Amtshilfe

Pioniertaucher im scharfen Einsatz

Pioniertaucher im scharfen Einsatz

Datum:
Ort:
Bayern
Lesedauer:
3 MIN

Es ist nicht ihr erster gemeinsamer Einsatz im Starnberger See: Immer wieder arbeiten Bundeswehr, Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst professionell zusammen, wenn verdächtige Objekte im See gefunden werden. Heute geht es um die Bergung von drei Kilogramm Trinitrotoluol, kurz TNTTrinitrotoluol-Sprengstoff, in zwölf Metern Tiefe.

Taucher in Ausrüstung steigt an Leiter in einen See.

Der Pioniertaucher steigt in den fünf Grad kalten Starnberger See, um Munition aus dem 2. Weltkrieg zu bergen

Bundeswehr/Thomas Sauer

Das Thermometer zeigt Minusgrade. Die Männer und Frauen auf der „Percha“ haben die Jackenkrägen hochgeklappt an diesem kalten Dezembermorgen, während die Fähre langsam über den See gleitet. Die „Percha“ ist eine Fähre mit Heimathafen im Taucherausbildungszentrum der Bundeswehr im Norden des Starnberger Sees und dient dem Transport von Tauchern. Heute läuft sie begleitet von einem Boot der örtlichen Wasserschutzpolizei im Rahmen der Amtshilfe aus. Mit an Bord ist auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Freistaats Bayern. Ziel der gemeinsamen Fahrt über den Starnberger See ist der Berger Ortsteil Leoni. Hier hatten die Pioniertaucher der Bundeswehr bei einem Nachttauchgang des Ausbildungszentrums alte Munition entdeckt und ordnungsgemäß an die Polizei gemeldet, damit diese die Räumung in die Wege leitet. Nach einem Amtshilfeantrag der zuständigen Stellen an das Landeskommando Bayern sind die Bundeswehrtaucher nun gemeinsam mit Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst zurück in Leoni, um die Munition zu bergen.

Wissen über den Munitionsfund schafft Sicherheit

„Wir haben gute Sicherheitsvorschriften“, sagt einer der Feldwebel an Bord der „Percha“, wenn man ihn nach seinem Gefühl zum bevorstehenden Tauchgang fragt. Mit geübten Handgriffen zieht er sich den Neoprenanzug über, legt das Tauchermesser ums Bein und schlüpft in die Handschuhe. Da die Taucher des Ausbildungszentrums selbst die Munition entdeckt und gemeldet hatten, seien bereits viele Details zum Fundobjekt bekannt und die Stelle im See markiert, so der Soldat. Das mache die Situation handhabbar. Die Munition, die in 12 Meter Tiefe in der Nähe des Ufers auf dem Grund liegt, stamme aus dem 2. Weltkrieg und habe keine sichtbaren Zünder mehr. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn die Sprengladung würde im Fall einer Detonation ausreichen, um ein kleines Haus zu zerstören.

Fähre im Winter auf dem Starnberger See.

Die „Percha“ ist eine von zwei Fähren, die das Taucherausbildungszentrum der Bundeswehr am Starnberger See besitzt. Von hier starten die Taucher ihre Einsätze.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Zivil-Militärische Zusammenarbeit geht Hand in Hand

Eine kurze Besprechung im Inneren der Fähre, dann kann es losgehen. Die beiden Taucher überprüfen ein letztes Mal die Ausrüstung, dann steigt einer von ihnen in den fünf Grad Celsius kalten See. Der zweite nimmt als Sicherheitstaucher seinen vorgesehenen Platz an Deck ein. Ein kurzes Handzeichen, dann taucht der Soldat vollständig ab. Kaum sichtbar steigen Luftblasen aus dem kalten See nach oben und platzen an der sonst ruhigen Wasseroberfläche. Zwölf Meter tief ist der See hier.
Nicht lange und der Pioniertaucher hat unter Wasser geschickt eine Halterung angebracht, damit der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Fund an Deck der Fähre in Empfang nehmen kann. Die Spezialisten der Firma Tauber, die die Kampfmittelbeseitigung für den Freistaat Bayern übernehmen, untersuchen das von Muscheln bewachsene Kästchen sorgfältig. Vorsichtig entfernen sie die Muscheln, sehen sich die für die Zünder vorgesehenen Stellen an. Die Firma stuft den Fund vor Ort ein; sie hat Spezialisten für Munitionsfunde aus dem 2. Weltkrieg. Im Anschluss wird die Munition an die Wasserschutzpolizei übergeben, die diese sicher an Land bringt und von dort durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportieren lässt.

Immer wieder Funde im Starnberger See

Währenddessen sucht der Taucher der Bundeswehr den Grund des Sees in der Nähe der Fundstelle auf weitere Munition ab. Nach etwa 20 Minuten ist der Tauchgang erfolgreich beendet. Keine weitere Munition gefunden. Da der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Freistaats Bayern über keine eigenen Taucher verfügt, wurde die Bundeswehr für die Bergung unter Wasser um Amtshilfe gebeten. Ein bewährtes Verfahren bei solchen Funden, versichern die Beteiligten. „Unsere Taucher können hier den scharfen Einsatz üben“, stellt Hauptmann Stefan K. den Vorteil für seine Leute heraus. Er ist Hörsaalleiter am Taucherausbildungszentrum und leitet den heutigen Taucheinsatz. Die Verantwortung für die Räumung liegt beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, der für den Freistaat Bayern agiert. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Waffen, Munition oder Granaten entdeckt und mit guter Zusammenarbeit erfolgreich geräumt.

Munitionsfund aus dem 2. Weltkrieg mit Muscheln bewachsen, von einem Mann in den Händen gehalten.

Der Munitionsfund stammt aus dem 2. Weltkrieg. Nachdem der Taucher ihn aus dem See geborgen hat und er an die Oberfläche geholt wurde, stuft der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Fund ein.

Bundeswehr/Thomas Sauer
Ein Soldat und ein Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes im Gespräch.

Bewährte Zusammenarbeit: Der Verantwortliche des Taucherausbildungszentrums in Percha und des Kampfmittelbeseitigungsdienstes tauschen sich über die gefundene Munition aus

Bundeswehr/Thomas Sauer
von Victoria Förster  E-Mail schreiben

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