Teamwork an der Schwarzmeerküste
Feldpost, Triebwerkswechsel, Tanken und vieles mehr – Einsatz der Luftwaffe heißt Know-how und Kooperation auch am Boden.
Zum vierten Mal zeigt die Luftwaffe mit Eurofightern an der rumänischen Schwarzmeerküste Präsenz. Von August 2025 bis März 2026 sichern deutsche Jets gemeinsam mit rumänischen Fliegern den südöstlichen Luftraum des NATO-Bündnisgebiets.
Rund 170 Soldatinnen und Soldaten sowie fünf Eurofighter bildeten in den vergangenen acht Monaten das Rückgrat der NATO-Mission enhanced Air Policing South (eAPS), stationiert auf der Mihail Kogălniceanu Air Base nahe der Hafenstadt Konstanza. Das Hauptkontingent stammte vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ aus Wittmund, unterstützt von Spezialkräften des Objektschutzregiments „Friesland“.
Präsenz an den Grenzen des Bündnisgebiets. Die Truppen der NATO-Mission „enhanced Air Policing South“ sind in Rumänien stationiert
BundeswehrDie deutschen Kampfflugzeuge waren Teil des Quick Reaction Alert (QRA) – der Alarmrotte vor Ort, die rund um die Uhr startbereit ist. Innerhalb weniger Minuten können die Maschinen abheben, wenn sich unbekannte Luftfahrzeuge ohne Transpondersignal dem NATO-Luftraum nähern. Diese ständige Einsatzbereitschaft ist mehr als Routine, sie ist Abschreckung in Echtzeit.
Mit mehr als 650 Flugstunden und 35 Alarmstarts setzte die deutsche Luftwaffe in den acht Monaten bis Ende März 2026 ein sichtbares Zeichen für eine glaubwürdige Präsenz im NATO-Luftraum und leistete einen wichtigen Beitrag zur kollektiven Verteidigung. Nun ist diese Mission erfolgreich beendet und die britischen Streitkräfte führen sie unterbrechungsfrei fort.
Wenn es um die Sicherung des NATO-Luftraums geht, sind die Pilotinnen und Piloten der Bündnispartner vor Ort die stillen Wächter am Himmel. Ihre Mission: Abfangeinsätze mit den blitzschnellen Jets der Alarmrotte. Sie sind die erste Verteidigungslinie, um jederzeit an den NATO-Bündnisgrenzen für Sicherheit zu sorgen.
Die Aufgabe der Abfangjäger ist klar definiert: Sie klären auf, identifizieren, überwachen und beobachten jede verdächtige Flugbewegung. Doch in der sicherheitspolitisch angespannten Lage am Schwarzen Meer, in unmittelbarer Nähe zur Ukraine und zu Russland, könnten die Einsätze einen ungeahnten Verlauf nehmen.
In der Regel sieht das Szenario so aus: Ein unbekanntes Flugzeug durchquert den internationalen Luftraum über dem Schwarzen Meer. Es meldet sich nicht und reagiert nicht auf Funkrufe. Für die Radarsysteme ist es wie ein Geist, der sich in Nebel hüllt. Hier kommt die QRA ins Spiel. Die Abfangjäger steigen auf, um diesen „Geist“ zu enttarnen. Sie fliegen dicht an das unbekannte Flugzeug heran, um es visuell zu identifizieren – sozusagen, um ihm direkt in die Augen zu blicken.
Diese oft von russischen Militärflugzeugen durchgeführten Manöver, bei denen der Transponder absichtlich ausgeschaltet ist, sind zwar völkerrechtlich nicht illegal. Jedoch sind sie ein gefährliches Spiel: Russland testet so die Reaktionszeiten und Einsatzverfahren der NATO. Jeder Einsatz wird minutiös dokumentiert. Die NATO-Allianz zieht aus jedem Einsatz neue Erkenntnisse, deren Auswertung die Reaktionsschnelligkeit weiter erhöht. Die Pilotinnen und Piloten sind also nicht nur Wachposten, sie sind auch die Augen und Ohren der Allianz, die in Echtzeit die Informationen liefern, um in brisanten Situationen die richtigen Entscheidungen treffen zu können.
Die Mission enhanced Air Policing South sichert den südöstlichen Luftraum der NATO, schützt die Bündnispartner vor Bedrohungen ihrer territorialen Integrität und setzt ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Am 31. März 2026 wurde das deutsche Kontingent von der Royal Air Force abgelöst – der Staffelstab wechselt, der Schutz bleibt.
Für den Schutz des Bündnisgebiets baut Rumänien die genutzte Basis in Konstanza seit 2023 aus. Nach der Fertigstellung soll die Mihail Kogălniceanu Air Base doppelt so groß sein wie die US-Luftwaffenbasis Ramstein – und damit Europas größter NATO-Stützpunkt werden.
Enhanced Air Policing South wurde 2014 beim Gipfel in Wales als Teil der NATO Assurance Measure ins Leben gerufen – eine Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland. Der Auftrag: den Luftraum an der Ostflanke des Bündnisses lückenlos überwachen und mögliche Bedrohungen frühzeitig abwehren.
Feldpost, Triebwerkswechsel, Tanken und vieles mehr – Einsatz der Luftwaffe heißt Know-how und Kooperation auch am Boden.
Oberstleutnant Alexander Feja
Leiter der Informationsarbeit im Air Component Command und Sprecher des Deutschen Anteils der NATO-Mission Verstärkung Air Policing Baltikum (VAPB) und enhanced Air Policing South (eAPS).
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