Ich bin iM EINsatz: Gesprächsführer im CIMICCivil Military Co-Operation-Team

Ich bin iM EINsatz: Gesprächsführer im CIMICCivil Military Co-Operation-Team

Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Zwei Soldaten stehen nebeneinander und reden miteinander. Ein Soldat trägt ein Gewehr.

Während des Auftrages stimmt sich Marcel auch mit den Mitgliedern der anderen CIMICCivil Military Co-Operation Teams ab

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Ich bin Stabsfeldwebel Marcel W., 51 Jahre alt und seit dem 1. Januar 1991 bei der Bundeswehr. In Deutschland bin ich im Stabsquartier des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr in Berlin eingesetzt. Für mich ist es der zweite Einsatz hier in Mali.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Drei Soldaten sitzen auf der Motorhaube eines Gefechtsfahrzeuges. Im Hintergrund ragt eine Düne in den Himmel.

Das Team besteht aus Stabsfeldwebel Marcel und zwei belgischen Kameraden.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Ich bin hier als Waffenbediener auf dem Gefechtsfahrzeug Eagle IV und als Teil des Gesprächsteams bei CIMICCivil Military Co-Operation eingesetzt. CIMIC bedeutet Civil-Military Cooperation zu Deutsch: zivil-militärische Zusammenarbeit. In meinem Job erlebe ich jeden Tag die multinationale Zusammenarbeit. Denn mein Team besteht aus zwei belgischen

Kameraden, die als Kommandant und Kraftfahrer mit mir zusammenarbeiten. Aus diesem Grund spreche ich in meinem Gefechtsfahrzeug gleich drei Sprachen. Bei Deutsch, Französisch und Englisch lernen wir so jeden Tag neue Wörter dazu. Da der Großteil unserer Arbeit außerhalb des Camp Castors stattfindet, beginnt unser Tag meist mit dem Vorbereiten der persönlichen Ausrüstung, des Fahrzeugs und der Waffenanlage.

Anschließend gibt es noch mal ein kurzes Lageupdate, bevor wir dann das Camp verlassen, um zum Beispiel Treffen mit einem Schuldirektor, dem Polizeichef oder anderen wichtigen Personen wahrzunehmen. Dabei wählen wir unsere Gesprächspartner mit dem Ziel, Informationen zur zivilen Lage zu bekommen.

Es erfüllt mich mit Freude, dass ich das Land, die Kultur, Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten hier in Mali kennenlerne. Durch unsere CIMICCivil Military Co-Operation-Projektarbeit erlebe ich die direkte Hilfe hier in Mali jeden Tag. Es macht meinen Job sehr interessant und abwechslungsreich, weil kein Tag dem anderen gleicht.

Das macht meine Tätigkeit besonders

Ein Soldat kniet vor einem kleinen malischen Mädchen. Es trägt ein rotes Kopftuch.

Für den erfahrenen Stabsfeldwebel zählt die Begegnung mit dem kleinen malischen Mädchen zu den emotionalsten Erlebnissen des Einsatzes.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Die Motivation für mich ist, dass ich den Einsatz direkt inmitten der malischen Bevölkerung erlebe. Die Erfolge sind so vielschichtig, wie die Aufgaben der drei CIMICCivil Military Co-Operation Teams selbst. Wir gewinnen Informationen, identifizieren neue Projekte, die wir dann umsetzen. Wir unterstützen zum Beispiel Schulen, indem wir die Schulmöbel im Camp durch Spezialpioniere reparieren lassen oder selbst Hefte und Stifte übergeben.

Eine schöne Anekdote zu meinen Erfahrungen hier: In einer laufenden Operation wurde ein kleines Mädchen von ihren beiden älteren Geschwistern zu mir geschickt, um nach Süßigkeiten zu fragen. Da wir grundsätzlich keine Lebensmittel verteilen, war die Situation für uns beide sehr unangenehm.

Fünf Minuten lang sah mich das vielleicht zwei Jahre alte Mädchen mit ihren dunkelbraunen Augen an. Der tieftraurige Blick ging mir mitten ins Herz. Als ihre kleine Hand noch meinen Zeigefinger griff, wurde der innere Kampf zwischen Herz und Verstand riesengroß. Fünf Minuten Emotionen pur, ohne ein Wort zu sprechen. Das war bisher in diesem Einsatz meine emotionalste Erfahrung.

An meinem Geburtstag hatte ich ein weiteres tolles Erlebnis, dass mir eine große Freude bereitete. Mein Team hatte ein Meeting bei einer interkulturellen Eventagentur, die unter anderem jedes Jahr ein Rap-Battle in der Region ausrichtet. Da ich bereits in meinem ersten Einsatz 2020 hier erste Kontakte knüpfen konnte, war ich sehr glücklich darüber, hier in meinem zweiten Einsatz weiterzumachen und gleichzeitig die Fortschritte zu sehen. Mich würde es sehr freuen, wenn diese Jugendarbeit auch zukünftig Unterstützung findet.

Das vermisse ich hier am meisten

Als Vater von drei Kindern im Alter von 15, 12 und 10 Jahren vermisse ich natürlich meine Familie. Die täglichen Spaziergänge mit meinem Hund an der frischen Luft fehlen mir hier ebenfalls sehr. Meinen Augen fehlt am meisten die Farbe Grün in Form von Wäldern und Feldern.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Ich hoffe, dass wir die restliche Zeit unseres Einsatzes mit dem CIMICCivil Military Co-Operation Team weiter so erfolgreich gestalten können wie bisher. Die Zeit nach dem Einsatz möchte ich zu allererst einmal für nutzen, um zu Hause anzukommen und mich zu regenerieren.

von Marcel  W.

Mehr zum Thema