Sanitätsdienst

Motiviert bis in die Haarspitzen: Soldaten helfen im Hochwassergebiet

Motiviert bis in die Haarspitzen: Soldaten helfen im Hochwassergebiet

  • Amtshilfe
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Datum:
Ort:
Ahrtal
Lesedauer:
3 MIN

Seit der Flutnacht am 14. Juli ist die Bundeswehr mit in der Spitze über 2.000 Kräften in den Krisengebieten im Einsatz und leistet Amtshilfe für die zuständigen Behörden. In Rheinland-Pfalz kümmern sich Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsdienstes nicht nur um die medizinische Versorgung. Generalarzt Dr. Bruno Most und Oberstarzt Dr. Wolfgang Karl Kaiser machten sich vor Ort ein Bild von der Lage.

Zwei Köche der Bundeswehr teilen Kindern Mittagessen aus; diese sitzen am Tisch davor

In einer Grundschule werden täglich 16 bis 30 Kinder aus unterschiedlichen Dörfern betreut. Von den Soldaten des Sanitätsregiment 2 erhalten sie mittags eine warme Mahlzeit.

Bundeswehr/Nadine Seumenicht

Im gesamten Ahrtal haben die Überflutungen viele Schäden angerichtet; in weiten Teilen ist die Infrastruktur zerstört sowie die Strom- und Trinkwasserversorgung zusammengebrochen. Die Soldaten des Sanitätsregiment 2 sind vor allem für die sanitätsdienstliche Versorgung der Kräfte der Bundeswehr zuständig, leisten aber auch anderweitig Hilfe. So zum Beispiel in einer Betreuungseinrichtung für Kinder. Da zivile Caterer nicht verfügbar sind oder aufgrund fehlender Infrastruktur nicht zur Einrichtung fahren können, helfen die Soldaten mit einer Feldküche aus.

Feldküche für die Kleinen

Auf Initiative von Grundschullehrerin Natalie Mahlberg ist die Betreuungseinrichtung mit vielen ehrenamtlichen Helfern aus der Not heraus entstanden, den Kindern einen halbwegs geregelten Tagesablauf zu ermöglichen. „Wir sind sehr dankbar für jede Hilfe. Einige Kinder haben alles verloren – auch ihren Kindergarten“, betont sie. Oberbootsmann Matthias Enzenmüller und Stabsunteroffizier Sascha Merz verteilen Spaghetti Bolognese an die Kinder. Die Kinder seien überglücklich, außer Ravioli aus der Dose, eine warme Mahlzeit zu bekommen, und in einen Kindergarten gehen zu können, verrät Mahlberg.

„Kalter Hund“ als Dessert

Drei Soldaten stehen in der Feldküche und unterhalten sich; einer von ihnen trägt eine Kochjacke

Oberbootsmann Matthias Enzenmüller (links) bespricht in der Feldküche die Versorgung für die nächsten Tage

Bundeswehr/Nadine Seumenicht

Enzenmüller ist gelernter Koch und Küchenmeister: „Wir versorgen unsere eigene Truppe, das THW, die Feuerwehr, zivile Rettungskräfte, Bewohner und Helfer.“ Täglich sind es 150 bis 200 Portionen, die in der Feldküche in Binzenbach gekocht werden. Aus verschiedenen Komponenten der Einmannpackungen der Bundeswehr könne man mit etwas Phantasie viele Gerichte zaubern. „Aus der Mousse au Chocolat, Schokolade und den Hartkeksen aus Nr. 6 haben wir für die Zivilbevölkerung das Dessert ‚Kalter Hund‘ hergestellt. Das kam sehr gut an – auch wenn es sehr mächtig ist“, freut sich Enzenmüller. Generalarzt Dr. Most, stellvertretender Kommandeur des Kommandos Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung, zeigt sich beeindruckt: „Ich bin fasziniert davon, wie viel Engagement auf allen Seiten zu sehen ist. Es ist großartig, dass wir einen kleinen Baustein beitragen können.“

„Wir waren immer die Ersten“

Vier Soldaten unterhalten sich mit Generalarzt Dr. Most; sie stehen im Erste-Hilfe-Zelt

Generalarzt Dr. Bruno Most im Gespräch mit der Besatzung der Krankenkraftwagen

Bundeswehr/Nadine Seumenicht

In Altenburg werden in einem provisorischen Zelt kleine Verletzungen medizinisch versorgt. Der feine Staub, der bei den Aufräumarbeiten aufgewirbelt wird, stelle eine große Herausforderung dar. So werden häufig Augenspülungen durchgeführt. „Wir waren immer die Ersten“, berichtet Feldwebel Christian Weides. Mit den Krankenkraftwagen haben sie Orte erreicht, die andere Fahrzeuge nicht anfahren konnten. Ferner haben sie dort geholfen, wo Boote aufgrund von Strömung nicht fahren konnten. „Wir haben dadurch aber nicht nur Personen retten können, sondern auch viele Leichen geborgen. Nach dem Rückgang des Wassers waren wir die Ersten in den Häusern.“

Generalarzt Dr. Most zeigt sich sehr beeindruckt von den Berichten der Soldaten: „Unser Sanitätsdienst ist stolz und unser Land ist dankbar für das, was Sie hier leisten. Eine absolute Spitzenleistung!“ Oberstleutnant Hans-Jürgen Neumüller, stellvertretender Kommandeur Sanitätsregiment 2 in Rennerod, ergänzt: „Alle sind motiviert bis in die Haarspitzen. Das ist unglaublich.“ In der Kompanie gibt es eine Anlaufstelle, um über das Erlebte sprechen und es verarbeiten zu können. Für die Zeit nach dem Einsatz sei ein Nachbereitungsseminar geplant.

Hilfe wo sie gebraucht wird

Ein Mann und eine Frau schauen an einem Schreibtisch auf eine Karte

Oberstarzt Dr. Wolfgang Karl Kaiser, Leiter des Sanitätsunterstützungszentrums in Hammelburg, wird durch die derzeit eingesetzte Truppenärztin in die Lage vor Ort eingewiesen.

Bundeswehr/Patrick Grüterich

Zurzeit befinden sich noch mehr als 600 Soldatinnen und Soldaten verschiedenster Truppenteile im Hilfseinsatz für die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen. Aus dem Sanitätsdienst sind neben den 14 Helferinnen und Helfern des Sanitätsregimentes 2 aus Rennerod auch acht Kameradinnen und Kameraden des Sanitätsdienstes aus Hammelburg, zwei aus Kümmersbruck und zwei aus Pfungstadt vor Ort um den Menschen zu helfen. Zu den vielfältigen Aufgaben der Männer und Frauen des Sanitätsdienstes gehört natürlich auch immer die sanitätsdienstliche Versorgung der im Gebiet helfenden Kameradinnen und Kameraden der anderen Truppenteile.

von Dr. Nadine Seumenicht

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