Jubiläum

30 Jahre Familienbetreuungsorganisation in der Bundeswehr

30 Jahre Familienbetreuungsorganisation in der Bundeswehr

Datum:
Ort:
Potsdam
Lesedauer:
3 MIN

Mit einem Festakt feiert die Familienbetreuungsorganisation am 7. September 2023 ihr 30-jähriges Jubiläum. Mit ihren zahlreichen Familienbetreuungszentren, -stellen und ehrenamtlich Mitarbeitenden steht sie den Angehörigen der im Einsatz befindlichen Soldatinnen und Soldaten mit Rat und Tat zur Seite.

Eine größere Gruppe Menschen steht winkend vor einem Eingangstor.

Hand in Hand für die Familien - Soldaten, Zivilbeschäftigte und ehrenamtliche Helfer engagieren sich in der Familienbetreuungsorganisation

Bundeswehr/Stübner

Der Beginn des ersten bewaffneten Auslandseinsatzes der Bundeswehr – United Nations Operation in Somalia II (UNOSOMUnited Nations Operation in Somalia II) – im März 1993 stellte die Soldatinnen und Soldaten, aber auch ihre Angehörigen zuhause vor bis dahin unbekannte Herausforderungen. Obwohl es sich bei diesem ersten mandatierten Einsatz noch nicht um einen Kampfeinsatz, sondern um eine Friedensmission der Vereinten Nationen handelte, bedeutete er viele Monate der Abwesenheit von zu Hause. In dieser Zeit machen sich die Daheimgebliebenen nicht nur Sorgen um ihre Partnerinnen und Partner, sie müssen auch den Alltag und beispielsweise die Kinderbetreuung allein bewältigen. Um den Familienmitgliedern in dieser Zeit zur Seite zu stehen, baute die Bundeswehr ab 1993 die Familienbetreuungsorganisation, kurz FBO, auf und gründetet die ersten Familienbetreuungszentren.

Über die Jahre entstanden bundesweit so aktuell 32 Familienbetreuungszentren, die in ihrer Arbeit von bis zu 50 Familienbetreuungsstellen unterstützt werden. Somit ist für jeden Angehörigen einer Soldatin oder eines Soldaten innerhalb Deutschlands eine Anlaufstelle in räumlicher Nähe entstanden. Die Mitarbeitenden der FBO stellen für den Ernstfall eine schnelle Erreichbarkeit rund um die Uhr sicher. Bei ihrer täglichen Arbeit erhalten sie Unterstützung durch kommunale Behörden und Ämter, ehrenamtliche Initiativen, Vereine, Verbände und andere Einrichtungen innerhalb der Bundeswehr.

Betreuung und Fürsorge

Die Arbeit der FBO ermöglicht es den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, sich gänzlich auf ihre dortigen Aufgaben zu konzentrieren. Sie können sicher sein, dass ihre Familien zu Hause gut betreut, beraten und unterstützt werden. Die FBO informiert die Angehörigen im Gegenzug regelmäßig über die Lage in den Einsatzgebieten – individuell oder auch in größeren Gruppen. In enger Abstimmung mit den Dienststellen der Einsatzverbände finden dazu in regelmäßigen Abständen Informations- und Betreuungsveranstaltungen statt. 

Grundsätzliche Fragen der Angehörigen, beispielsweise zur Unterbringung der Soldatinnen und Soldaten oder zur Feldpost, können dabei geklärt werden. Bei anderen Veranstaltungen erfahren sie etwas über Land und Leute in den betreffenden Einsatzgebieten. Monatlich kommt es zu persönlichen Treffen. Die Familien bekommen dort die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Durch die Begegnungen können auch Unsicherheiten in Bezug auf die Risiken und Gefahren gemindert und gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden.

Kinder und Erwachsene, stehen am Eingang der Westernstadt zusammen, für ein Gruppenbild

Die Familienbetreuer organisieren regelmäßig Ausflüge für die Familien, um gerade den Kindern die Zeit der Trennung zu erleichtern

Bundeswehr / FBZ Neubrandenburg

Die Familienbetreuung wird darüber hinaus auch bei individuellen und unverhofften Notfällen tätig. Dies können soziale Schwierigkeiten, Erkrankungen von Familienangehörigen oder – im schlimmsten Fall – auch der Tod eines Angehörigen sein. Durch ihre langjährige Erfahrung und ihr umfassendes Netzwerk zum Sozialdienst der Bundeswehr, der Militärseelsorge und dem Psychologischen Dienst, wissen die Mitarbeitenden der FBO immer einen Rat oder vermitteln unkompliziert einen geeigneten Ansprechpartner. Zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer begleiten die Angehörigen auf Wunsch auch persönlich bei administrativen Angelegenheiten und sind ihnen eine seelische und moralische Stütze.

Auch Ausflüge in Freizeitparks, Museen oder spezielle Aktivitäten für Soldatenkinder gehören zu den Angeboten der FBO. Für die Familienangehörigen bedeutet die Teilnahme eine kleine Flucht aus dem anstrengenden Alltag. Oftmals werden hier auch Freundschaften geknüpft, die über die Zeit des Einsatzes hinaus bestehen bleiben.

Ein kleines Dankeschön

Heute umfasst die FBO in Summe fast 470 Mitarbeitende. Allein in den vergangenen zwölf Monaten betreuten sie etwa 29.000 Angehörige und Bezugspersonen von Soldatinnen und Soldaten, die sich in einem Einsatz oder einer einsatzgleichen Verpflichtung befanden. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass sich die Vielzahl der Betreuungsstellen positiv auf die Kontaktaufnahme der Familien auswirkt. Die FBO arbeitet auch deshalb stetig an der Ausweitung ihres Angebots. So ist auch die Eröffnung weiterer Zentren beabsichtigt, um in der Fläche noch präsenter und schneller erreichbarer zu werden.

Ihre Erfolgsgeschichte feiert die FBO nach nunmehr 30 Jahren personeller, organisatorischer und finanzieller Unterstützung der Familien am 7. September 2023 mit einer besonderen Veranstaltung. Sie wird im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee, am Sitz des Leit-Familienbetreuungszentrums, stattfinden. Neben einer Ausstellung mit Impressionen aus der täglichen Arbeit kommen auch Bundeswehrangehörige per Videobotschaft direkt aus den Einsatzgebieten zu Wort. Für die FBO ist der Anlass eine schöne Möglichkeit, ein wenig in die Vergangenheit zu blicken und den Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und allen Unterstützenden für ihr außerordentliches Engagement in den letzten drei Jahrzehnten zu danken.

von Patrizia Schmidt

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