Neue Wege in der Reserve

Vernetzt: Heimatschützende üben gemeinsam auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Vernetzt: Heimatschützende üben gemeinsam auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Datum:
Ort:
Bergen
Lesedauer:
4 MIN

Der Krieg in der Ukraine hat verdeutlicht, welche Rolle der Heimatschutz im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung spielt. Um den Ausbildungsstand der Soldatinnen und Soldaten abzufragen und das Zusammenspiel verschiedener Kompanien zu festigen, haben Bremen und die Heimatschutzkompanie „Küste“ mit einem Ausbildungszug aus Delmenhorst geübt.

Zwei Soldaten im Schützengraben zielen mit ihren Gewehren auf Ziele auf dem Übungsplatz Bergen.

Heimatschützer aus drei unterschiedlichen Bereichen üben gemeinsam auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen. Die Art der Vernetzung ist neu und soll die Fähigkeiten zur Zusammenarbeit stärken.

Bundeswehr/Konstantin Zilke

„Ich bin wirklich gespannt, wie ich mich schlagen werde.“ Gefreiter Cedric V. (22) absolviert die Spezialausbildung im Heimatschutz in Delmenhorst und nimmt mit seinen Kameradinnen sowie Kameraden an einer großen vernetzten Herbstübung der Heimatschutzkompanien „Bremen“ und „Küste“ teil. Das Gefechtsschießen „Jägerzug in der Verteidigung“ mit scharfer Munition heißt für den jungen Soldaten: Sein Maschinengewehr schnell in Stellung bringen, Feindbewegungen im Blick halten, alle Kommandos befolgen, die in rascher Folge durch den Schützengraben gebrüllt werden. Alles immer wieder geübt, doch plötzlich macht sich trotzdem Nervosität breit. Die Schießbrille ist nass vom Regen, der Untergrund der Stellung matschig und sitzt der Gehörschutz überhaupt noch richtig? Durchatmen, als der „Leitende“ nach 20 Minuten „Übungsende“ ruft. Cedric V. und seine Kameradinnen und Kameraden vom Ausbildungszug des Logistikbataillons 161 haben ihre Sache gut gemacht. Selbst der strenge Sicherheitsoffizier hat nichts zu bemängeln. Und die Soldatinnen und Soldaten der Heimatschutzkompanien? Nicken anerkennend – die Jungen haben einen Ausbildungsstand, um den sie einige der Älteren fast ein bisschen beneiden.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Der Sicherheitsoffizier blickt konzentriert ins Gelände.

Beim Gefechtsschießen muss der Sicherheitsoffizier alle Stellungen im Blick haben, um jederzeit eingreifen zu können. Er ist Ansprechpartner, wenn Einzelschützen oder Aufsichten Probleme nicht lösen können.

Bundeswehr/Andrea Hilscher

Genau darum geht es bei der vernetzen Übung: Dass die Älteren und die Jüngeren ihre Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und ihre Abläufe aufeinander abstimmen. Daran müssen auch die Kompaniechefs von „Bremen“ und „Küste“ arbeiten. Ihre Prüffragen: Auf welchem Ausbildungsstand sind die Kameradinnen und Kameraden? Wie organisieren wir unsere Wacheinteilung? Wer nimmt wann an welchen Übungsabschnitten teil? Und wo lässt sich die Kommunikation zwischen den Kompanien und ihren einzelnen Zügen noch verbessern? Gerade wo es um den Umgang mit scharfer Munition geht, darf es keinerlei Unklarheiten geben. Wenn also ein Sicherheitsoffizier sagt, beim Handgranaten werfen darf nur der auf die Bahn, der „unmittelbar vorher“ einen Übungsdurchgang absolviert hat, dann müssen all jene außen vor bleiben, deren Üben schon zwei Monate zurückliegt.

Leistung auf den Punkt abliefern

Soldatinnen und Soldaten eines Panzervernichtungstrupps laufen durch das Unterholz eines Waldes.

Für die Soldatinnen und Soldaten heißt es auf dem Übungsplatz: Geforderte Leistungen jederzeit abliefern zu können. Für den Panzervernichtungstrupp mit sperrigen Waffen im dichten Unterholz eine Herausforderung.

Bundeswehr/Andrea Hilscher

Der Alltag für die Heimatschützer in Bergen ist hart. Um fünf Uhr Wecken, um sechs Uhr Abfahrt zum Übungsplatz, Frühstück irgendwann später. Während die Teileinheitsführenden ihre Befehle für den Tag entgegennehmen, organisieren sich die Soldatinnen und Soldaten in ihren „Nestern“, dem Lager der jeweiligen Gruppen. Wartezeit überbrücken, sich über Ausrüstung unterhalten und dann plötzlich: Im Laufschritt, marsch. Volle Konzentration, körperlich und geistig auf den Punkt die geforderte Leistung abliefern. Herausfordernd, schon im Normalfall. Noch ein bisschen aufregender wird es, wenn man weiß: Hinter mir steht ein General, der sehr genau beobachtet, wie ich mich im Schützengraben schlage. Denn neben den beiden Kommandeuren der Landeskommandos Niedersachsen und Bremen, ist auch Brigadegeneral Andreas Henne – bis Ende September amtierender Kommandeur Kommando Territoriale Aufgaben – nach Bergen gekommen, um sich das vernetzte Üben aus der Nähe anzuschauen.

General Henne lobt das vernetzte Üben

Brigadegeneral Andreas Henne und Kompaniechef Victor D. – beide mit Gehörschutz – beobachten das Gefechtsschießen.

Brigadegeneral Andreas Henne (l.) und Kompaniechef Victor D. beobachten das Gefechtsschießen. Hierbei kommt es auf die Fähigkeiten jeder und jedes einzelnen an – und auf sinnvolles Führen über die verschiedenen Ebenen hinweg.

Bundeswehr/Thomas Krey

General Andreas Henne unterstützt diesen neuen Ansatz des vernetzten Übens. „Das erweist sich als ausgesprochen zielführend“, so seine Einschätzung. „Die Soldatinnen und Soldaten in der Grundausbildung sehen, was später in den Heimatschutzkompanien auf sie zukommt. Diese wiederum können ihre Fähigkeit zum Zusammenarbeiten stärken, sagt Henne – ab Oktober Stellvertretender Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr – und unterstreicht die gewachsene Bedeutung des Heimatschutzes. „Die Ausbildung hier wird sich mehr auf das reale Kriegsbild ausrichten müssen.“ Auch das eine Folge des Kriegs in der Ukraine.

An die eigenen Grenzen gehen – und darüber hinaus

Ein Soldat stützt sich auf einem Pfeiler auf und blickt ins Gelände des Übungsplatzes.

Hauptmann Victor D. sieht im Verlauf des Gefechtsschießen bei Schützen und Leitungspersonal eine steile Lernkurve. Trotzdem sieht er für die Herbstübung im kommenden Jahr Verbesserungspotenzial.

Bundeswehr/Thomas Krey

Für die Soldatinnen und Soldaten in Bergen heißt es jetzt jedoch: Verlegen in den „Übraum Golf“ zur großen Abschlussübung. Die Abkürzung „Übraum“ beziffert ein circa zwei Quadratkilometer großes, fest definiertes Übungsgebiet. Bei strömendem Regen. Drei Züge zur Verteidigung, Wechselstellungen einnehmen, Spähtrupps ausschicken, nachts mit Feindfeuer rechnen. Für Bremens Kompaniechef Victor D. im Rückblick ein echter Härtetest. „Irgendwann waren alle durchnässt und völlig übermüdet – und mussten trotzdem ihre Leistung bringen. Vom Gruppen- über den Truppführer bis hin zum Einzelschützen mussten alle zeigen, was sie sonst nur in der Stationsausbildung üben.“ Irgendwann sei dabei jeder der Teilnehmenden an seine Grenzen gekommen – er selbst eingeschlossen.

Unterm Strich fällt die Bilanz des Hauptmanns positiv aus. „Durch das vernetze Üben wissen wir genau, wo wir stehen, welche Defizite wir ausgleichen müssen und wie hoch der Koordinierungsaufwand ist, wenn man über hundert Soldatinnen und Soldaten zusammenführen will.“ Victor D. nimmt sich Zeit für die Nachbereitung. „Ich hatte vor der Übung bestimmte Bilder im Kopf, die wir darstellen wollten. Wir haben die diese Bilder gezeigt, aber noch fehlten ein paar Farben.“ Im kommenden Jahr, so sein Plan, will er das Bild vervollkommnen. Natürlich gern wieder vernetzt.    

von Andrea Hilscher  E-Mail schreiben

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