjäger auf und lassen die Motoren ihrer BMW an. Spitzenfahrer Hauptfeldwebel Chris Fröbisch sticht mit dem rechten Zeigefinger ruckartig in den Berliner Nachthimmel. Achtung! Langsam lässt er den Finger zum Instrumentenbrett sinken. Auf Knopfdruck springen die Blaulichter synchron an. Dann setzt sich der Keil, die Eskorte der Feldjäger, in perfekter Symmetrie in Bewegung, die Kolonne der Ministerin folgt.

Im Schlussfahrzeug schnappt sich der Führer des Eskortezuges Leutnant Dustin Bernier das Funkgerät. „Der Leutnant hier. Alle drin, alle drin. Anton 1948.“ Die Erwiderung vom Lotsenfahrzeug an der Spitze der Kolonne kommt knackend zurück. Sekunden später sind die Fahrzeuge bereits auf der Hardenbergstraße unterwegs nach Tegel.

Feldjäger und Motorräder

Stillgestanden: Die Eskortefahrer der Feldjäger erwarten die französische Verteidigungsministerin.

Bundeswehr/Oliver Lang
Feldjäger empfangen französische Verteidigungsministerin

Eine Abordnung des Wachbataillons bereitet der französischen Amtskollegin von Annegret Kramp-Karrenbauer einen militärischen Empfang am Flughafen Tegel.

Bundeswehr/Oliver Lang

Ein paar Stunden zuvor...

Knapp sieben Stunden zuvor hat Hauptfeldwebel Fröbisch seine Kameraden von der 13. Kompanie des Feldjägerregiments 1 mit dem heutigen Auftrag vertraut gemacht.

Der Beamer wirft ein Foto von Florence Parly an die Wand. „Damit ihr mal ein Bild habt“, sagt Fröbisch. „Meldezeit in Tegel 1615, Abfahrtszeit ist 1705.“ Detail am Rande: Madame Parly fliegt Linie und kommt am zivilen Teil des Flughafens an. Also mitten im Gewusel. Unmilitärisch formuliert, packen die Feldjäger heute das ganz große Besteck aus. „Sieben Eskortefahrer stehen nur den protokollarisch höchsten Gästen des Verteidigungsministeriums zu“, sagt Leutnant Bernier. „Also Ministern und dem NATONorth Atlantic Treaty Organization-Generalsekretär.“

Hauptfeldwebel Fröbisch
Wir begleiten die französische Verteidigungsministerin vom Flughafen Tegel zum Ministerium. Störungsfrei und protokollgerecht. Eskorte Eins-Sieben.
Feldjäger bereiten sich vor

Insgesamt 11 Motorräder nehmen an der Eskorte der französischen Verteidigungsministerin teil.

Bundeswehr/Oliver Lang


Gründliche Vorbereitung ist das A und O

Bernier hat in den vergangenen Tagen mehrfach Erkundungstrupps über die Straßen der Hauptstadt geschickt. Just am Tag vor Parlys Berlin-Visite haben Aktivisten von Extinction Rebellion Verkehrsknotenpunkte in der Hauptstadt besetzt und blockiert. Auch der Große Stern zählte dazu. „Aktuell ist die Strecke dort zwar frei, dafür haben sich die Demonstranten Richtung Ku’Damm und an wichtige Brücken verschoben“, sagt Bernier. Als Berliner Jung kennt er seine Stadt aus dem Eff-Eff. Mit seinen Männern und der gemeinsamen Leitstelle der Berliner Polizei ruft er regelmäßig das aktuelle Lagebild auf. „Wir haben immer mehrere Alternativstrecken in petto“, erklärt Oberfeldwebel Johannes Stoffels. Er wird heute im Lotsenfahrzeug sitzen, das den Keil anführt. „Falls erforderlich, können wir die die Route kurzfristig ändern.“ Insgesamt werden elf Motorräder im Einsatz sein. Neben den sieben Fahrern im Keil noch vier Seitenkräfte, von denen einer auch als Reservefahrer für die Formation einspringen kann. „Ansonsten sollen die Seitenfahrer vor allem den Verkehr warnen“, sagt Stoffels. Warum das wichtig ist, wird wenig später klar.

Gegen 15 Uhr tragen die Eskortefahrer bereits ihre Lederkombination mit Weißzeug. Beim Waffenempfang eine halbe Stunde später empfängt jeder seine Pistole P8. Ausdruck des Schutzauftrages der Feldjäger, der neben den protokollarischen Pflichten besteht. Dann gehen die Männer an ihre Maschinen. „Vor jedem Einsatz steht der technische Dienst“, sagt Spitzenfahrer Fröbisch. Reifendruck, Ölstand, Profiltiefe werden gecheckt. Dann lassen die Fahrer die Motoren warmlaufen und drehen ein paar Runden auf dem Parkplatz. Alles passt.

In Geduld üben

Nach einem kurzen Antreten rollt die Kolonne mit der Limousine nach Tegel. Am zivilen Teil des Flughafens üben sich die Männer bis zur Ankunft der Französin in Geduld. „Das gehört auch dazu“, sagt Oberstabsgefreiter Pierre Bosse. Der junge Mannschafter vom Jahrgang 93 ist seit sieben Jahren Soldat. Als Angehöriger des Wachbataillons wurde er vor drei Jahren für die Eskortefahrer angeworben. „Mein Spieß meinte, die Größe passe und sportlich sei ich auch. Ob ich Lust hätte, Motorrad bei den Feldjägern zu fahren. Klar! Das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Bosse und lacht. Nach dem Motorradführerschein absolvierte er den zehnwöchigen Speziallehrgang für Eskortefahrer. Kurz darauf fuhr er die ersten Einsätze. „Es ist jedes Mal kitzlig“, gibt Bosse zu.

Eskorte von oben
Die Abstände zwischen den Maschinen betragen im Keil wenig mehr als eine Handspanne.
Eskorte vorm Brandenburger Tor
Fällt einer, fallen alle. Hauptfeldwebel Fröbisch

Kommunikation über Funk und Handzeichen halten Keil beisammen.

Übung macht den Meister

Die Abstände zwischen den Maschinen betragen im Keil wenig mehr als eine Handspanne. Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten bleibt da kaum Reaktionszeit. „Fällt einer, fallen alle“, sagt Hauptfeldwebel Fröbisch lakonisch. Aber das kommt kaum vor. „Wir üben sehr viel.“ Kommunikation über Funk und Handzeichen halten den Keil im Einsatz beisammen. „Auf die Bedienung der Maschine entfällt im Einsatz ein Prozent der Aufmerksamkeit des Fahrers. Der Rest sind Verkehr und Umgebung.“ Jederzeit hellwach und aufmerksam, lautet Fröbischs Maxime. Denn: „Routine ist tödlich.“  Und das Fahren in enger Formation nicht jedermanns Sache. Viel Gefühl für die Maschine, gute Nerven und geistige Beweglichkeit brauche ein Fahrer für den Job. Wer das mitbringt, kann bei den Eskortefahrern auch als Mannschaftssoldat schnell Verantwortung tragen. „Ich bin heute als Seitenfahrer vorn dabei“, sagt Bosse. „Dann fahre ich der Kolonne etwa 50 Meter voraus, muss zig Alternativrouten im Kopf haben und im Zweifel schnell Entscheidungen treffen. Das ist anspruchsvoll und macht Spaß.“

Feldjäger im Gespräch

Geschafft! Nach einem langen Tag geht es für die Feldjäger in den wohlverdienten Feierabend.

Bundeswehr/Oliver Lang

Als Florence Parly aus dem Flughafengebäude tritt, meldet Leutnant Bernier seine Eskorte. Dann setzt sich die Kolonne aus sieben Fahrzeugen in Bewegung. Der Berliner Stadtverkehr ist zäh und der Begriff des Kolonnenvorrechts scheinbar nur wenigen Verkehrsteilnehmern geläufig. Wütende Blicke, Kopfschütteln oder stumpf auf die Fahrbahn tretende Fußgänger sind keine Seltenheit. Radfahrer versuchen, an den Fahrzeugen mit zuschwimmen. „Wat’n los? Ick haHektarb grün hier“, schimpft ein älterer Berliner, als die Kolonne als geschlossener Verband die nun rote Ampel durchfährt. Also warnt Bernier geduldig immer wieder den Verkehr ringsum. „Achtung, Kolonne. Achtung, Kolonne. Fußgänger und Autofahrer lassen die Kolonne bitte passieren.“ Gehört alles zum Service, der Leutnant lächelt. „Hauptsache, alle kommen sicher an und wir landen auf dem Punkt“. Also um genau 1800 am Ministerium. Und das klappt auf die Minute.

Knapp zwei Stunden später rollt die Fahrzeugkolonne der Ministerin eingehüllt in zuckendes Blaulicht deutlich schneller zum Flughafen. „Anton 1948, Emil 2010“, sagt Bernier bei der Ankunft in Tegel ins Funkgerät. Anton und Emil stehen dabei für Anfang und Ende. Zu Ende ist der Einsatz für die Eskorte übrigens erst, als das Flugzeug der Ministerin abhebt. „Dann ist unser Auftrag erfüllt“, sagt Bernier. Ein langer Tag.

von Markus Tiedke

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