Streitkräftebasis

Corona-Krise: Desinfektionsmittel von der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr

Corona-Krise: Desinfektionsmittel von der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr

Datum:
Ort:
München
Lesedauer:
4 MIN

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrtruppe unterstützt in der Corona-Krise mit Expertise und der Herstellung von Desinfektionsmitteln nach einem patentierten Verfahren. Studierende der Universität der Bundeswehr fertigen Hilfsmittel. Staatssekretär Silberhorn würdigt bei einem Besuch in München das Engagement. 

Ein Mann in Schutzkleidung und zwei Soldaten im Feldanzug stehen im Freien vor Tanks. Im Hintergrund Lastwagen.

Mobile Produktionsstätte: Die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrtruppe hat ihre Ausrüstung mit mehreren Lastwagen nach München gebracht. Auf dem Campus der Universität der Bundeswehr produziert sie Desinfektionsmittel.

Bundeswehr/Emir Fetahaj

Desinfektionsmittel, Gesichtsschilde, Adapter für handfreie Türklinken: Auf dem Campus Neubiberg der Universität der Bundeswehr München entstehen wichtige Hilfsmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommando aus Bruchsal hat dort eine mobile Produktionsstätte errichtet und stellt vor Ort nach einem patentierten Verfahren Desinfektionsmittel her. Damit lassen sich Flächen, Räume und Gebäude desinfizieren. Die Mittel gehen an Institutionen in Bayern.

Reservist stellt Patent zur Verfügung

Soldat in Gelben Schutzanzug holt Arbeitsmaterial von der Pritsche eines Lastwagens.

Die Herstellung von Desinfektionsmittel, aber auch Dekontamination und Laborarbeit gehören zur Expertise der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Truppe. Die Technik ist auf Lastwagen verladbar und kann mobil eingesetzt werden.

Bundeswehr/Emir Fetahaj

Bei der Herstellung der Desinfektionsmittel für Flächen waren die Testläufe auf dem Campus Neubiberg bereits erfolgreich. Es handelt sich um ein chemisch-technisches Verfahren. Die hierzu notwendige Methode ist patentrechtlich geschützt, der Patentinhaber - ein Reservist der Bundeswehr - stellt es der Bundeswehr aber aufgrund der Corona-Lage kostenlos zur Verfügung. Das Mittel hat eine höhere Leistungsdichte als handelsübliche Flächendesinfektionsmittel. Außer dem Patentinhaber darf es nur die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrtruppe der Bundeswehr herstellen und verteilen. Die Soldatinnen und Soldaten der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr haben bereits damit begonnen, mit diesem Verfahren und ihrer modernen Wasseraufbereitungsanlage Desinfektionsmittel für Institutionen im Bundesland Bayern herzustellen. Damit sollen Krankenhäuser, Altenheime und öffentliche Gebäude desinfiziert werden. Das Bayerische Innenministerium hatte hierfür einen Amtshilfeantrag gestellt, den das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr positiv entschieden hat. Oberst Klaus Werner Schiff: „Wir werden in unseren Grundfähigkeiten gefordert und bringen sowohl unser Fachwissen als auch unser Material zum Schutz unserer Bevölkerung wirkungsvoll zum Einsatz.“

Expertise der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr bei Analysemethoden

Coronavirus 2019-nCoV

Die Abteilung XXI Mikrobiologie des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz erbringt mit einer mikrobiologischen Nachweismethode bei Patientenproben den Nachweis für eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV, am 28.02.2020.

Bundeswehr/Patrick Grüterich

Mit der sogenannten PCRPolymerase-Ketten-Reaktion-Analytik (Polymerase Chain Reaction / deutsch Polymerase-Kettenreaktion) kann die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrtruppe Proben untersuchen und feststellen, ob sich darauf Viren befinden – auch das Coronavirus (SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom Cov-2). Bei dieser mikrobiologischen Methode identifizieren die Experten mit Hilfe von Laborgeräten den genetischen Fingerabdruck des Virus und können ihn dadurch nachweisen. Oberst Schiff erklärt: “Wir können bei der Analyse von Umweltproben unter Nutzung von Verfahren mit PCRPolymerase-Ketten-Reaktion-Gerät und wissenschaftlicher Fachexpertise unterstützen. Dies bedeutet, dass auch wir bei Umweltproben das Vorhandensein von SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom Cov-2 Viren nachweisen könnten.“ Dekontamination und Desinfektion gehört ebenfalls zu den Aufgaben der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr. Das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommando prüft derzeit, ob und wie es Schutzmasken der Klassen FFPfiltering face piece 2 und 3, wie sie derzeit etwa von medizinischem und Labor-Personal genutzt werden, dekontaminieren kann. Die Masken mit Filter, die derzeit Mangelware sind, könnten dadurch eventuell ein zweites Mal sicher verwendet werden. Das Verfahren arbeitet mit Hitze, also der thermischen Dekontamination. Die Ergebnisse erster Versuchsreihen sind erfolgversprechend. Aktuell prüft die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr das Verfahren gemeinsam mit der DEKRA und dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Schutztechnologien in Munster. Oberst Klaus Werner Schiff ist zuversichtlich: „Grundsätzlich sollte es daher möglich sein, auch diese Fähigkeit zur Unterstützung von medizinischen Einrichtungen einzusetzen.“

Umfassendes Kräftepaket der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr

Soldat in gelber Schutzkleidung und Soldaten im Feldanzug im Freien zwischen Lastwagen. Auf dem Boden Kanister, ein Trichter.

Know-How gegen Corona: Soldaten und Soldatinnen der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrtruppe in München.
Sie stellen Desinfektionsmittel für bayerische Institutionen direkt vor Ort her.

Bundeswehr/Emir Fetahaj

Das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommando der Bundeswehr hat verschiedene Möglichkeiten, in der Corona-Krise zu unterstützen. Oberst Klaus Werner Schiff, Kommandeur des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommando aus Bruchsal, erklärt: „Unser militärischer Auftrag orientiert sich daran, auf atomare, biologische und chemische Bedrohungen schnell und umfassend durch Prävention und Schutz reagieren zu können.“ In der Corona-Krise seien die Fähigkeiten der Spezialisten nun gefragt, so Schiff: „Mit dem Wissen und Einsatz meiner Soldatinnen und Soldaten können wir uns daher mit unserer Fachkompetenz effizient einbringen und so etwas zum Schutz und zur Bewältigung der COVID-19Coronavirus Disease 2019 Lage beitragen.“ Mit dem Desinfektionsmittel, aber auch mit Analysetechniken und der Dekontamination von Masken und Schutzkleidung kann die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr technische Amtshilfe leisten. Schiff: „Das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommando hat hierfür ein umfassendes Kräftepaket geschnürt.“ 

Task-Force der Universität der Bundeswehr

Ein lachender Mann im blauen Anzug öffnet mit dem Ellbogen eine Türklinke,.

Hilfsmittel: Mit dem Adapter der Studierendengruppe lässt sich eine Türklinke mit dem Ellbogen öffnen. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn probierte das Produkt vor Ort in München aus.

Bundeswehr/Emir Fetahaj

Gesichtsschilde für medizinisches Personal und Adapter für handfreie Türklinken aus dem 3D-Drucker: Eine Task-Force aus Studierenden der Universität der Bundeswehr München und deren Mentorinnen und Mentoren hat sich daran gemacht, Hilfsmittel für den Einsatz gegen Corona zu produzieren. Die Forschungs- und Arbeitsgruppe hat sich aus Freiwilligen aus dem universitätseigenen „Additive Manufacturing Design Cluster“ (AMDEC) gebildet. Leutnant zu See Alexander Genzel leitet die Arbeitsgruppe und stellte sie Staatssekretär Silberhorn bei dessen Besuch vor. Für die Studierenden – sie kommen aus Ingenieursstudiengängen –  sei der Besuch „ein starkes Zeichen der Wertschätzung von Eigeninitiative und eines freiwilligen gesellschaftlichen Engagements in der Bundeswehr“, so Genzel. „Wir möchten ein Zeichen setzen, dass jeder in dieser Krise durch Eigeninitiative und Kreativität einen Beitrag leisten kann.“

Silberhorn lobt „beispielgebende Zusammenarbeit“

Soldaten im Feldanzug und ein Zivilist sitzen in einem Unterrichtungsraum.

Brigadegeneral Thomas Hambach (vordere Reihe, rechts), Kommandeur des Landeskommando Bayern, berichtet über die Amtshilfe. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn (vordere Reihe, links) war zu einem Informationsbesuch in München.

Bundeswehr/Emir Fetahaj

Staatssekretär Thomas Silberhorn informierte sich bei seinem Besuch in München auch über die Arbeit des Landeskommando Bayern in der Corona-Pandemie. Im Lagezentrum in der Fürst-Wrede-Kaserne laufen alle Amtshilfeanträge aus dem Bundesland zusammen, von helfenden Händen in Alten- und Pflegeheimen in Franken über die Leihgabe eines CT-Scanners für eine Münchner Klinik bis zu den Flächendesinfektionsmitteln. Brigadegeneral Thomas Hambach, Kommandeur des Landeskommando Bayern, informierte den Staatsekretär über den aktuellen Stand der Amtshilfeersuchen und die laufenden Hilfeleistungen der Bundeswehr. Silberhorn lobte die zivil-militärische Zusammenarbeit insbesondere bei der aktuellen der Flächendesinfektionsmittel als „eine beispielgebende Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und verantwortungsvollen Unternehmern.“

von Felicia Englmann, Alexander Genzel, Daniel Schwald   E-Mail schreiben

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Mehr zum Thema