Ich bin iM EINsatz

Als Personal Staff Officer im Hauptquartier der UNUnited Nations

Als Personal Staff Officer im Hauptquartier der UNUnited Nations

Datum:
Ort:
Bamako
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat unterhält sich vor einem Whiteboard mit einem zivilen Mitarbeiter der MINUSMA Mission.

Hauptmann Martin P. im Gespräch mit dem Leiter der Abteilung Finanzen der UNUnited Nations-Mission MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali

Bundeswehr/Björn Kapfer

Ich bin Hauptmann Martin P., 48 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. In Deutschland bin ich als Personaloffizier im BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr in der Abteilung VI im Grundsatz in Siegburg eingesetzt. In der Bundeswehr bin ich seit Juli 1995. Hier in Mali bin ich in meinem fünften Einsatz. Davor war ich auf dem Balkan und im mittleren Osten auf verschiedenen Positionen eingesetzt, jedoch immer im Führungsgrundgebiet 1 „Personal“.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Zwei Soldaten schauen in einem Büro in eine Umlaufmappe.

Die Zusammenarbeit mit Kameraden aus verschiedenen Nationen bietet stets die Chance, etwas Neues zu lernen und über den Tellerrand hinauszublicken

Bundeswehr/Björn Kapfer

In meinem Job verwalte ich die Zahlungen der UNUnited Nations-Tagegelder „Mission subsistence allowance“ (MSA). Diese decken die Unterkunfts-, Verpflegungs- und Nebenkosten in der Mission. Für einige der hier stationierten Soldatinnen und Soldaten ist dieser Zuschlag die Grundlage ihres Lebens in Mali, da ihre nationalen Zahlungen für die Dauer der Mission eingestellt werden. Sie müssen von dem Geld ihre Miete bezahlen und eben auch ihre Lebensmittel. Fällt eine Zahlung aus oder kommt sie verspätet, kommt es bei dem einen oder anderen schon zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, wenn es darum geht, den täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Einen „normalen“ Tag gibt es bei mir im Grunde nicht. Ich fahre morgens ins Büro und nach und nach trudeln dann die Kameraden aus den unterschiedlichsten Nationen ein. Mein direkter Vorgesetzter kommt zum Beispiel aus Indien, ein weiterer Soldat stammt aus Jordanien. Wir sind eine bunt gemischte Truppe aus elf Nationen in unserem Großraumbüro. Ich führe zahlreiche Listen, mit deren Hilfe ich nachvollziehen kann, wer die Zulage bekommt und ab wann diese gezahlt werden soll. Kommt es zu Problemen bei der Zahlung, bin ich Ansprechpartner und Kummerkasten zugleich. Wenn es mal irgendwo hakt, dann beginnt für mich ein kleiner Bürostaffellauf. Inzwischen habe ich mich gut eingearbeitet und kenne die Ansprechpartner vor Ort gut. Der persönliche Kontakt ist dabei ein absolutes Muss. Wenn es mir im Büro mal zu hektisch zugeht und ich etwas mehr Ruhe beim Arbeiten brauche, fahre ich in meine Unterkunft und arbeite von dort aus – Homeoffice im Einsatz sozusagen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Ein Soldat und eine Frau in einem Büro schauen auf ein Papier, das der Soldat in der Hand hält.

Hauptmann Martin P. gleicht die MSA-Zahlungslisten täglich zusammen mit seiner Mitarbeiterin ab

Bundeswehr/Björn Kapfer

Ich bin täglich im Austausch mit der zivilen und militärischen Seite. Auf diesem Bild gleichen wir gerade die Fehlerliste der Zahlungen für die militärischen Angehörigen der Mission ab. Der Abgleich erfolgt täglich. Die erhaltenen Informationen gebe ich im Anschluss an die Soldatinnen und Soldaten weiter. Das Arbeiten miteinander und die untereinander entstandene Wertschätzung sind etwas ganz Besonderes.

Ein Teil dieses großartigen Teams zu sein, macht mich stolz. Ich hoffe, dass wir trotz der großen Entfernungen nach dem Einsatz weiterhin die Verbindung halten. Dieses gute Klima untereinander hat – neben der spannenden Aufgabe – einen wesentlichen Anteil daran, dass die sechs Monate wie im Flug vergangen sind. Herausragend waren auch die Evaluationen der Einheiten in den Sektoren von jeweils vier Tagen in Kidal, Timbuktu und Douentza. Hier sind wir gemeinsam vom FHQForce Headquarters Bamako mit einem Team aus allen Führungsgrundgebieten in die Sektoren geflogen, um diese nach UNUnited Nations-Vorgaben zu überprüfen.

Der Bürojob an sich ist nichts Besonderes – Computerarbeit halt. Aber das Arbeiten in Bamako, einer rasant wachsenden und sich ebenso schnell verändernden Stadt, ist nicht alltäglich. Dazu kommt das Arbeiten mit den verschiedenen Personen. Zum einen sind hier natürlich Militärs aus rund 60 Nationen, zum anderen gibt es Polizisten und Zivilisten. Alle ziehen an einem Strang. Alle haben ein Ziel. Diesen Teamgeist spürt man jeden Tag.

Das vermisse ich hier am meisten

Ein Mann steht vor einer Berglandschaft.

Hauptmann Martin P. positioniert sich für ein Foto in seiner Freizeit

Privat

Ich freue mich natürlich in erster Linie auf meine Familie. Wenn ich zu Hause bin, kann ich auch wieder Sport im Freien bei frischer Luft in Gesellschaft meiner Frau treiben.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Für die restliche Zeit meines Einsatzes hoffe ich, dass ich weiterhin so großartige Erfahrungen sammeln kann. Außerdem wünsche ich mir, da der gesamte Einsatz in Mali sich dem Ende neigt, dass das zivile einheimische Personal eine neue Arbeit findet und dass wir alle gesund nach Hause kommen.

von Martin P.

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