Sanitätsdienst

Einsatzersthelfer Bravo: Ausbildung und Ausrüstung

Einsatzersthelfer Bravo: Ausbildung und Ausrüstung

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Datum:
Ort:
Bundesweit
Lesedauer:
2 MIN

An vier Ausbildungs- und Simulationszentren in Koblenz, Dornstadt, Weißenfels und Leer bildet der Sanitätsdienst der Bundeswehr sogenannte Einsatzersthelfer Bravo aus. Im Auslandseinsatz besitzen sie sogenannte Notkompetenzen und dürfen invasive und ärztliche Maßnahmen durchführen, wenn kein medizinisches Fachpersonal verfügbar ist.

Zwei Soldaten kümmern sich im Freien um eine verletzte Simulationspuppe

Soldaten versorgen die Halswunde der Simulationspuppe CEASAR mit einem Notverband

Bundeswehr/Michael Laymann

Die Bundeswehr lernte schnell aus Gefechten in diversen Auslandseinsätzen, dass in medizinischen Notsituationen höchster Intensität klassische Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht immer ausreichen, um Leben zu retten. Auch kann medizinisches Fachpersonal nicht immer sofort vor Ort sein. Als Resultat wurde der Einsatzersthelfer B (EH-B) eingeführt. Die Teilnehmenden lernen auf dem Lehrgang sehr realitätsnah die sichere Durchführung erweiterter Rettungsmaßnahmen mit den dafür erforderlichen Instrumenten und Materialien.

Praxis als Schwerpunkt

Am Ausbildungs- und Simulationszentrum des Sanitätsregiments 2 in Koblenz werden pro Jahr circa 900 EH-B ausgebildet – die danach aber nicht zum offiziellen Sanitätspersonal gehören. Pandemiebedingt musste die Anzahl der Teilnehmenden des achttägigen Lehrgangs ungefähr halbiert werden, um den hygienischen Anforderungen durch Bildung kleinerer Gruppen gerecht werden zu können. Die meisten der rund 25 Ausbilderinnen und Ausbilder sind Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter mit Einsatzerfahrung im In- und Ausland, die zusätzlich methodisch-didaktisch geschult wurden. Alle Teilnehmenden verfügen bereits vor Lehrgangsbeginn über gute Kenntnisse der klassischen Ersten Hilfe, da sie im Vorfeld, wie alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, den Lehrgang Einsatzersthelfer A absolviert haben. Darauf aufbauend, vertieft der Lehrgang EH-B zu Beginn noch einmal die medizinisch-theoretischen Kenntnisse und erweitert diese. Der Schwerpunkt des Lehrgangs liegt dann aber auf der praktischen Anwendung.

Notfallmedizinische Spezialkompetenzen

Zwei Soldaten kümmern sich im Freien um eine verletzte Simulationspuppe.

Mit einem Wendeltubus sichern Einsatzersthelfer Bravo die Atemwege eines Verwundeten

Bundeswehr/Michael Laymann

Beim Lehrgang EH-B werden erweiterte Rettungsmaßnahmen für nichtmedizinisches Personal unterrichtet. Die Anwendung dieser Maßnahmen ist dem Personenkreis im Inland und im Frieden untersagt, da es sich um sogenannte invasive Maßnahmen handelt. Hierzu gehört beispielsweise das Legen direkter Zugänge ins Knochenmark. Über diese können bei einem großen Blutverlust Infusionen oder Medikamente schnell und sicher zugeführt werden. Auch die Thoraxentlastungspunktion sowie die Sicherung der Atemwege durch Setzen eines Wendeltubus über die Nase werden trainiert. Die angehenden EH-B trainieren auch immer wieder die Verwundetenversorgung im Gefecht. Stehen sie im Ernstfall unter Beschuss, so müssen sie zunächst das Feuer erwidern und in Deckung gehen, um den Gegner zu bekämpfen und selbst unverletzt zu bleiben.

Notfall-Ausrüstung

Zwei Sandfarbene offene Rucksäcke mit viel Sanitätsmaterial davor ausgebreitet.

Einsatzersthelfer Bravo verfügen über eine erweiterte Sanitätsausstattung, die deutlich über das allgemeine Erste-Hilfe-Material normaler Soldatinnen und Soldaten hinausgeht

Bundeswehr/Patrick Grüterich

EH-B verfügen über eine erweiterte Sanitätsausstattung, die deutlich über das allgemeine Erste-Hilfe-Material normaler Soldatinnen und Soldaten hinausgeht. So enthält der Packplan eines EH-B-Rucksacks etwa das intraossäre Infusionssystem FAST1, mit dem ein schneller und sicherer Gefäßzugang unter Notfallbedingungen hergestellt werden kann. Außerdem den bereits erwähnten Wendeltubus zur Sicherung der Atemwege und die Thorax-Entlastungsnadel. Auch eine T-POD Beckenschlinge zur Kompression und Stabilisierung instabiler Beckenfrakturen ist enthalten, um dadurch bei Bedarf auch innere Blutungen zu verringern. Hinzu kommen mehrere Morphin-Autoinjektoren. Auch ein SAM-Splint zur schnellen Ruhigstellung von Extremitäten, Quickclot-Combat-Gauze zur Stillung stark blutender Wunden sowie weiteres Sanitätsmaterial gehören zur umfangreichen Sanitätsausstattung der „Bravos“. Insgesamt wiegt der gefüllte EH-B-Rucksack rund zehn Kilogramm.

von Dr. Gregor Bräunlein

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