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Die Operation Pegasus

Berlin, 03.03.2011.
Die arabische Welt ist im Umbruch: Nach Tunesien und Ägypten ist es nun die Bevölkerung Libyens, die lautstark einen demokratischen Wandel fordert.

Unter dem Schutz deutscher Soldaten betreten Zivilisten ein Transportflugzeug

Evakuierung aus Libyen (Quelle: Bundeswehr/Andreas J.)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem sich die Unruhen bis Mitte Februar ausgeweitet hatten und der Staat die Sicherheit der ausländischen Staatsbürger nicht mehr gewährleisten konnte, entschieden mehrere Nationen – auch Deutschland –, ihre Staatsbürger zu evakuieren.

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Beginn der Operation

Am 21. Februar begann für die Bundeswehr die Operation Pegasus. Bereits an den folgenden zwei Tagen wurden mit zwei Transportflugzeugen vom Typ Transall insgesamt 130 EU-Bürger, darunter 103 Deutsche, aus der libyschen Hauptstadt Tripolis ausgeflogen. Zur gleichen Zeit verlegte der Einsatz- und Ausbildungsverband (EAV) der Deutschen Marine in Richtung Große Syrte vor der Küste Libyens, um gegebenenfalls von See aus schnell Bürger europäischer Staaten evakuieren zu können.

Der Verband besteht aus den beiden Fregatten Brandenburg und Rheinland-Pfalz sowie dem Einsatzgruppenversorger Berlin. Zusätzliches Personal, unter ihnen Marineschutzkräfte, Feldjäger, Sanitätssoldaten, Sprachmittler und interkulturelle Einsatzberater wurden aus Deutschland zunächst nach Sardinien verlegt, wo sie den EAV verstärken. Auch das Flottendienstboot Oker, das zu dieser Zeit an einem NATO-Manöver teilnahm, wurde in das Seegebiet beordert, um vor der Küste Libyens aufzuklären.

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Undurchsichtige Sicherheitslage

Da die Sicherheitslage in Libyen immer undurchsichtiger wurde, entschied der Verteidigungsminister am 25. Februar, Kräfte für militärische Evakuierungsoperationen (MilEvacOp) in den Mittelmeerraum zu verlegen.

Unter Führung des stellvertretenden Kommandeurs der Division Spezielle Operationen (DSO), Brigadegeneral Volker Bescht, standen neben dem EAV auf Kreta nun zwei Transall mit Sicherungskräften vom Fallschirmjägerbataillon 373 aus dem niedersächsischen Seedorf und vom Feldjägerbataillon 252 aus Hilden für mögliche Einsätze bereit. Die DSO hält Kräfte für die nationale Risikovorsorge vor, um auch kurzfristig derartige Operationen führen zu können.

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Einsatzbefehl zur Evakuierung

Nur eine Nacht verging, bis die beiden Transportflugzeuge ihren Einsatzbefehl erhielten. Das Ziel war der Flughafen der Wüstenstadt Nafurah im südöstlichen Teil Libyens. die Landung im völlig unüberschaubaren Krisengebiet war für die Soldaten nicht ohne Risiko. Es bestand die Gefahr, dass der libysche Diktator, Muammar al-Gaddafi, die besetzten Ölanlagen der Stadt bombardieren und so auch die dort tätigen Europäer gefährden könnte.

Was die Soldaten nach der Landung in einem vom Bürgerkrieg erfassten Land erwartet, ist unklar. Es gilt, den Überraschungsmoment zu nutzen: Geheimhaltung in der Vorbereitung, Überraschung im Ansatz der Kräfte und schnelles, zielgerichtetes Handeln in der Durchführung sind für den Erfolg ausschlaggebend.

Einsatzsoldaten vor einer Transall

Kreta: Vorbereitungen vor dem Abflug (Quelle: Bundeswehr/Andreas J.)Größere Abbildung anzeigen

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„Blindes Vertrauen spielt eine sehr große Rolle.“

Für die Absicherung der Transall während der Aufnahme der zu Evakuierenden in Nafurah ist als Führer der Sicherungskräfte Oberfeldwebel Henner G. verantwortlich. Sein Fallschirmjäger-Team besteht aus kampferprobten Soldaten, die sich bereits im Afghanistaneinsatz bewährt haben.

„Für solche Aufgaben muss man sich gut kennen“, sagt G., „blindes Vertrauen spielt eine sehr große Rolle.“ Der Oberfeldwebel wurde von einem erfahrenen Feldjäger begleitet. Oberstabsfeldwebel Hubertus T. hat acht Auslandseinsätze hinter sich und weiß, worum es geht: „Es ist wichtig, dass man vor einem Evakuierungseinsatz mögliche Szenarien durchspielt und sie bespricht. So kann man kaum überrascht werden.“ Vor Ort müsse man dann einen kühlen Kopf bewahren. „Jeder Einsatz ist anders, Routine darf sich hier nicht einschleichen“, so der Oberstabsfeldwebel, „trotz aller Freundlichkeiten sollte man sich ein gesundes Maß an Misstrauen bewahren.“

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Landung im Osten Libyens

Nach der Landung in Libyen öffnen sich die Luken der Transall. Die auf dem Flugplatz wartenden Menschen, fangen plötzlich an zu laufen. Mit dieser Situation konfrontiert, heißt es nun, Ruhe zu bewahren, denn die Personen müssen zunächst identifiziert werden. Es gibt nur ein begrenztes Kontingent an freien Plätzen und jede Tasche, jeder Koffer bedeutet zusätzliches Gewicht. Aber dieses Mal reicht die Kapazität der beiden Transall aus.

Über Angst sprechen die Soldaten nicht. Sie haben Respekt vor ihrer Aufgabe, weil sie nie genau wissen, was auf sie zukommt. Die Stimmung könnte plötzlich umschlagen, selbst Angriffe sind nicht auszuschließen. Bei diesem Einsatz verläuft aber alles nach Plan, die beiden Maschinen heben ab. An Bord befinden sich 132 Passagiere, darunter 22 Deutsche, die erleichtert nach Kreta ausgeflogen werden.

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Video: Operation Pegasus abgeschlossen

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Quelle: bwtv

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Ein Fazit

In den Folgetagen hielten sich die Einsatzkräfte für weitere Aufträge bereit, eine weitere Evakuierungsoperation war jedoch nicht mehr erforderlich. Am vergangen Donnerstag begannen die Planungen für die Rückverlegung.

Der EAV erhielt einen neuen Auftrag. Die Einheiten unterstützten die internationalen Hilfsaktionen zur Rückführung geflüchteter ägyptischer Staatsbürger aus Tunesien in ihre Heimat.

Bei der Operation Pegasus waren insgesamt rund 1.000 Soldaten eingesetzt. Dazu zählten die drei Schiffe des EAV, Soldaten für die schnelle Luftevakuierung sowie bis zu acht Transall-Maschinen und ein Airbus A310.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Jörg Briedigkeit/PIZ Einsatzführungskommando


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