Quadriga 2024

Elbe-Übergang und Ortskampf: Panzergrenadiere üben „Königsdisziplinen“

Elbe-Übergang und Ortskampf: Panzergrenadiere üben „Königsdisziplinen“

Datum:
Ort:
Klietz
Lesedauer:
4 MIN

Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ hat bei der Übung Wettiner Schwert 2024 den Kampf um Gewässer und im urbanen Raum im Gefechtsübungszentrum Heer in Sachsen-Anhalt trainiert. An dem Vorhaben waren insgesamt 3.200 Soldatinnen und Soldaten aus Tschechien, Norwegen und Deutschland beteiligt.

Mehrere Soldaten stehen oder hocken hintereinander an einer Hauswand, der Soldat vorn schießt.

Der Gegner kann überall sein: Norwegische Soldaten kämpfen sich unter Feuerschutz durch die Straßen von Schnöggersburg.

Bundeswehr/Wolfgang Betz

Multinationalität ist der Panzergrenadierbrigade 37 nicht fremd. Seit 2022 ist die sächsische Brigade Leitverband der multinationalen Landanteile der NATO Response Force (NRFNATO Response Force). In Spitzenzeiten unterstanden bis zu 12.000 Soldatinnen und Soldaten aus neun Nationen dem Kommandeur, Brigadegeneral Alexander Krone. Nach einer Reihe multinationaler Übungen in den vergangenen Jahren trainierten während der Übung Wettiner Schwert in diesem Jahr 3.200 Soldatinnen und Soldaten aus drei NATO-Nationen gemeinsam in Sachsen Anhalt – geführt von der Panzergrenadierbrigade 37. 

Multinationaler Kampf um Gewässer

Der Kampf um und das Überwinden von Gewässern, ein Verlegemarsch und eine sich unmittelbar anschließende Gefechtsübung im urbanen Raum – also in einer Ortschaft – standen auf dem Übungsplan. Jeder Abschnitt für sich genommen ist bereits komplex. Bringt man alle Übungsabschnitte zusammen, wird es noch fordernder.

„Es ist schwer für die Bataillone, ihren eigenen Kampf zu führen. Es wird umso herausfordernder, wenn verschiedene Nationen gemeinsam kämpfen“, bringt es Oberstleutnant i. G. Stefan T. auf den Punkt. Er ist der Leiter der Abteilung Operationsführung der Brigade und hat mit seinem Team die Übung Wettiner Schwert 2024 entwickelt. Entlang eines fiktiven Szenarios der Landes- und Bündnisverteidigung stand zunächst die Ausbildung am Gewässer im Fokus.

Erstausbildung im Bataillonsrahmen

Ein Radpanzer fährt von einem Amphibienfahrzeug herunter an das Ufer.

Der tschechische Radpanzer Pandur II verlässt die deutsche Amphibie M3 bei der Übung Wettiner Schwert möglichst zügig, um dem Gegner kein leichtes Ziel zu bieten

Bundeswehr/Martin Glinker

In einem ersten Durchgang trainierte der deutsche Gefechtsverband bestehend aus dem Panzerbataillon 393, dem Panzergrenadierbataillon 371 und dem Panzerpionierbataillon 701 zuerst den Kampf um Gewässer. Anschließend stand das Überwinden der gewonnenen Gewässerabschnitte auf dem Plan.

Der zweite Durchgang war binational. Das 41. Mechanisierte Bataillon aus dem tschechischen Žatec trainierte, verstärkt um eine deutsche Kompanie des Panzergrenadierbataillons 212, mit über 600 Soldatinnen und Soldaten und mehr als 100 Fahrzeugen das richtige Vorgehen an der Elbe. So kämpften tschechische Radpanzer Pandur sowie deutsche Schützenpanzer Puma und Transportpanzer Fuchs gemeinsam um die Elbe bei den Orten Billberge und Storkau. Die Besonderheit: Nie zuvor wurden die tschechischen Kräfte in dieser Form im Überwinden von Gewässern mit Pionierunterstützung ausgebildet.

Mit Schwung über die Elbe

Am Ende der ersten Übungswoche in Klietz wartete dann der scharfe Durchgang. Radpanzer Pandur rauschten aus dem gewässernahen Verfügungsraum heran und bezogen gedeckt am Ufer der Elbe Stellung. Im Norden und Süden des Gewässerübungsplatzes standen Leichte Flugabwehrsysteme der deutschen Flugabwehrraketengruppe 61 in Stellung und überwachten den Luftraum.

Und dann ging alles plötzlich ganz schnell: Auf zwei Angriffsachsen preschten Radpanzer Pandur und Schützenpanzer Puma bis ans Ufer der Elbe heran, Schlauchboote wurden zu Wasser gelassen und die Stoßtrupps setzten über. Die Schwimmschnellbrücke Amphibie M3 und die Faltschwimmbrücke schwammen ein, koppelten sich zu jeweils einer Fähre zusammen und das Übersetzen der Gefechtsfahrzeuge begann.

„Der Angriff über ein Gewässer und die Organisation einer Gewässerzone sind komplexe Aufgaben in einer kritischen Phase einer Operation. Dies haben die tschechischen und deutschen Soldaten mit höchster Professionalität geleistet, unterstützt durch so wichtige Fähigkeiten wie Flugabwehr, aber auch Feldjäger“, lobte Brigadegeneral Krone seine Truppen. 

Kampf um Schnöggersburg

Zwei Soldaten im Kampfmontur stehen nah an einer Hauswand, einer ruft etwas lautstark.

Kommunikation ist das A und O im Orts- und Häuserkampf, egal ob dies über Funk, Handzeichen oder wie hier mit Stimme geschieht

Bundeswehr/Sven Fischer

Während in Klietz der Kampf um Gewässer tobte, verlegte das norwegische Telemark-Bataillon seine knapp 600 Soldatinnen und Soldaten sowie mehr als 200 Fahrzeuge per Schiff, Straße und Flugzeug ins Gefechtsübungszentrum Heer auf dem Truppenübungsplatz Altmark. Wie in Klietz war dort bereits das Versorgungsbataillon 131 vor Ort. Die Nachschub- und Instandsetzungssoldatinnen und -soldaten stellten die logistische Versorgung sicher.

Als zusätzlich die tschechischen Kräfte aus Klietz sowie das Aufklärungsbataillon 13 aus Gotha eintrafen, hatte die Panzergrenadierbrigade 37 all ihre Manöverelemente zusammengeführt und war bereit für den letzten Übungsabschnitt: den Kampf im urbanen Raum und um die Übungsstadt Schnöggersburg. Mit der Refokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung und basierend auf Erkenntnissen aus derzeitigen Kriegen innerhalb und außerhalb Europas wird die Befähigung zum Kampf in urbaner Infrastruktur wieder wichtiger. Sie gehört jedoch zu den komplexesten Gefechtshandlungen überhaupt.

Die Kräfte Blau, also die Panzergrenadierbrigade 37, waren im Kampf um Schnöggersburg gegen die feindlichen Kräfte Rot in der Überzahl – keineswegs eine einfache Aufgabe. Die Kräfte Rot, dargestellt durch den Ausbildungsverband des Gefechtsübungszentrums, kennen Schnöggersburg wie ihre eigene Westentasche. Stellungen sind vorbereitet, Wege erkundet, Hinterhalte präpariert und selbst bei Nacht bewegen sie sich sicher durch die Ortschaft. So trafen „die Blauen“ auf einen zwar zahlenmäßig unterlegenen, aber gut organisierten und gut vorbereiteten Gegner in einer unübersichtlichen, verwinkelten und bislang unbekannten Ortschaft.

Bereits der Angriff und der Einbruch in die Stadt wurden durch Hindernisse erschwert. Minensperren, sowie gesprengte und gesperrte Brücken hemmten den Angriffsschwung. In der Ortschaft selbst lauerten überall gegnerische Kräfte. Jeder Türrahmen, jedes Fenster, jedes Dach und jeder Kellerabgang barg potenzielle Gefahren. Die Nerven waren zum Zerreißen gespannt und die Kämpfe hart. Doch schließlich rückte das Angriffsziel, der Bahnhof von Schnöggersburg als logistischer Knotenpunkt in greifbare Nähe. Der Angriffsdruck aus dem Schulterschluss beider Gefechtsverbände mit ihren norwegischen, tschechischen und deutschen Kräften zwang den Gegner letztlich aus der Stadt hinaus. Der Bahnhof war genommen und die Stadt Schnöggersburg in eigener Hand.

Nur alle Fähigkeiten zusammen führen zum Erfolg

  • Ein Schützenpanzer Puma zieht ein Motorboot über einen Weg voller Matsch.

    Ein Schützenpanzer Puma bringt ein Schlauchboot an das Gewässer, mit welchem die Grenadiere auf das andere Elbufer übersetzen werden. Dort sichern sie anschließend den Aufbau der Amphibien für den Gewässerübergang.

    Bundeswehr/Daniel Geisthardt
  • Ein Schützenpanzer Marder befährt die Amphibie M3 bei Sonnenuntergang.

    Konzentration ist alles: Der Einweiser auf der Amphibie M3 gibt der Besatzung des Schützenpanzers Marder klar verständliche Handzeichen, um eine sichere Überfahrt zu gewährleisten

    Bundeswehr/Martin Glinker
  • Ein Brückenlegepanzer Leguan klappt seine Legebrücke aus, dahinter steht ein Schützenpanzer am Rand

    Eine zerstörte Brücke hält sie nicht auf: Während der norwegische Brückenlegepanzer Leguan seine Brückenelemente ausfährt, sichert ein norwegischer Schützenpanzer CV9030N die Umgebung um das Hindernis.

    Bundeswehr/Wolfgang Betz
von Susan Billing

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