Streitkräftebasis
„Loggies“ im Manöver

„Nachschub rollt!“ Spezialisten der Logistik proben den feldmäßigen Einsatz

„Nachschub rollt!“ Spezialisten der Logistik proben den feldmäßigen Einsatz

Datum:
Ort:
Brandenburg
Lesedauer:
4 MIN

Die Logistiker der Streitkräftebasis müssen ihr wichtiges Handwerk beherrschen. Denn sowohl im Einsatz, als auch in der Landes- und Bündnisverteidigung, kommt dem „Nachschub“ eine Schlüsselrolle zu. Erst durch die Spezialistinnen und Spezialisten der Logistikbataillone kommen die Kräfte der Bundeswehr nachhaltig und effektiv zur Wirkung.

Ein Container wird auf einen LKW verladen.

Logistische Verfahren üben und trainieren, damit im „Ernstfall“ der Nachschub rollt. Die Spezialisten der Streitkräftebasis sind die Möglichmacher für alle Truppenteile der Bundeswehr.

Bundeswehr/Ralf Wilke

Logistiker der Streitkräftebasis halten die Truppe mobil. Wenn der „Nachschub rollt“ klappt die Landes- und Bündnisverteidigung planmäßig. Denn die mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis stellen im Einsatz die Folgeversorgung der kämpfenden Truppe sicher. Heer, Luftwaffe, Sanitätsdienst und Verbände der SKBStreitkräftebasis selbst, müssen sich auf einen reibungslosen Ablauf „hinter den Linien“ verlassen können. Schäden an Kraftfahrzeugen müssen behoben, Munition und Treibstoff transportiert und gelagert werden. Für diesen wichtige Auftrag wird im Ausbildungsbetrieb zu Hause im Inland ausgebildet und geübt. Dazu wird jede eingesetzte Soldatin und Soldat auf ihrem oder seinem „Job“ und auch im Zusammenwirken als Team in Landoperationen trainiert. Dazu zog das Logistikbataillon 172 aus Beelitz in die Feldeinsatzübung „Havellogistik 23“.

Übung im zivilen Umfeld

Die Bataillonskommandeurin, Oberstleutnant Anja Buresch-Hamann, hat dazu jede ihrer insgesamt sechs Kompanien mobilisiert: „Während der Übung Havellogistik 23 wird das Logistikbataillon 172 inmitten von Dörfern, Siedlungen und Städten des Havellandes eingesetzt. Wir üben logistische Verfahren freilaufend mitten unter der Zivilbevölkerung. Das hat es lange nicht mehr gegeben.“ Darum war diese Übung auch so wichtig für den Verband, der einsatzbereite Kräfte für die nationalen Unterstützungskräfte NRFNATO Response Force 22-24 sowie für die Landes- und Bündnisverteidigung stellt. Die Übung konzentrierte sich auf den Landkreis Havelland nördlich der Stadt Rathenow. Rund 550 Soldatinnen und Soldaten verlegten mit etwa 350 Radfahrzeugen aus der Beelitzer Hans-Joachim-von-Ziethen-Kaserne in ihre zugewiesenen Einsatzräume. Darunter auch die Schwerlasttransporter vom Typ Mammut der 5. Kompanie, die jeweils bis zu 70 Tonnen transportieren können.

Alle Gewerke in Übung

So war ganz schön was los im ländlich geprägten Havelland. Die Kompanien waren mit ihren Gruppen und Zügen untergezogen, wie es militärisch heißt. Das bedeutet, sie haben sich und ihre Fahrzeuge bestmöglich getarnt. Der Gefechtsstand des Bataillons, wo sozusagen die Fäden gezogen werden und auch zusammenlaufen, befand sich beispielsweise in einem Ausbildungszentrum der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes. Die Logistiker wurden einfach in den laufenden Betrieb integriert und fanden Platz für die Fahrzeuge sowie Container, aus denen der mobile Bürokomplex geformt wird. Verteilt auf alte Industrieanlagen und Freiflächen, stellte die „Zwote“ Kraftstoff, Wasser, Verpflegung, Munition und Fahrzeugersatzteile sowie andere Versorgungsgüter für die übenden Kameradinnen und Kameraden bereit. Aber nicht nur dies, sondern über die Einspielung von bestimmten Szenarien probten sie auch die Versorgung größerer Verbände. Dazu wurden eigens Munitionsattrappen mitgeführt, um die Verfahren realistisch darstellen zu können. 

  • Soldaten laden mittels eines Staplers material von einem LKW ab

    Den Teilnehmenden bot sich ein realistisches Szenario. Geübt wurden alle möglichen Handlungen, um auch Erkenntnisse im Zusammenwirken zu erhalten. Materialumschlag gehörte dazu.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Szene in einem Bürocontainer. Soldat arbeitet am Laptop

    In den Gefechtsständen der Kompanien werden die Befehle empfangen, ausgewertet und in logistische Handlungen umgesetzt. Vernetzt sind sie mit dem Bataillonsgefechtsstand, wo die Fäden der Übung zusammenlaufen.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Ein Kranfahrzeug schleppt einen LKW ab.

    Auch das muss während eines Gefechts gewährleistet sein: Kräfte der ersten Kompanie bergen ein ausgefallenes Transportfahrzeug. Es wird der Instandsetzung zugeführt.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Zelte neben einem Kranfahrzeug.

    So realistisch wie möglich: Die Soldatinnen und Soldaten wurden feldmäßig untergebracht und verpflegt. So befanden sich die Schlafplätze nah am Arbeitsplatz oder in der Nähe des Fahrzeugs, auf dem man eingesetzt war

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Zwei Schweißer bei der Arbeit

    Auch das ist wichtig: Soldaten der Instandsetzungskompanie bauen Panzersperren für die Sicherung des Bataillons

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Szene in einer improvisierten LKW-Werkstatt

    Die kriegen das hin: Logistikverbände der SKBStreitkräftebasis – wie das LogBtl 172 – sind darauf spezialisiert, die zu versorgenden Truppenteile mobil zu machen und zu halten

    Bundeswehr/Ralf Wilke

Ein Rädchen greift in das andere

Einen Schwerpunkt legte die Kommandeurin auf das Üben der logistischen Leistungserbringung für die Truppe, die weit vorne in der Landes- und Bündnisverteidigung eingesetzt ist. „Ich will, dass mein Bataillon Güter transportiert, umschlägt und lagert sowie Schadfahrzeuge instandsetzt was das Zeug hält. Schnell und unter feldmäßigen Bedingungen.“ Was auch so geschah, wie etwa auf einem Segelflugplatz oder auf der Betonfläche einer ehemaligen landwirtschaftlichen Produktionsstätte zu beobachten war. Wo Silos heute noch Futtermittel speichern, stapelten die „Loggies“ ihre Container und Paletten. Kranfahrerinnen, Führer von Containerstaplern und Besatzungen von Feldumschlaggeräten vertieften ihre Fähigkeiten. Die Transporteinheiten des Bataillons hatten alle Hände voll zu tun, die imaginär angeforderten Versorgungsgüter pünktlich, schnell und sicher an ihre jeweiligen Bestimmungsorte zu verbringen. Die Wartungstrupps übten das Bergen von teils schweren Fahrzeugen und die Kameradinnen und Kameraden in der Instandsetzung hielten den Fuhrpark auf Trab. 

Feldmäßig üben heißt Schichtdienst

Eine Herausforderung für alle Übungsteilnehmenden stellte der Schichtdienst dar. Wie in einem Einsatzfall auch, müssen die Soldatinnen und Soldaten neben ihren logistischen Aufgaben auch Wache stehen, Streife laufen und Alarmposten besetzen. Der Tarnung der eigenen Bereiche und der Gefechtsstände kommt ebenso höchste Bedeutung zu. Denn im Fall des Falles schützen eine gute Tarnung und robuste Sicherungsmaßnahmen das Leben der Besatzungen. So lief der Übungsbetrieb rund um die Uhr und auch unter Zeitdruck. Die zivile Bevölkerung war mittels Radiodurchsagen und von der Presse informiert worden. Die Menschen nahmen wohlwollend zur Kenntnis, dass sich „ihre“ Bundeswehr einsatzbereit und professionell in der Öffentlichkeit zeigte. Marschkolonnen wurden daher nicht als Verkehrshindernis angesehen. In den Köpfen der Bevölkerung gelten sie als ein wichtiges Element der Übung zur Sicherstellung der Landes- und Bündnisverteidigung. Diese hat angesichts der Zeitenwende an Bedeutung und vor allem Akzeptanz gewonnen.

von Ralf Wilke  E-Mail schreiben

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