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Host Nation Support: Drehscheibe Deutschland

Im Host Nation Support unterstützt die Bundeswehr die Streitkräfte befreundeter Nationen bei ihrem Transit oder Aufenthalt in Deutschland – mit Beratung, Organisation und Personal: eine ressortübergreifende Aufgabe, an der auch zivile Behörden, Blaulichtorganisationen und gewerbliche Unternehmen mitwirken.

Soldaten entladen einen Panzer aus einem Schiff

Host Nation Support: Deutschlands Beitrag im Bündnis

Mit der Veränderung der sicherheitspolitischen Lage in Europa und der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung haben sich die Anforderungen an die erforderliche Unterstützung militärischer Vorhaben verändert. Im internationalen Konflikt- und Krisenmanagement wurden Soldatinnen und Soldaten, Waffensysteme und Munition meist per Lufttransport ins weit entfernte Einsatzgebiet geflogen, Versorgungsgüter vor Ort beschafft. Im öffentlichen Leben in Europa waren diese militärischen Transporte kaum wahrnehmbar.

Die Landes- und Bündnisverteidigung erfordert andere Zahlen und Dimensionen – an militärischen Kräften und Material – und die Verlegungen sind sichtbar, in Europa und besonders in Deutschland. Denn aufgrund seiner geostrategischen Lage in der Mitte Europas führen nahezu alle Transportrouten an die NATO-Ost- und Südostflanke über deutschen Boden. Insbesondere für transatlantische Verstärkungskräfte aus den USA und Kanada, aber auch für britische Truppen fungiert Deutschland daher als erster Anlaufpunkt und Drehscheibe.

Behördenrat, Bewachung, Betriebsstoffe 

Die Unterstützung der Truppen alliierter Nationen bei ihrem Aufenthalt und Transit durch die Bundesrepublik zählt zu den wesentlichen Bündnisverpflichtungen Deutschlands in der NATO. Ein breites Spektrum an Unterstützungsleistungen – von der Einreisegenehmigung über die Transportbegleitung hin zur Bereitstellung von Rasträumen und dem Schutz vor Sabotage – wird dabei unter dem Begriff Host Nation Support zusammengefasst. Auch die Bundeswehr erhält Host Nation Support, und zwar immer dann, wenn deutsche Soldatinnen und Soldaten in einem NATO-Staat zum Einsatz kommen oder ihn durchfahren.

Host Nation Support wird nur auf Antrag erteilt, denn ausländische Streitkräfte dürfen nicht ohne Genehmigung deutschen Boden betreten. Rund 1.000 Anträge pro Jahr bearbeitet das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr in Berlin, unterstützt durch alle Dienststellen der Bundeswehr, darunter auch die 16 Landeskommandos in den Bundesländern.

Ablauf Host Nation Support

Ob Beratung über deutsche Regularien für Schwertransporte, Be- und Entladen von Fähren und Güterbahnen oder Unterbringung und Verpflegung - das Spektrum der Unterstützungsleistungen für alliierte Streitkräfte in Deutschland ist vielfältig.

Bundeswehr/Carolin Sauder

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – aus jeder Richtung 

Die Koordination ist aufwendig und erfordert eine enge regionale Abstimmung mit den entsprechenden Innenbehörden der Bundesländer. Das gilt vor allem bei umfangreichen Verlegungen mit mehreren Tausend Soldatinnen und Soldaten oder bei multinationalen Übungen, bei denen ausländische Truppen komplett versorgt werden müssen. Insbesondere wenn alle Verkehrsträger genutzt werden, kommt einer passgenauen Planung eine besondere Bedeutung zu. Denn die Soldatinnen und Soldaten, die per Flugzeug anreisen, die Fahrzeuge und Waffensysteme sowie Versorgungsgüter, die per Schiff oder auf der Schiene transportiert werden, müssen zur selben Zeit am selben Ort sein – in der richtigen Reihenfolge, damit die Truppe ohne Zeitverzug auf der Straße weitermarschieren kann.

Wichtig: Host Nation Support wird in Frieden, Krise und im Krieg geleistet. Und die Transportrouten führen nicht nur ins Einsatzgebiet, sondern auch zurück. Die Nachschublinien für Verstärkungskräfte, Waffensysteme, Munition und Versorgungsgüter in den Einsatzraum sind dieselben wie die Rücktransportwege für Verletzte, Verwundete, flüchtende Menschen und defektes Material. Hier ist im Ernstfall eine enge Koordination aller Bündnispartner erforderlich, um durchsetzungs- und durchhaltefähig zu bleiben. Auch das ist Host Nation Support.

  • Drei Soldaten und ein Polizist schauen auf eine STraßenkarte, die auf einem Polizeiwagen liegt.

    Zivile Unterstützung: Bei unvorhergesehenen Ereignissen arbeiten Feldjäger, Polizei und ausländische Soldatinnen und Soldaten eng zusammen, um eine optimale Routenführung zu finden (Symbolfoto)

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Zwei Panzer fahren aus einem Schiff

    Auf dem Seeweg zur NATO-Übung: Schweres Gerät wie Kampfpanzer und andere Gefechtsfahrzeuge werden bevorzugt per Schiff oder Schiene transportiert.

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Mehrere Panzer stehen auf Eisenbahnwaggons

    Panzer auf der Schiene: Militärisches Großgerät und Materialcontainer werden in der Regel per Bahn transportiert. Hier warten USUnited States-amerikanische Panzer an einem Hafen auf ihren Abtransport.

    Bundeswhr / PIZ SKB
  • Ein Soldat schaut auf eine Straße. Er steht hinter Sandsäcken und hält eine Waffe

    Wach- und Sicherungsaufgaben: Der Bewachung von Rasträumen - hier durch einen Heimatschützer an der Zufahrt zu einem Militärgelände - kommt insbesondere bei Waffen- und Munitionstransporten eine besondere Bedeutung zu

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Ein Soldat der Militärpolizei hält eine Warnkelle. Ein Geländewagen der US Army fährt auf ihn zu

    Nicht nur in Kasernen: Rasträume können auch auf öffentlichen Plätzen eingerichtet werden. Hier weist ein Militärpolizist eine USUnited States-amerikanische Marschkolonne ein (Symbolfoto).

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Ein deutscher und ein amerikanischer Soldat beugen sich über die offene Motorhaube eines Fahrzeugs

    Gemeinsam schneller reparieren: Auf längeren Märschen sind defekte Fahrzeuge nicht ungewöhnlich. Ein USUnited States-amerikanischer Soldat und ein deutscher Techniker prüfen gemeinsam einen liegengebliebenen Humvee, der abgeschleppt werden musste.

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Eine Soldatin mit Kopfverband liegt am Boden. Zwei andere Soldaten helfen ihr.

    Unfall am Rastpunkt: Auch medizinische Versorgung zählt zu den Leistungen des Host Nation Supports. Hier wird eine USUnited States-amerikanische Soldatin erstversorgt (Symbolfoto).

    Bundeswehr / Anne Weinrich
  • Ein Soldat hält einen Tankrüssel an ein Militärfahrzeug.

    Standardleistung Tanken: Die Bereitstellung von Treibstoff ist eine der von ausländischen Streitkräften am häufigsten angefragten Services

    Bundeswehr / Anne Weinrich

Fragen und Antworten

Warum ist Deutschland als Drehscheibe so wichtig für die NATO, was gehört alles zum Host Nation Support und wer zahlt eigentlich dafür? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier:

Durch seine geostrategische Lage in der Mitte Europas kommt Deutschland eine besondere Rolle zu, wenn Truppenteile der NATO-Bündnispartner zur Rückversicherung und Abschreckung an die NATO-Außengrenzen verlegen. Das gilt insbesondere für Verstärkungskräfte aus den USA, Kanada und Großbritannien, die mehrheitlich in großen Seehäfen in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien ankommen.

Doch nicht nur der Weg in ein mögliches Einsatzgebiet führt durch Deutschland, sondern auch alle Nachschublinien, um die Streitkräfte vor Ort zu versorgen, sowie alle Rücktransporte von Truppen und Material. Damit übernimmt Deutschland eine Schlüsselfunktion für die Handlungs- und Verteidigungsfähigkeit im Bündnis.

Host Nation Support ist die Unterstützung ausländischer Streitkräfte in Deutschland. Das bedeutet: Wenn militärische Kräfte befreundeter Nationen durch Deutschland verlegen, stellt die Bundesrepublik als Gastgeberland (Host Nation) in Absprache mit den alliierten Truppen ein breites Spektrum an Leistungen bereit.

Dazu zählen Transportbegleitung, Rasträume, Treibstoff, Verpflegung, bei Bedarf auch medizinische Versorgung sowie technische Unterstützung und mehr. Auch diplomatische Verfahren wie Einreisegenehmigungen oder die Absicherung gegen Störaktionen und Sabotage gehören zum Aufgabenfeld des Host Nation Supports. Koordiniert wird diese Unterstützung durch das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr.

An der Bereitstellung können alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr sowie zivile Behörden und gewerbliche Unternehmen beteiligt sein. Damit ist Host Nation Support nicht nur ein Auftrag der Bundeswehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Auch die Bundeswehr erhält Host Nation Support bei ihren Partnern, beispielsweise beim Transit deutscher Kräfte durch Polen nach Litauen. In diesem Fall fungiert Polen als Host Nation, Deutschland ist die truppenstellende Nation (Troop Contributing Nation).

Immer wenn sich ausländische Streitkräfte nach oder durch Deutschland bewegen, müssen sie eine Genehmigung beantragen.

Das NATO Status of Forces Agreement, das in seiner Ursprungsfassung aus dem Jahr 1951 stammt, verpflichtet alle Bündnisnationen, die Streitkräfte ihrer Partner bei Aufenthalt und Transit zu unterstützen. Der Host Nation Support ist damit ein wesentlicher Teil der NATO-Bündnisverpflichtungen. Dennoch wird Host Nation Support immer auch individuell vereinbart. Kann die Bundeswehr bestimmte, angefragte Leistungen nicht erbringen – beispielsweise die Bereitstellung eines Spezialtreibstoffs –, muss die anfordernde Nation auf andere Lösungen, zum Beispiel durch gewerbliche Anbieter, zurückgreifen.

Nicht-NATO-Staaten, die das Partnership for Peace-Abkommen zwischen NATO und Nicht-NATO-Ländern unterzeichnet haben, können den Transit und die Unterstützung ihrer Truppen zwar beantragen, diese sind jedoch nicht Vertragsgegenstand. Daher wird im Einzelfall entschieden. Zudem bestehen binationale Vereinbarungen zur gegenseitigen Unterstützung, beispielsweise zwischen Deutschland und Österreich.

Erster Anlaufpunkt alliierter Truppen in Deutschland sind die eigenen Kasernen und Stützpunkte, sofern vorhanden. Außer USUnited States Army und USUnited States Airforce besitzt jedoch keine ausländische Streitkraft ausreichend Kasernen, um eigene Bewegungen durch ganz Deutschland zu unterstützen. Bei Verlegungen durch Europa beispielsweise an die NATO-Ostflanke und -Südostflanke zur Rückversicherung und Abschreckung, aber auch bei multinationalen Übungen greifen alle Nationen auf die Leistungen des Host Nation Supports zurück.

Denn auch militärische Transporte ausländischer Streitkräfte sind an gesetzliche Vorgaben in Deutschland gebunden, müssen beispielsweise die Lenk- und Ruhezeiten beachten, benötigen Transportgenehmigungen für Schwerlastverkehr (Marschkredite) oder gesicherte Rasträume und Übernachtungsmöglichkeiten beim Transport von Munition und Waffensystemen. Hierbei unterstützt die Bundeswehr.

Das Leistungsspektrum im Host Nation Support wird individuell vereinbart. Die truppenstellende Nation übermittelt eine Anfrage mit Unterstützungswünschen. Diese reichen von der Beantragung von Marschkrediten, also militärischen Transporterlaubnissen, und der Begleitung von Transporten durch Feldjägerkräfte und Polizei über die Bereitstellung von Rasträumen, Unterkünften und Werkstätten bis zur Versorgung mit Verpflegung, Treibstoff und Medizin. Auch die Absicherung gegen Störaktionen und Sabotage gehört dazu.

Ein weiteres Aufgabenfeld des Host Nation Supports ist die Information über deutsche Gesetze und Regularien für Militär und Militärtransporte sowie die Beschaffung von Einreise- und Transportgenehmigungen. Kann die Bundeswehr in Absprache mit zivilen Behörden oder über eigene gewerbliche Verträge eine bestimmte Leistung nicht erbringen, wird dies der truppenstellenden Nation zurückgemeldet, die diese dann anderweitig beschaffen muss.

Rund 1.000 Unterstützungsanträge der Streitkräfte befreundeter Nationen bearbeitet die Bundeswehr jährlich. Der zeitliche Umfang und Aufwand variieren stark – von wenigen Stunden Transportbegleitung bis hin zu wochenlanger Unterstützung bei multinationalen Übungen.

Host Nation Support ist nicht allein eine Aufgabe der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Auch zivile Bundeswehrangehörige sind in die Unterstützung der Truppen alliierter Nationen eingebunden, beispielsweise bei der Verpflegung und Unterbringung. Zivile Behörden wie Länder und Kommunen, Polizei und gegebenenfalls Krankenhäuser bei medizinischen Notfällen sowie gewerbliche Dienstleister, beispielsweise Tankstellen und Raststätten, erbringen darüber hinaus Leistungen im Host Nation Support.

Die Leistungen im Host Nation Support ist grundsätzlich kostenpflichtig. Wer eine Leistung bestellt, bezahlt sie. Die Abrechnung erfolgt auf Basis der NATO-Statuten beziehungsweise nach individueller Vereinbarung.

Die gegenseitige Unterstützung der Truppen befreundeter Nationen zählt zu den Grundlagen kollektiver Verteidigungsbündnisse. In den NATO-Statuten ist der Host Nation Support in Europa seit 1951 fixiert.

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