Scharfer Schuss in Altengrabow

Rüstiger Veteran – der Panzermörser M113 der Bundeswehr

Rüstiger Veteran – der Panzermörser M113 der Bundeswehr

  • Übung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Altengrabow
Lesedauer:
4 MIN

Mörsertrupps bekämpfen einen Gegner in Deckung mit Steilfeuer – in der Regel ohne direkte Sicht auf ihr Ziel. Entsprechend komplex sind die Feuerleitverfahren. Beim Wirkungsschießen der schweren Kompanie des Jägerbataillons 413 führte der Mörserzug dem Führungsnachwuchs des Bataillons die Effektivität der 120–Millimeter-Mörser vor Augen.

Drei Soldaten stehen neben einem Fahrzeug im Wald, zwei halten eine Mörserpatrone

Vorbereitung auf den Marsch: Beim Munitionsbrechen werden die Mörserpatronen aus den Transportbehältern entnommen und anschließend in den Munitionswaben des M113 verstaut. Sind die Patronen im Fahrzeug gesichert, ist der Panzermörser gefechtsbereit.

Bundeswehr/Jörg Volland

Mit heulenden Motoren und mahlenden Ketten brausen drei Panzermörser M113 über einen Waldweg des Truppenübungsplatzes Altengrabow heran. Bravo Eins, Zwo und Drei haben ihre gedeckte Aufstellung verlassen und sind auf dem Weg in die befohlene Feuerstellung. Gut 300 Pferdestärken entwickelt der Dieselmotor eines M113. Nicht zu viel bei einem Gefechtsgewicht von fast 13 Tonnen. Der Panzermörser ist ein Veteran der frühen 70er Jahre und damit doppelt so alt wie die Soldaten, die ihn bedienen. Aber er ist geländegängig.

Die Fahrzeuge gehören zur 5. Kompanie des Jägerbataillons 413. Die Soldatinnen und Soldaten sind für ein Wirkungsschießen aller verfügbaren schweren Waffen des Bataillons nach Altengrabow gekommen. „Wir wollen unserem Führungsnachwuchs die Chance geben, sich von der Wirkung schwerer Waffen ein Bild zu machen“, hatte Kompaniechef Major Eric Morcinek tags zuvor gesagt. Gelegenheit dazu besteht nicht oft. „Aber das schafft bei den Führern ein besseres Verständnis für den Einsatz dieser Waffen im Angriff und in der Verteidigung. Bei der Stellungswahl und beim Stellungsausbau.“ Das leuchtet ein. Und so sind heute neben den 20-Millimeter-Maschinenkanonen der Waffenträger Wiesel, den Panzerabwehrwaffen MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System und Wirkmitteln 90 auch die Panzermörser des Bataillons mit ihren 120-Millimeter-Mörsern unterwegs.

„Sicherheit vor Zeitgewinn“

Vor den Augen ihrer Bataillonskameraden schwenken die Männer die Fahrzeuge in die Feuerstellung, die der Richtkreistruppführer zuvor erkundet und festgelegt hatte. Farbige Geschützflaggen zeigen an, wie sich die Panzermörser des Bravo-Zuges positionieren müssen. Die Munitionsschützen springen von den Fahrzeugen und weisen ihre Fahrer ein. Kaum ist die Position erreicht, sind sie wieder im M113 verschwunden. Bravo Eins von Oberfeldwebel Nico Obst steht an der weißen Geschützflagge. Mithilfe des Periskops an der Waffenanlage und des zuvor im Gelände festgelegten Mörserfestlegepunktes werden die M113 ausgerichtet. Dann verstummen die Motoren.

Jetzt muss die Waffenanlage der Fahrzeuge gerichtet werden. Ihren 120-Millimeter-Mörser hat die Besatzung von Bravo Eins gleich nach dem Erreichen der Feuerstellung aus der Marschsicherung gelöst. „Falls erforderlich, können wir das auch früher erledigen“, sagt Obst. „Aber hier geht Sicherheit vor Zeitgewinn.“ Nach dem Wechsel auf die sogenannte „Ausblickbaugruppe kurz“ nutzt der Richtschütze den Kollimator. Mit diesem optischen Gerät und dem Periskop wird der Mörser korrekt festgelegt.

Im M113 ist das Zweibein des Mörsers auf einer Laufschiene gebettet. So kann die Waffe seitlich gerichtet werden. Zusätzlich lässt sich das Rohr in der Höhe justieren. Die Reichweite hängt auch von der Anzahl der Teiltreibladungen ab, die zusätzlich zur Grundladung am Leitwerkschaft der Mörserpatrone verbleiben. Je mehr Teiltreibladungen aus Zellulosenitrat genutzt werden, desto weiter fliegt die Mörserpatrone. Sechs dürfen es in Altengrabow maximal sein, heute wurde dritte Ladung befohlen.

Ein Panzermörser M113 feuert auf offenem Feld eine Nebelpatrone ab.

Feuerkommando! Ein Panzermörser M113 feuert eine Nebelpatrone neuer Bauart ab. Mehrere Gruppen solcher Patronen erzeugen eine Nebelwand. Nebelwände können taktisch zum Beispiel zum Verschleiern eigener Truppenbewegungen genutzt werden.

Bundeswehr/Jörg Volland

1.600 Meter Gipfelhöhe der Patronen

Mörser sind Steilfeuerwaffen. So können sie auch gedeckte Stellungen bekämpfen, die mit direktem Feuer nicht erreichbar wären. Andererseits sehen die Mörsertrupps ihre Ziele zumeist nicht selbst. Sie sind also auf einen Beobachter angewiesen. „Der meldet dem Feuerleiter die Einschläge und sagt, ob die Gruppen zu kurz oder zu weit liegen“, sagt Obst. So kann das Feuer effektiv korrigiert werden. Um das Ziel wirksam zu bekämpfen, hat der Richtkreistruppführer eine gestaffelte Aufstellung befohlen. Etwa 25 Meter in der Breite und gut zehn Meter in der Tiefe sind die Mörser positioniert. Idealerweise entspricht diese Aufstellung auch der Trefferwirkung im Ziel.

Heute liegt das Zielgebiet rund zwei Kilometer von der Feuerstellung entfernt. Auf ihrem Weg vom Mörserrohr zum Ziel erreichen die Patronen eine Gipfelhöhe von 1.600 Metern. „Dort oben herrschen völlig andere Windverhältnisse als hier unten“, erklärt Oberfeldwebel Obst. „Bei einem kleinen Zielgebiet kann sich das bemerkbar machen.“ Das Funkgerät knackt, es ist Bravo Sechs, der Feuerleitpanzer: „Feuerkommando kommen. Elf Gruppen Spreng, Feuerbereitschaft melden.“ Obst antwortet: „Bravo Eins feuerbereit.“ Kurz darauf lässt der Ladeschütze die erste Patrone ins Rohr gleiten. Ein scharfer Knall, während eine meterhohe Flamme aus dem Rohr schießt. Konzentriert arbeiten die Besatzungen der Panzermörser. Der Feuerkampf dauert kaum zwei Minuten. „Bravo Eins abgefeuert, kommen“ meldet Obst. Dann verlässt der Zug die Feuerstellung und zieht wieder in der gedeckten Aufstellung unter. 

Getroffen haben sie, wenn auch nicht so präzise wie erhofft. Das zeigt sich später bei der Besichtigung des Ziels. Ablage durch den Wind ist einer der Gründe. Dennoch sind die Spuren des Beschusses eindrucksvoll. Handtellergroße Schrapnelle im Boden, tiefe Trichter und abrasierte Bäumchen im Wald lassen den Führungsnachwuchs des Bataillons erahnen, welche Wirkung die Mörser entfalten können.

von Markus Tiedke

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