Einmal KFOR und zurück - Interview

Einmal KFOR und zurück - Interview

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  • KFOR
Datum:
Ort:
Pristina
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Damals, kurz nach Beginn des Einsatzes als junger Leutnant in einem mehrere tausend Soldaten zählenden Kontingent – heute als Oberstleutnant und Kontingentführer von rund 70 Soldaten. Kurz vor dem Ende seines Einsatzes führten wir mit ihm dieses Gespräch.

Ein Soldat sitzt auf einer schwarzen Ledercouch. Hinter ihm hängt die Flagge der Bundesrepublik Deutschland.

Oberstleutnant Jan Heymann als Kontingentführer nach 1999 zum zweiten Mal im Kosovo Einsatz

Bundeswehr / PAO KFOR

 

Benedikt Hoff

Der Einsatz läuft jetzt seit 20 Jahren, die Stärke des deutschen Einsatzkontingents wird immer geringer. Ist der Einsatz hier auserzählt?

Das glaube ich keineswegs. Denn überall da, wo deutsche Soldaten noch im Einsatz sind, gibt es noch Geschichten, die es zu erzählen gilt. Allerdings sind die Geschichten, die es nun zu erzählen gibt, nicht mehr dieselben wie früher. Standen wir früher auf dem Mount Cviljen oder sicherten Klöster, so sind wir heute eher die, die im Hauptquartier KFOR Schlüsseldienstposten besetzen und aktiv an der Weiterentwicklung von KFOR mitarbeiten. Das ist vielleicht von der Menge her kein großer, von der Bedeutung her aber ein außerordentlich tiefer Footprint.

Benedikt Hoff

Sie beschreiben hier die Bedeutung Deutschlands innerhalb von KFOR. Wie beurteilen Sie diese für das Land insgesamt?

Wir haben hier seit über 19 Jahren Spuren hinterlassen. Spuren, die alles andere als im Sande verschwunden sind. Im Gegenteil: Ich glaube, wir haben hier viel für die Menschen getan. Ich mache das daran fest, was ich erlebe, wenn ich hier im Kosovo unterwegs bin. Als Deutscher ist man aufgrund unserer Art, wie wir hier unseren Auftrag ausführen und mit der Bevölkerung umgehen, hoch angesehen. Auch daraus entstehen immer wieder neue Geschichten.

 

Aus der Luft wurde die Stadt Prizren fotografiert, die zestörte Gebäude zeigt

Luftbildaufnahme von Prizren - im Vordergrund eine ehemalige Kaserne die später als Feldlager durch KFORKosovo Force genutzt wurde

Privat

   

Benedikt Hoff

Welche Entwicklung beeindruckt Sie nach 20 Jahren am meisten?

Die Veränderung der Sicherheitslage. Als junger Leutnant hatte ich zwei Mannschaftsdienstgrade für einen Auftrag unterstellt bekommen. Diese beiden Soldaten sind auf dem Weg von Prizren nach Suhareka, ungefähr 30 km nordöstlich von Prizren, beschossen worden. Und nur der Zufall hat verhindert, dass Schlimmeres passiert ist. Es war nachvollziehbar, wie der Schuss damals durch den Wolf (Anm. d. Red.: Geländewagen der Bundeswehr) gegangen ist: Er ist durch die geschlossene Seitenscheibe rein und durch die offene wieder raus. Es waren nur Zentimeter, die verhindert haben, dass hier ein deutscher Soldat getroffen und verwundet worden wäre. Heute fahre ich die gleiche Strecke in einem nicht geschützten Fahrzeug, zwar je nach Lage mit Schutzweste und bewaffnet, aber trotzdem immer mit einem relativ sicheren Gefühl. Das ist für mich der größte Unterschied.


Ein Soldat steht an einem Holzofen

Oberstleutnant Jan Heymann, damals noch als junger Leutnant in seinem ersten KFORKosovo Force-Einsatz im Jahre 1999

Privat
von Das Interview führte Benedikt Hoff

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