Bautechniker in Erbil

Ich bin iM EINsatz: Infrastrukturfeldwebel - Planung ist alles

Ich bin iM EINsatz: Infrastrukturfeldwebel - Planung ist alles

Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
4 MIN

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Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Portrait eines Soldaten mit grüner Mütze

Hauptfeldwebel Sebastian B. war bereits fünfmal im Einsatz

Bundeswehr/PAO Capacity Building Iraq

Ich bin Hauptfeldwebel Sebastian B., 43 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder. Wohnhaft bin ich im schönen Nord-Baden. Meinen täglichen Dienst leiste ich im Kompetenzzentrum Baumanagement in Stuttgart für das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. Hier bin ich zuständig für die Infrastrukturplanung der Standorte Ellwangen und Bruchsal. Im November 1999 bin ich in die Bundeswehr eingetreten. Die Zeit im Irak war insgesamt mein fünfter Einsatz. Zuvor war ich schon in Afghanistan, Äthiopien, Jordanien und Litauen tätig. Als waschechter Pionier war ich bei meinen letzten Einsätzen sowie auch diesmal als Infrastrukturfeldwebel in der „Construction Cell“ eingesetzt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Als einziger „Infrastrukturist“ in Erbil war ich für alle Baumaßnahmen im multinationalen Camp zuständig. Das betrifft die Planungen, Aufsicht bei der Bauausführung und die Abnahme und Dokumentation der Maßnahmen nach Fertigstellung. Meine Hauptaufgabe war es, den Soldatinnen und Soldaten die benötigte Infrastruktur vor Ort bereitzustellen. Ich habe beispielsweise bei einer operativen Baumaßnahme zur Härtung der Unterkunftsbereiche unterstützt. Die Baumaßnahmen begleitete ich von der ersten Planung über die Bauüberwachung der zivilen Firmen und der damit verbundenen Qualitätssicherung der Leistungen bis hin zur Berichterstattung nach Deutschland. Aus meinen Berichten kann das Einsatzführungskommando ein vollumfängliches Lagebild über den Infrastruktursachstand im Einsatzgebiet erstellen. Dieses hilft zum Beispiel bei der weiteren Ausplanung von Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der deutschen Soldaten im Einsatzland. Dazu habe ich ständig Kontakt zu den zivilen Auftragnehmern und dem Camp Betreiber auf der Air Base in Erbil gehalten.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Mehrere Container stehen nebeneinander und im linken Bildrand steht ein Kran. Im Hintergrund geht die Sonne über Erbil auf.

Hauptfeldwebel Sebastian B. unterstützte mit seiner Arbeit in der Construction Cell die Medienversorgung der Container Raummodule

Bundeswehr/PAO Capacity Building Iraq

Was mich persönlich tatsächlich immer am meisten motiviert hat, ist die Gewissheit, einen Beitrag für die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten zu leisten, genauso wie für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die Aufgabe bei Capacity Building Irak erfüllte mich mit großer Freude, da der Kontakt zu Angehörigen anderer Kulturkreise einen sehr guten Blick über den Tellerrand hinweg vermittelt hat. Gerade bei der Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmern, Firmen und der internationalen Koalition auf der Air Base fand sehr viel Austausch statt. Immer wieder spannend war es, den Bauprozess von der Planung bis zur Fertigstellung vollumfänglich begleiten zu können. Diese Art der Umsetzung unterscheidet sich stark vom Infrastrukturprozess der Bundeswehr in Deutschland. Zu Beginn dieses Einsatzes lag das Hauptaugenmerk auf der Fertigstellung der Unterkünfte in den Container Raummodulen (CRM) und der Optimierung der Bestandsinfrastruktur. Besonders gefreut hat mich, als die von mir erarbeitete Lösung zur Medienanbindung der CRM zügig umgesetzt wurde und sich als tragbare Lösung darstellte. Ein Ereignis was mich besonders prägte in diesem Einsatz war der Raketenbeschuss 12 Kilometer nordwestlich der Erbil Air Base. Ich wusste in diesem Moment, dass jeder Beteiligte sein Bestes für den Schutz der deutschen Soldatinnen und Soldaten hier in Erbil gegeben hat. Es ist ein beruhigendes Gefühl, sich in solch einer Situation in einer geschützten Unterkunft aufhalten zu können.

Das vermisse ich hier am meisten

Was ich besonders vermisst habe, waren natürlich meine Frau und die Kinder, aber auch ein Roggenmischbrot mit ordentlich Wurst und Gewürzgurken. Besonders wichtig war mir dabei meine Frau, die ich in der Zeit leider nicht bei der Betreuung unserer Kinder unterstützen konnte. Aufgrund der Corona-Pandemie gestaltete sich die Betreuung die letzten Monate sehr schwierig, da es in der Kita durch Personalmangel zu Kürzungen der Betreuungszeiten kam. Meine Frau und ich mussten schon vor meinem Einsatz alles gut organisieren, um die Betreuung sicherzustellen. Das ist durch meine Abwesenheit natürlich nicht besser geworden. Ich bin froh, dass ich nun wieder zu Hause bin und die Zeit zusammen mit meiner kleinen Tochter und meiner Frau verbringen kann. Die Zeit mit der Familie zu Hause ist für mich unersetzbar und unglaublich wichtig. Neben meiner Familie habe ich mich auch auf meinen Laufverein und meine Oldtimerfreunde gefreut. Es begeistert mich immer wieder in der Heimat Runden im Kreis meiner Lauffreunde zu drehen. Sogar die schmutzigen Hände bei immer wieder plötzlich auftretenden Pannen unserer alten Karossen des Oldtimer Clubs habe ich vermisst.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Ich wünsche den Kameradinnen und Kameraden in Erbil weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung unseres Auftrages – kommt alle wieder heil nach Hause. Zuletzt grüße ich noch meine Familie und natürlich das Kompetenzzentrum Stuttgart.

von Sebastian B.

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