Ich bin iM EINsatz: Als Militärbeobachter in der Westsahara

Ich bin iM EINsatz: Als Militärbeobachter in der Westsahara

Datum:
Ort:
Mahbas
Lesedauer:
3 MIN

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Dieser Artikel ist vor mehreren Tagen entstanden. Wegen der aktuellen COVID-19Coronavirus Disease 2019 Lage, wurden Art und Umfang der Aufträge in den einzelnen Kontingenten und Missionen gegebenenfalls bereits angepasst.

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht mit Schutzhelm und Warnweste vor einem kleinen Transportflugzeug der Vereinten Nationen

Als Air Terminal Officer kontrolliert Axel S. die regelmäßig verkehrenden Lufttransportmittel

Bundeswehr/PAO MINURSO


Mein Name ist Axel S., ich bin 46 Jahre alt und lebe mit meiner Familie im schönsten Teil von Rheinland-Pfalz – der Pfalz. Seit 1995 bin ich Soldat und mein derzeitiger Stammtruppenteil ist das Streitkräfteamt in Bonn. 2006 war ich Teil des ISAFInternational Security Assistance Force-Kontingents in Afghanistan. Dabei handelte es sich um eine Sicherheits- und Wiederaufbaumission unter Führung der NATONorth Atlantic Treaty Organization. Seit Mitte Januar bin ich als Militärbeobachter UNMOUnited Nations Military Observer (United Nations Military Observer) bei der MINURSOMission des Nations Unies pour l'organisation d'en Referendum au Sahara Occidental in der Westsahara eingesetzt. Es ist mein erster Einsatz im Rahmen der Vereinten Nationen.


Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat steht neben einem Piloten vor einem Transportflugzeug. Beide schauen auf einen Zettel.

Die Absprache mit dem Piloten ist wichtig: Nur so kommen die Passagiere richtig an Bord und das Material wird korrekt beladen

PAO MINURSO

Hier in der Mission bin ich als Militärbeobachter in einer Liegenschaft der Vereinten Nationen, der UNUnited Nations-Teamsite, eingesetzt. Die Teamsite ist ein vom Hauptquartier abgesetztes Camp, von dem aus die täglichen Patrouillen starten. Bei MINURSOMission des Nations Unies pour l'organisation d'en Referendum au Sahara Occidental gibt es insgesamt neun verschiedene Teamsites. Unsere Aufgabe ist es, den Waffenstillstand von 1991 zwischen der Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario und der Königlich marokkanischen Armee zu überwachen. Wir kontrollieren beispielsweise, ob die Personalstärke, aber auch die militärische Ausrüstung der marokkanischen Einheiten die Vorgaben nicht überschreiten. Was genau erlaubt ist, wurde im Waffenstillstandsabkommen festgehalten.

Zu diesem Zweck fahren wir jeden Tag mit einer oder mehreren Patrouillen raus und vergewissern uns vor Ort, ob die Vorgaben eingehalten werden. Diese Patrouillen dauern in der Regel zwischen drei und zehn Stunden. Danach ist noch lange nicht Feierabend: Im Anschluss an die Patrouille führen wir unseren Papierkrieg, indem wir Berichte schreiben oder die Patrouille des nächsten Tages vorbereiten. Als Teamsite Commander bin ich für das ganze Team verantwortlich, das derzeit aus neun UNMOUnited Nations Military Observer und fünf weiteren Personen besteht.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei Soldaten stehen vor einer Landkarte und beraten sich

Bevor es auf Patrouille geht, müssen die Fahrtwege in einem Briefing besprochen werden

Bundeswehr/PAO MINURSO

Das Besondere an der Mission ist für mich die internationale Zusammenarbeit. Militärbeobachter aus aller Herren Länder sind auf engem Raum beieinander und arbeiten täglich Hand in Hand zusammen. Die Kooperation mit den marokkanischen Streitkräften ist von großer Freundlichkeit und gegenseitiger Hochachtung geprägt. Zum Beispiel werde ich zum Tee eingeladen, plaudere locker mit den anderen Kameradinnen und Kameraden oder wir tauschen uns allgemein über dienstliche Angelegenheiten aus.

Die Patrouillen dauern mitunter sehr lange und sind wirklich anstrengend. Es gibt lediglich 22 Kilometer geteerte Straße im Patrouillenbereich. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wir fahren meistens durch Wüstensand, über Steine und auf Schotterpisten. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist die ganze Angelegenheit nicht nur recht holprig, sondern auch staubig. Das geflügelte Wort ist dann: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!“ Dabei laufen einem auch gern mal Kamele, Ziegen oder Esel über den Weg.  

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat mit blauen Barett steht vor den Flaggen verschiedener Nationen

Kommunikation ist das A und O: Axel S. greift für seine internationalen Aufgaben auch auf Englisch und Französisch zurück

Bundeswehr/PAO MINURSO


Natürlich vermisse ich besonders meine Lieben Zuhause. Zwar kann ich glücklicherweise mithilfe der modernen Kommunikationsmittel den Kontakt aufrechterhalten. Das ist aber natürlich nicht dasselbe wie der persönliche Kontakt. Als wahrer Pfälzer Genussmensch vermisse ich außerdem die kleinen Dinge des Lebens. Dazu gehören für mich beispielsweise ein gutes Essen mitsamt einem leckeren Gläschen Wein. Zu den Dingen, die mir fehlen, gehört, ehrlich gesagt, auch ein wenig mehr Ordnung und Sauberkeit – beides ist hier vor Ort leider nicht so gegeben.


Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein größter Wunsch ist der aller UNMOUnited Nations Military Observer: Stay safe – sicher bleiben! Das Wichtigste ist es, den Einsatz ohne Schaden an Körper und Seele zu überstehen und heil zurück nach Hause zu kommen.

Axel S. steht lächelnd vor einem Helikopter, dessen Tür geöffnet ist

Neue Erlebnisse, neue Abenteuer: beispielsweise ein Hubschrauberflug bei einer Patrouille aus der Luft

Bundeswehr/PAO MINURSO


von Axel S.

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