Heer
Interaktiv und realistisch

Die Ausbildungs- und Lehrübung des Heeres

Wie funktioniert eine Heeresbrigade in einer Landoperation? Das erleben angehende Offiziere und Spitzenführungskräfte bei der ALÜAusbildungslehrübung.

Auf weitem freien Gelände schießt ein Panzer, ein großer gelber Feuerball verlässt die Kanone.

Die Ausbildungs- und Lehrübung Landoperationen (ALÜAusbildungslehrübung LandOp) ist eine interaktive Weiterbildung, direkt im Gelände. Sie ist zugeschnitten für angehende Offiziere und künftiges Spitzenführungspersonal, wie Teilnehmer des nationalen/internationalen Lehrgangs General-/Admiralsstabsdienst (LGANLehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National/I).

Die ALÜAusbildungslehrübung löst mit einem neuen Konzept die traditionelle Informationslehrübung (ILÜInformationslehrübung) ab. Wie funktioniert eine Brigade im Gefecht? Motto: Mitmachen statt nur zusehen. Die ALÜAusbildungslehrübung zeigt exemplarisch einen schweren, sprich gepanzerten, Kampfverband in der Landes- und Bündnisverteidigung. In einem Stationskreislauf sollen die Teilnehmer die Vorbereitung und Durchführung eines Gefechts in einer Landoperation unmittelbar erleben – von der Auswertung des Auftrages bis zum Gefecht. Es geht darum, alle Elemente kennenzulernen, die beteiligt sind. Zusammen ergeben sie das komplexe System Brigade in einem fiktiven, aber realistischen Szenario.

ALÜAusbildungslehrübung 2022

Ausbildung nah an der Realität

Wissen, warum man kämpft: Auf der Ausbildungs- und Lehrübung trainieren die Teilnehmenden im fiktiven Szenario „Altraverdo“.

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Egal welche Teilstreitkraft oder Nation – bei der ALÜAusbildungslehrübung werden die Teilnehmenden aktiv in den Führungsprozess miteingebunden. Die Ausbildung ist für angehende Offiziere der Offizierschule des Heeres, für künftige Spitzenführungskräfte aus allen Teilstreitkräften der Bundeswehr sowie internationale Teilnehmer vorgesehen, die derzeit die Führungsakademie in Hamburg besuchen. Letztere erhalten in acht Stationen einen Überblick auf das System Brigade, wohingegen angehende Offiziere im Schwerpunkt zunächst den Einblick auf Bataillonsebene erhalten. Insgesamt werden über 1.000 Soldatinnen und Soldaten ausgebildet.

Video: Die ALÜAusbildungslehrübung – Brigade im Gefecht

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Bei der Ausbildungs- und Lehrübung Landoperationen (ALÜAusbildungslehrübung LandOp) tauchen die Teilnehmenden in das System einer Brigade auf dem Gefechtsfeld in einer Operation ein. Schnell wird klar: Die Brigade besteht nicht nur aus Kampftruppe.
Datum:

Das „System Brigade“ verstehen lernen

Auf einer Wiese steht ein Panzer mit offener Heckluke. Ein Soldat gibt eine gelbe Holzkiste rein.

Das System Brigade besteht aus vielen, unterschiedlichen Elementen. Egal, ob Kampftruppe oder Logistik – alle Elemente müssen zusammenarbeiten, damit die Brigade auf dem Gefechtsfeld gewinnt.

Bundeswehr/Marco Dorow

An zwei Locations, auf dem Truppenübungsplatz Bergen und in Minden, tauchen die Teilnehmenden ein in die unterschiedlichen Elemente, die in Landoperationen zur Wirkung kommen. Wie wird ein Gefecht in einer Operation geplant und wie gelingt es, den Plan auf dem Gefechtsfeld unter Zeitdruck und weiteren limitierenden Faktoren zu realisieren? Das lernen die in Gruppen eingeteilten Offiziere und Offizieranwärter auf der ALÜAusbildungslehrübung. Die Botschaft ist: Damit der Plan aufgeht, müssen alle Elemente wie Zahnräder in einem Uhrwerk zusammenwirken. Gemeinsam mit den Soldatinnen und Soldaten der Panzerbrigade 12 erleben sie daher, wie eine Brigade als System funktioniert. Dazu verlassen sie den Hörsaal, legen die Unterrichtsbücher weg und nehmen das Dienstfernglas in die Hand.

Ein Soldat mit einem grünen Barett und Schnauzbart schaut freundlich in die Kamera.
Jacob, Major, Dänemark, Teilnehmer des LGAN, Führungsakademie Hamburg Bundeswehr/Sebastian Lorenz
Die ALÜAusbildungslehrübung ist eine großartige Sache für mich, die Ebene Brigade einer anderen Nation kennenzulernen.“

Die Brigade im Gefecht

Eine Soldatin mit einer Mütze der Marine steht vor einem getarnten Panzer.
Tanja , Korvettenkapitän, Teilnehmerin des LGAN, Führungsakademie Hamburg Bundeswehr/Sebastian Lorenz
„Mich als Offizierin der Marine begeistert es immer wieder, was wir alles in der Bundeswehr vorhalten und welche Spezialisten an den einzelnen Systemen tätig sind.“

Warum ALÜAusbildungslehrübung?

Ein Soldat steht an einem Pult. Über ihm schwebt ein Hubschrauber.

Brigadegeneral Andreas Kühne führt die Panzerbrigade 12, die im Jahr 2022 für die Ausbildungs- und Lehrübung 2022 zuständig ist

Bundeswehr/Lena Schiehandl

Wir sprechen mit Andreas Kühne. Er ist Brigadegeneral und Kommandeur der Panzerbrigade 12: eine schwere, mechanisierte Brigade, die in Süddeutschland stationiert ist. Bei der ALÜAusbildungslehrübung 2022 in Norddeutschland zeigen insgesamt circa 2.500 Soldatinnen und Soldaten ihre Leistungsfähigkeit. Für uns ordnet der General den Sinn und den Wert der Ausbildungs- und Lehrübung ein: „Wir wollen den Teilnehmenden realistische und relevante Gefechtsbilder stellen. Soldatinnen und Soldaten leben in ihrem Dienstalltag von diesen Bildern im Kopf, von ihrem Erfahrungsschatz.“ Das Führen der Elemente auf dem Gefechtsfeld ist lehrbuchartig beschrieben und in diversen Vorschriften manifestiert. Jedoch wird ihre Komplexität und ihr Zusammenspiel, sprich das, worauf es in der Realität ankommt, erst mit dem Blick ins Gelände deutlich. Das ist das Kredo der ALÜAusbildungslehrübung: Sie soll das Gefühl für das Rechnen mit den Variablen Kräfte, Raum und Zeit schärfen. „Diese Bilder wollen wir hier vermitteln und sie ihnen für den weiteren Karriereweg mitgeben“, erklärt der General.

Ein Soldat steht vor einem Brückenlegepanzer der Pioniere und blickt in die Kamera.
Thomas, Oberstleutnant, Teilnehmer des LGAI, Führungsakademie Hamburg Bundeswehr/Mario Kissel
„Hochmotiviertes Personal, stimmige und griffige Konzepte, die Teilbilder und Gesamtabläufe kombinieren. Das hat uns einen hervorragenden Einblick in die Fähigkeiten der Landstreitkräfte gegeben, auf den wir in der Zukunft zurückgreifen können.“

Führung und Versorgung

Die Statische Fähigkeitsschau

Die Soldatinnen und Soldaten des Aufklärungsbataillons 8 aus Freyung sind verantwortlich für die Station Statische Fähigkeitsschau auf der Ausbildungs- und Lehrübung (ALÜAusbildungslehrübung). „Hier geht es um das Leistungsvermögen und die Fähigkeiten, über die eine Kampfbrigade verfügt“, erklärt Hauptmann Marlo K. Er ist verantwortlich für diese Station. Ein Durchgang dauert zwei Stunden. Mehr als 150 Soldaten stellen den Besuchern dabei rund 50 Systeme vor.

Soldaten laufen über sandiges, freies Gelände auf Militärfahrzeuge zu, die im Hintergrund nebeneinanderstehen.

Als Zuschauer mittendrin: An dieser Station wird deutlich, wie die Soldaten mit ihren Systemen und deren Fähigkeiten zum erfolgreichen Gefecht beitragen

Bundeswehr/Marco Dorow

Was leisten die Soldaten mit ihrem System? Welche Fähigkeit wird im Gefecht wo eingesetzt? Das seien die Fragen, zu denen an dieser Station Antworten geliefert würden, so der Hauptmann. Man nutze dazu den sogenannten FAWU-Verbund. FAWU steht für Führung, Aufklärung, Wirkung und Unterstützung. Soldatinnen und Soldaten zeigen den Besuchern die Systeme, erklären sie und führen sie praktisch vor. FAWU folgt dabei der Einteilung in die grundlegendsten Fähigkeiten, um in der Landes- und Bündnisverteidigung kämpfen zu können. So sind zum Beispiel die Pioniere ganz klar der Unterstützung und die Panzertruppen der Wirkung zugeordnet. Einige Fähigkeitsgruppen, etwa der Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum, vereinigt alle Fähigkeiten in sich. Je nach Art des Systems sind die Fähigkeiten sehr differenziert zu betrachten. Genau das erfährt der Besucher an dieser Station.

Aus jeder dieser Gruppe präsentieren sich die Kraftfahrer, Waffenbediener, Systembediener oder auch Infanteristen. In Gesprächen stellen sie sich, ihre Arbeit und Technik vor. Zu jedem System erklären versierte Soldaten mögliche Einsatzgrundsätze und berichten aus ihrem Alltag und von ihren Erfahrungen mit den Systemen. „Die Teilnehmenden der Ausbildungslehrübung erlangen auf der einen Seite einen sehr plakativen Einblick in die Technik und bekommen zugleich ein persönliches Feedback der darauf eingesetzten Soldaten“, beschreibt der Leitende Offizier.

Am Ende wird es in dieser Station dann doch noch sehr dynamisch. Die Pioniere zeigen in ihrer Domäne Unterstützung, was sie und ihre Technik zu leisten, vermögen – natürlich mit dabei: der neu eingeführte Brückenlegepanzer Leguan.

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An der Station wird es dann doch noch dynamisch. Die Pioniere zeigen ihre Technik im Einsatz. Der neue Brückenleger Leguan ist auch dabei.
  • Führung: Denken, kommunizieren und handeln

    Die Domäne Führung umfasst die Fähigkeiten, die einen strukturierten Denk- und Handlungsablauf gewährleisten. Die Kommunikation zwischen Gefechtsständen und der Truppe ist dabei essenziell.

    Ein Funkgerät liegt zwischen Tarnnetzen auf einem Tisch.
  • Jeder braucht den Cyber- und Informationsraum

    Die Fähigkeiten der Soldaten des Cyber- und Informationsraums sind so breit gefächert, dass sie bei der Aufklärung, Wirkung, Unterstützung, aber auch massiv in der Führung gefragt sind

    Mehrere militärische Fahrzeuge stehen auf einer großen Sandfläche mit Abstand nebeneinander, davor Infotafeln und Soldaten.
  • Aufklärung: Vorsprung durch Information

    Das Artillerieortungsradar COBRA kann die Stellungen von Haubitzen, Mörsern oder auch der Raketenartillerie bis in eine Entfernung von 100 Kilometern orten

    Auf einem Militärfahrzeug ist ein großer, grüner Kasten montiert. Es ist das Radar zur Ortung.
  • Der Schleicher – schnell und leise

    Zur Aufklärung von Zielen verfügt der Spähwagen Fennek über eine hochauflösende Kamera, Nachtsichtoptik, Wärmebildgerät und Laserentfernungsmesser

    Ein mit grünen Netzen getarntes Fahrzeug mit Aufbauten von vorn in der Großaufnahme
  • Wirkung: Im Kern geht es immer um das Gefecht

    Die letzten 100 Meter gehören dem Heer: Nur der konsequente und zielstrebige Einsatz von Waffen bringt den militärischen Erfolg. Die Domäne Wirkung steht im Kern für Waffensysteme verschiedener Art.

    Blick über mehrere schwarze und braune Waffen, die aufgestellt sind.
  • Mit seinen Krallen packt er jeden

    So gefährlich wie sein Namensgeber aus dem Tierreich: Der Schützenpanzer Puma zeichnet sich durch hohe Beweglichkeit, umfassenden Panzerschutz und präzise Feuerkraft aus

    Seitenaufnahme eines mit grünen Zweigen getarnten Panzers
  • Immer noch Nummer 1

    Er entstammt deutscher Produktion: Der Kampfpanzer Leopard hat sich weltweit bewährt und ist in mehreren Varianten im Heer im Einsatz. Die aktuellste Version ist der Leopard 2 A7V.

    Ein Panzer fährt über sandiges Gelände auf die Kamera zu, Staub wirbelt auf.
  • Unterstützung: Wer kämpft, braucht starken Support

    Der Brückenlegepanzer Leguan löst im Heer nach und nach den Brückenlegepanzer Biber ab. Die Leguan-Brücke trägt alle Fahrzeuge und Panzer der Bundeswehr.

    Zwei Panzer stehen nebeneinander und haben vor sich ihre langen Metallbrücke im Gelände abgelegt.
  • Panzerabwehrminen als Teil des Systems Wirkung

    Eine Fähigkeit, die bei der Landes- und Bündnisverteidigung eine besondere Rolle spielt, ist das Verlegen von Panzerabwehrminen. Pioniere arbeiten dazu mit dem Minenverlegesystem 85.

    Auf einem Anhänger, den ein Fahrzeug zieht, sitzt ein Soldat. Er verlegt Minen auf den Boden, zwei Soldaten laufen mit.
von René Hinz

ALÜAusbildungslehrübung - Behind The Scenes