Ich bin iM EINsatz: Die Brücke zur Heimat

Ich bin iM EINsatz: Die Brücke zur Heimat

Datum:
Ort:
Masar-i Scharif
Lesedauer:
4 MIN

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Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ralf M. steht am Schalter der Feldpost im Camp Marmal

Oberfeldwebel Ralf M. am Schalter der Feldpost im Camp Marmal

Bundeswehr/NCO MES

Ich bin Oberfeldwebel Ralf M., 52 Jahre alt und ‑ wie alle Feldpostler ‑ bin auch ich Reservistendienst-Leistender. Als Reservistinnen und Reservisten verstärken wir die aktive Truppe mit einer Tätigkeit, die unseren persönlichen Qualifikationen entspricht. In meinem konkreten Fall heißt das: die Feldpost unterstützen! Denn in der Heimat bin ich Postbeamter und arbeite als Zusteller.

Meine zwölfmonatige Wehrdienstzeit liegt bereits einige Jahre zurück: 1991 habe ich beim Panzerartilleriebataillon 365 in Walldürn (heute Logistikbataillon 461) gedient. Um ganz ehrlich zu sein: Nach zwölf wirklich anstrengenden Monaten war ich mir eigentlich zu 100 Prozent sicher, dass sich das Thema Bundeswehr für alle Zeiten erledigt hat.

2012 kam der Sinneswandel: Ich habe mich für den Dienst bei der Feldpost entschieden und erfreut festgestellt, dass sich so einiges bei der Bundeswehr weiterentwickelt hat. Deshalb tausche ich inzwischen immer wieder gerne meine Post- gegen die Bundeswehruniform. Nach bereits zwei Einsätzen im Kosovo (KFORKosovo Force) ist dies mein erster Einsatz bei Resolute Support in Afghanistan.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ralf M. sortiert die gelieferten Paletten mit dem Hubwagen in der Postumschlaghalle

Die große Feldpostlieferung aus Deutschland muss vorsortiert werden

Bundeswehr/PAO NCO MES

Wir sind die Brücke zur Heimat: Unser Team stellt die Feldpostversorgung für die Truppe im Einsatz sicher. Was viele nicht wissen: Die Deutsche Post AGAktiengesellschaft ist gesetzlich verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an die Bundeswehr abzustellen – nur so kann die Feldpostversorgung im Ausland garantiert werden.

Hier in Masar-i Scharif bin ich hauptsächlich am Schalter eingesetzt. Zusammen mit Hauptbootsmann Thomas K., einem sehr einsatzerfahrenen und geschätzten Kameraden, bilden wir das Team im Feldpostamt. Vom Versand von Briefen und Paketen bis hin zu Ein- und Auszahlungen aufs bzw. vom Konto: Wir bieten hier fast die gleichen Dienstleistungen an wie in der Heimat – und alles zu den gleichen Preisen.

Zweimal in der Woche kommt der Flieger mit der Feldpost. Dann helfen wir unseren Kameradinnen und Kameraden in der Umschlagshalle beim Verteilen der vielen Briefe und Pakete. An manchen Tagen ist das echte Knochenarbeit. Insbesondere in der Weihnachtszeit kommen schon mal bis zu 30 große Holzkisten zusammen – mit einem Gesamtgewicht von sieben bis acht Tonnen!

Zum Glück sind wir ein sehr gut eingespieltes Team und jeder packt für den anderen mit an. Dadurch läuft alles reibungslos und wir schaffen es, auch größere Sendungsmengen schnell zu verteilen. 

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ralf M. zieht in Gegenwart eines Kameraden einen Paketaufkleber ab, den er gleich auf das Paket kleben wird

Oberfeldwebel Ralf M. unterstützt seine Kameradinnen und Kameraden gerne beim Frankieren der Päckchen

Bundeswehr/PAO NCO MES

Meine tägliche Motivation besteht darin, für die Soldatinnen und Soldaten im Camp die Verbindung zur Heimat aufrechtzuerhalten. Natürlich geht das auch bei mir hauptsächlich übers Internet – zum Beispiel per WhatsApp oder Skype. Aber ein paar handgeschriebene Zeilen von den Lieben zu Hause oder gar ein liebevoll gepacktes Päckchen – das ist schon etwas ganz Besonderes. Zudem schreiben viele hier den allerersten Brief ihres Lebens. Da geben wir natürlich gerne Auskunft, wo die Adresse oder die Briefmarke hinkommt.

Auch die meisten anderen Nationen wissen die deutsche Feldpost sehr zu schätzen. Denn bei ihnen gibt es eine solche Einrichtung entweder gar nicht – oder nur sehr eingeschränkt.

Da mein Englisch genauso durchwachsen ist wie mein Hochdeutsch, dauert so manches Gespräch mit der Kundschaft etwas länger. Aber das gehört zum Service: Wir nehmen uns hier für jede und jeden ausreichend Zeit.

Die schönste Belohnung für uns Feldpostler ist es, wenn wir Post aus der Heimat überreichen – und dann in die dankbaren und glücklichen Gesichter der Soldatinnen und Soldaten blicken dürfen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich hier meine Familie und die Kumpels. Ein gutes Bier, leckeres griechisches Essen, das Kartenspiel mit meinen Freunden – und Straßenbeleuchtung. Und auch die Jungs von meinem Bayern-Fanclub. Hier, zwischen all den Steinen, Geröll und dem Staub, wird mir so richtig bewusst, wie wunderschön doch die grünen Wiesen und Wälder daheim im Odenwald sind.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ralf M. fährt mit einem Postfahrrad die Straße hinab. Im Hintergrund ist das Marmal-Gebirge zu sehen

Ralf M. braucht kein Sportprogramm: Er hat sein Dienstfahrrad, mit dem er regelmäßig die Post ausfährt

Bundeswehr/PAO NCO MES

Ich wünsche mir, dass die letzten Wochen hier in Afghanistan weiterhin so harmonisch und unkompliziert verlaufen wie bisher. Was mich besonders freut, ist, dass ich genau zum Höhepunkt der Faschingssaison nach Hause komme – dann stürze ich mich direkt in die Feierlichkeiten. Danach geht es in den Skiurlaub mit meinem Sohn. Und dann freue ich mich tatsächlich wieder auf die Arbeit bei der „normalen“ Post. Meine Stammkundschaft hat mich sicherlich schon vermisst.

Wenn es sich ergibt und das Team passt, gehe ich in den nächsten Jahren gern noch einmal in einen Einsatz. Ich grüße alle Kameradinnen und Kameraden der Feldpost, die das hier lesen!

Ein besonderer Gruß geht aber an meine Tochter, deren Hochzeit ich vor einigen Wochen während meines Einsatzes verpasst habe.

von Ralf M.

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