Patrouille auf dem Nil – zwischen Einbaum und Kalaschnikow

Patrouille auf dem Nil – zwischen Einbaum und Kalaschnikow

Datum:
Ort:
Südsudan
Lesedauer:
3 MIN

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Die vordringlichste Aufgabe der etwa 200 UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan-Militärbeobachter und Verbindungsoffiziere im Südsudan ist es, die Hilfs- und Versorgungskonvois und die von den Vereinten Nationen geplanten Patrouillen zu begleiten. Dabei steht die Kommunikation auf dem Weg und am Ziel mit allen örtlichen Sicherheitskräften und anderen Waffenträgern, den zivilen Amtsträgern und der Bevölkerung im Fokus. Bei Bedarf kann so vermittelt, im Zweifel auch Spannungen gemildert und so der Erfolg des jeweiligen UNUnited Nations-Auftrags entscheidend beeinflusst werden.

Fluss-Schnellboote aus Bangladesch

UN-Boote im Wasser

Fluss-Schnellboot-Geschwader aus Bangladesch

Bundeswehr

Das für den Sektor Nord zuständige regionale UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan-Hauptquartier in Malakal verfügt für seine Niloperationen über ein eigenes Fluss-Schnellboot-Geschwader aus Bangladesch. Dessen Bootsmannschaften haben im Kern zwei Aufgaben: Zum einen begleiten und schützen sie die Versorgungsschubverbände der UNUnited Nations zwischen der Bundeshauptstadt Juba und Malakal – und tragen so einen wesentlichen Anteil zur Versorgungssicherheit für UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan, aber auch für die Versorgung der unter dem Schutz der UNUnited Nations stehenden Binnenflüchtlinge in Upper Nile bei. Nicht umsonst werden Schubverband und Begleitboote als Operation „Lifeline“ (Lebensader) bezeichnet. Natürlich sind auch hierbei immer zwei Militärbeobachter an Bord, um an Flusscheckpoints die Passage sicherzustellen.
Die zweite Aufgabe ist es, Boote und Mannschaften für alle notwendigen UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan- Patrouillen zur Verfügung zu stellen, wie auch an diesem Morgen im März.    

Blubbernde Motoren

Patrouille auf See

Festmachen gegen den Strom

Bundeswehr

Einmal im Monat treffen sich alle in Upper Nile relevanten UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan-Akteure, um die Straßen-, Helikopter- und Flusspatrouillen für den nächsten Monat abzustimmen. Die heutige Patrouille ins 20 Kilometer entfernte Wau Shilluk dient dazu, die Sicherheitslage in dem vom Krieg zerstörten Dorf am Nil zu inspizieren.
Um 8.00 Uhr weist der Seekommandant alle Teilnehmer in Route und Sicherheit ein. Neben den zwei Vertretern von Human Rights und Civil Affairs Department sind auch Polizisten, zwölf ruandische Infanteristen zum Schutz, ein Sprachmittler und zwei Militärbeobachter an Bord der drei Boote. Wau Shilluk liegt nicht im Oppositions- sondern im Regierungsgebiet, weshalb heute mit Major Arang C. auch ein Verbindungsoffizier der Regierungsarmee mitfährt.

Bewaffnete Soldaten am Strand

Die drei Boote rasen mit bis zu 40 Kilometer pro Stunde über den Nil, bremsen nur ab, wenn Einbäume und Nilpferde an den Ufern in Sicht kommen. Das Land ist flach und weit. In der enormen Hitze zum Ende der Regenzeit flimmert es gelbgrün. Der Rauch von Brandrodungen liegt in der Luft und am Horizont stehen kleine Wälder. Rinderherden baden im Nil, Adler, Pelikane und Ibisse dominieren Himmel und Wasser. In einer knappen Stunde kommt Wau Shilluk am westlichen Ufer in Sicht.
Am Strand des kriegszerstörten Dorfes sammeln sich sofort bewaffnete und skeptisch blickende Soldaten, als die Patrouille in Sicht kommt. Das ist kein guter Auftakt. Nur mit ruhiger Hand gelingt es dem Steuermann, das Führungsboot gegen die starke Strömung an einem alten Schiffswrack am Ufer festzumachen. Die beiden anderen Boote bleiben draußen auf dem Fluss und kreuzen. Die Soldaten gehören zur Regierungsarmee und sind über den heutigen Besuch informiert. Trotzdem reagieren sie gereizt und verbieten dem Verbindungsoffizier und allen anderen, an Land zu kommen. Erst unter Vermittlung von Major Arang C. gelingt es, die Landerlaubnis zu erringen.

Vom Krieg gezeichnet

Am Ufer

Lebensgrundlage Fluss: Ein typisches Bild am Ufer des Nils'.

Bundeswehr

Das Dorf wurde nahezu vollständig von den Zivilisten verlassen. Nur aus wenigen zerstörten Hütten schauen neugierige Kinderaugen. Der lokale Amtsträger und der örtliche Kommandeur erklären knapp, dass die Sicherheitslage angespannt und ein Besuch im Moment unerwünscht sei. Hier vor Ort lassen sich diese Aussagen zumindest heute nicht prüfen, sind aber ein Informationsbeitrag für das Lagebild im UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan-Stab.

Nicht immer erfolgreich

Das Gespräch bleibt angespannt. Die eigentlich geplante Inspektion des Dorfes gegen den Willen der hier Verantwortlichen durchzusetzen, ist aus Sicherheitsgründen nicht zu verantworten und so geht es nach etwa einer Stunde wieder aufs Boot und zurück nach Malakal.
Auch dass sich nicht alle Aufträge wie geplant umsetzen lassen, ist eine Erfahrung, die jeder Militärbeobachter macht, der hier Verantwortung für sich und vor allem auch andere trägt. Und dennoch wird der Bericht der beiden heutigen Beobachter ein kleines Puzzleteil zum Lageverständnis in dieser Krisenregion beitragen.

Während die einen noch ihren Bericht schreiben, bereiten sich die nächsten schon auf ihre morgige Helikopter-Patrouille vor. Und die verweigerte Inspektion wird bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Zur Arbeit der UNUnited Nations gehört auch ein gerütteltes Maß an Beharrlichkeit.

von  PAO UNMISS

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